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Potsdamer Konferenz Historischer Fehler nach 70 Jahren entdeckt
Thema Specials P Potsdamer Konferenz Historischer Fehler nach 70 Jahren entdeckt
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02:16 03.08.2015
Diese Ponton-Brücke wurde für die Konferenzteilnehmer im Sommer 1945 von Sacrow nach Wannsee errichtet. Zwischen dem Park Babelsberg und der Berliner Vorstadt gab es eine weitere Ponton-Brücke. Quelle: Foto: Privat
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Potsdam

Der Mythos der berühmten Glienicker Brücke ist um eine Anekdote ärmer. 70 Jahre lang hieß es in Geschichtsbüchern und Ausstellungen, dass die Teilnehmer der Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 jeden Tag auf einer Notbrücke entlang der Glienicker Brücke von ihren Babelsberger Villen zum Konferenzort Schloss Cecilienhof in Potsdam gefahren sind. Doch dieser Darstellung haben nun unabhängig voneinander zwei Zeitzeugen widersprochen.

Zeitzeugen korrigieren die Geschichte

Die These von Gerhard Kaun (87) und Günter Grützner (80) aus Potsdam: Die von sowjetischen Pionieren errichtete Pontonbrücke für die alliierten Staatschefs Josef Stalin, Harry Truman und Winston Churchill hat sich mehrere hundert Meter weiter südlich an der sogenannten „Babelsberger Enge“ befunden.

Statt über Klein-Glienicke und die Königsstraße führte der Weg der „Großen Drei“ demnach direkt über den Tiefen See zum Glienicker Horn. „Ich war während der Konferenz in Potsdam und habe später auch die Reste der Brücke am Havelufer gesehen “, sagt Kaun, der in den 1950er Jahren mit einem Schnellboot an der Grenze Dienst geleistet hat.

Die Route führte nach Aussagen der Zeitzeugen nicht über Klein-Glienicke und entlang der Glienicker Brücke, sondern direkt über den Tiefen See. Quelle: Zeitzeugenbericht

Günter Grützner hat keine direkte Erinnerung an die Konferenz. Der frühere ökonomische Direktor der Staatlichen Schlösserverwaltung hat allerdings in den 1980er Jahren ein kleines Buch über das Schloss Cecilienhof verfasst und Filmaufnahmen ausgewertet, die während der Konferenz angefertigt worden waren. Der DEFA-Dokumentarfilmer Karl Gass selbst hatte die Bilder Grützner zur Verfügung gestellt. Dieser hatte für den Film „Zwei Tage im August – Rekonstruktion eines Verbrechens“ über den Abwurf der Atombomben auf Japan die Archive durchsucht. Zudem stützt Grützner seine Behauptung auf den lange verstorbenen Potsdamer Havelfischer Rudolf Schmidt. „Der fischte vom Tiefen See bis zur Pfaueninsel und hat mir den Standort der Brücke selbst bestätigt“, sagt Grützner.

Bei Führungen im Schloss Cecilienhof wird das Detail berücksichtigt

Der Potsdamer Brückenhistoriker Wolfgang Verch stimmt den Zeitzeugen zu. Er hat ein Buch über die zerstörten Brücken Berlins und ihren Wiederaufbau verfasst und weiß: „Die hölzerne Notbrücke, die bis 1949 nördlich der Glienicker Brücke als Havelübergang diente, war während der Konferenz noch nicht fertiggestellt.“ Außerdem hatten sowjetische Pioniere bereits eine 250 Meter lange Pontonbrücke von Sacrow über die Havel nach Wannsee geschlagen, die sogar ein „ausschwimmbares Mittelstück“ besaß, um Bootsverkehr durchzulassen, so Verch. Diese Brücke diente als direkte Verbindung zum Flughafen Gatow. Für die knapp 90 Meter breite Babelsberger Enge sei eine weitere Pontonbrücke für die Pioniere eine schnelle Lösung gewesen. „Die Dokumentation ist allerdings sehr schlecht und ich kenne keine Bilder von der Brücke“, sagt Verch.

Übereinstimmend vermuten alle drei, dass die Konferenzteilnehmer aus Sicherheitsgründen die kürzeste Strecke nahmen. „Die haben sich überall ihren Weg gebahnt“, sagt Verch. Ob es aber auf der Potsdamer Seite dann wirklich über die Schwanenallee zum Schloss Cecilienhof ging, oder der Weg über die Berliner Straße und den Haupteingang des Neuen Gartens führte, ist weiterhin nicht eindeutig geklärt. Immerhin hat es am Haupteingang des Parks einen Kontrollpunkt gegeben.

Zustimmung von Historiker

Manfred Görtemaker, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam und Fachmann für die Konferenz, kann der These von Kaun und Grützner viel abgewinnen: „Der Standort der Brücke ist plausibel und Zeitzeugen irren sich eigentlich nicht. Sie sehen allerdings immer nur einen Ausschnitt und nicht das ganze Bild“, schränkt er ein. Er selbst habe sich diesem Detail in seiner Forschung nie gewidmet.

Auch Harald Berndt, Kastellan von Schloss Cecilienhof, will der kleinen historischen Korrektur nicht widersprechen. „Es gibt immer Fehler, die sich fortschreiben und nicht mehr hinterfragt werden. Daher freue ich mich, dass auch dieses Detail geklärt ist“, sagt Berndt. Im Kontext der 1945 in Potsdam getroffenen Entscheidungen spiele diese Erkenntnis zwar keine große Rolle, aber der neue Wissensstand werde künftig bei Führungen durch die Gedenkstätte kommuniziert, versprach Berndt.

Die Potsdamer Konferenz

Im Sommer 1945 trafen sich die Staatschefs der Sowjetunion, USA und Großbritannien um im Potsdamer Schloss Cecilienhof über die Nachkriegsordnung zu beraten. Dieses Treffen der „Großen Drei“ endete vor 70 Jahren am 2. August 1945.

Wichtige Entscheidungen betrafen die Reparationsfrage, die neuen Grenzen Deutschlands, Polens und der Sowjetunion, sowie die künftige Zusammenarbeit der Siegermächte.

Auch der Befehl zum Abwurf der Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki wurden von US-Präsident Truman während seines Aufenthalts in Potsdam gegeben.

Die Zusammenkunft der Siegermächte sollte eigentlich in Berlin stattfinden. Doch statt der völlig zerstörten Reichshauptstadt zogen die Delegationen in das unzerstörte Villenviertel „Neu-Babelsberg“.

Als Tagungsort wurde das großzügige Schloss Cecilienhof auf der anderen Havelseite in Potsdam ausgewählt. Bislang wurde irrtümlich angenommen, dass der Weg der Konferenzteilnehmer dorthin über Klein-Glienicke und die Glienicker Brücke verlief.

Potsdamer-Konferenz: Ein Blick hinter die Kulissen

Von Peter Degener

Viele Wege führen nach Cecilienhof. Doch welchen haben die Großen Drei im Sommer 1945 genommen, wenn sie ihre Babelsberger Villen verließen und zur Konferenz ins Schloss fuhren? Bisher gingen Historiker davon aus, dass Stalin, Truman und Churchill über ein Provisorium an der Glienicker Brücke pendelten. Die MAZ hat herausgefunden, dass das nicht stimmt.

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