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Potsdamer Konferenz Erinnerung an die Potsdamer Konferenz 1945
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08:39 01.09.2015
Das Plenum noch am Ort des Abkommens, Schloss Cecilienhof: Der Zeithistoriker Manfred Görtemaker, Hausherr Hartmut Dorgerloh, Asienexperte Michael Paul, die Moderatorin des Abends, die Publizistin Mariam Lau, sowie Bundesjustizminister Heiko Maas (vorn, v. l. n. r.). Quelle: Christel Köster
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Potsdam

Nicht in den historischen Räumen im Schloss Cecilienhof, aber sehr nahe daran, nämlich in der Orangerie des Neuen Gartens, sprachen Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), der Zeithistoriker Manfred Görtemaker von der Universität Potsdam, der Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik, Michael Paul, und – anders als geplant – nicht Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs, sondern dessen Stellvertreter Burkhard Exner, über das Potsdamer Abkommen zum 70. Jahrestag dieses Textes.

Ausgerechnet aus deutscher Sicht sieht der Zeithistoriker Görtemaker das Potsdamer Abkommen, das eigentlich nur ein Protokoll der Potsdamer Konferenz war, als Erfolg an: „Weil die deutsche Frage offen gelassen wurde.“ Daran hätten 1990 ab dem 13. Februar in Ottawa die vier Siegermächte und das geteilte Deutschland bei den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen anknüpfen können. Ansonsten sei in jenem berühmten Abkommen „vieles noch unklar gewesen“. „So Gott will“, habe Josef Stalin am Ende der Konferenz zu Amerikas Präsident Harry S. Truman gesagt, werde man sich in Washington zu weiteren Gesprächen treffen. Dazu sei es bekanntermaßen nicht gekommen.

Die Fronten verhärteten sich zum Kalten Krieg. Das einzig wirklich handfeste Ergebnis sieht Görtemaker in der Festschreibung der Oder-Neiße-Linie, was sich letztlich auch gut für Deutschland und die spätere europäische Friedensordnung ausgewirkt habe.

Von der Moderatorin Mariam Lau wollte sich auch Justizminister Maas nicht das Zugeständnis entlocken lassen, das Potsdamer Abkommen habe doch zumindest mit seinen Zielen der Demokratisierung und Entnazifizierung Deutschland einiges erreicht. „Die Entnazifizierung hat gar nicht so gut funktioniert“, sagt Maas. Ein aktuelles Forschungsprojekt, an dem Görtemaker selbst beteiligt ist, zeige, dass in den 1960er-Jahren rund 80 Prozent der Richter des Bundesgerichtshofes alte Nazis gewesen seien. „Wir haben sehr, sehr lange gebraucht, um diese Leitlinien auch tatsächlich umzusetzen“, befand Maas. Aus seiner Sicht ist das Potsdamer Abkommen auf ganz andere Weise interessant: Die Konferenz habe deutlich gemacht, dass es diplomatisch und politisch sinnvoll sein kann, statt Vergeltung für noch so große Verbrechen zu üben, sich lieber in Richtung Aufbau zu bewegen. „Es ist ein Beispiel, wie man sich nach dem Krieg zwischen Siegern und Besiegten verständigt.“ Weltgeschichtlich sei das Potsdamer Abkommen ein Übergang von der Vergeltungspolitik hin zur Stabilisierungspolitik.

Dies alles sieht der Asienexperte Markus Paul viel zu „eurozentristisch“. Er bemerkt zurecht, dass der Zweite Weltkrieg mit der Potsdamer Konferenz keineswegs zu Ende war, sondern erst mit der Kapitulation Japans am 2. September 1945 endete. „Die Atombombe war zweifellos kriegsentscheidend“, sagt Paul. Und ihre Existenz begleite uns bis in unsere Tage. Ebenso wie die Konflikte zwischen Japan und China, die schon am 7. Juli 1937 und damit vor dem eigentlichen Zweiten Weltkrieg begannen. Paul sieht bei diesem Konflikt den Arm des Potsdamer Abkommens bis in die Gegenwart reichen. Nicht umsonst habe der chinesische Premier Li Kequiang bei seinem Besuch 2013 in Potsdam auf das Abkommen hingewiesen. Japan war darin darauf hingewiesen worden, eroberte Territorien an China zurückzugeben.

Er hoffe, dass sich die im Abkommen genannte Perspektive „positiv“ auf die aktuellen Konflikte im südchinesischen Meer auswirke, so Paul. Diesen weltgeschichtlichen Bedeutungen hatte Bürgermeister Burkhard Exner eine eher bescheidene lokale Perspektive hinzuzufügen. Exner glaubt aber, dass nicht zuletzt die reiche Erinnerungskultur in der Landeshauptstadt, zu der auch der Tag von Potsdam gehöre, die Potsdamer weitgehend immun gegen rechtes Gedankengut mache. „Wir haben viele Orte, die einem ermuntern sollen, einen Demokratieansatz zu leben.“

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