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Potsdamer Konferenz Endstation Potsdam
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15:13 16.07.2005
Winston Churchill (links) Harry Truman (Mitte) und Josef Stalin (rechts außen). Quelle: dpa
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Potsdam

Die Potsdamer Konferenz zwischen den Staats- und Regierungschefs der USA, Großbritanniens und der Sowjetunion vom 17. Juli bis 2. August 1945 war die letzte der drei Kriegskonferenzen der „Großen Drei“. Die erste hatte im November und Dezember 1943 in Teheran stattgefunden, die zweite im Februar 1945 in Jalta. Die Potsdamer Konferenz trug deshalb nicht zufällig den Codenamen „Terminal“ (Endstation). Die Entscheidung für Potsdam als Ort des dritten Treffens fiel in einem Gespräch des amerikanischen Sonderbotschafters Harry Hopkins mit Stalin am 28. Mai 1945 in Moskau. Eigentlich sollte die Konferenz in Berlin abgehalten werden. Doch bei der Suche nach einem möglichst unbeschädigten und leicht abzusichernden Konferenzgebäude erschien das Schloss Cecilienhof im „Berliner Vorort“ Potsdam am tauglichsten.

Das zwischen 1913 und 1916 für die Familie des Kronprinzen erbaute Hohenzollernschloss, das nach Kronprinzessin Cecilie benannt worden war, verfügte nicht nur über 176 Zimmer, die als Arbeitsräume für die Delegationen dienen konnten, sondern auch über eine etwa 12 Meter hohe, geräumige Wohnhalle, die als Konferenzsaal geeignet war. Die Unterbringung der Delegationen erfolgte im wenige Kilometer entfernten Babelsberg. Für Präsident Truman und Staats- und Parteichef Stalin wurden dort Villen in der ehemaligen Kaiserstraße hergerichtet. Für Premierminister Churchill – und später Attlee – wurde ein Haus in der Ringstraße reserviert.

Die „Westverschiebung“ Polens auf der Agenda
Hauptthemen der Konferenz waren die Errichtung eines Rates der Außenminister mit einem gemeinsamen Sekretariat in London, die Verabschiedung von Grundsätzen zur Behandlung Deutschlands, die Reparationsfrage, die „Westverschiebung“ Polens mit der Neufestlegung der polnischen Westgrenze entlang der Oder-Neiße-Linie sowie die Vorbereitung von Friedensverträgen mit Italien, Bulgarien, Finnland, Ungarn und Rumänien. Außerdem ging es um den Abzug der alliierten Truppen aus dem Iran und die Revision der 1936 in Montreux geschlossenen Konvention über die Meerengen. Daneben fanden Besprechungen der militärischen Stabschefs der drei Mächte statt, denn im Fernen Osten wurde noch immer gekämpft, Japan war noch nicht besiegt.

Nach der Konstituierung der Konferenz am Spätnachmittag des 17. Juli ging es zunächst um die äußere und innere Neuordnung Deutschlands sowie um die Verteilung der deutschen Kriegs- und Handelsflotte und um das Reparationsproblem. Ausgelöst durch eine Frage Churchills nach der geographischen Bestimmung des Begriffes „Deutschland“, einigten sich die Regierungschefs am 18. Juli darauf, bei ihren weiteren Beratungen „das Deutschland des Jahres 1937 als Ausgangspunkt zu nehmen“ – also das Deutschland nach dem Versailler Vertrag und vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938. Diese „Arbeitshypothese“, wie Stalin sie nannte, sollte als eine Definition Deutschlands gelten, bis in einem künftigen Friedensvertrag durch eine Neufestlegung der Grenzen die äußere Gestalt Deutschlands endgültig fixiert werden würde.

Verknüpft wurde diese Definition mit der – vor allem aus ökonomischem Kalkül vorgetragenen – amerikanischen und britischen Forderung, Deutschland „während der Besatzungszeit (. . .) als eine wirtschaftliche Einheit zu betrachten“ und Zentralverwaltungen zu errichten, um die gemeinsame Entwicklung ganz Deutschlands unter der Leitung des Alliierten Kontrollrats zu gewährleisten. Nur eine einheitliche wirtschaftliche Ordnung, so die Begründung, werde es ermöglichen, das deutsche Wirtschaftspotential wirksam zu mobilisieren, die Einfuhren auf ein Minimum zu beschränken und angemessene Vorkehrungen zur Wahrung eines einheitlichen Lebensstandards auf der Höhe des Existenzminimums zu treffen. Zudem trage die Wirtschaftseinheit dazu bei, Unterschiede in der Behandlung der Bevölkerung zu vermeiden und Bemühungen von deutscher Seite vorzubeugen, eine Besatzungsmacht gegen die andere auszuspielen.

Für die Besatzungspolitik selbst wurden politische und wirtschaftliche Grundsätze vereinbart, die als die vier „D’s“ bekannt geworden sind: Denazifizierung, Demokratisierung, Demilitarisierung und Dezentralisierung. Die Kontrolle über Deutschland sollte von den Oberbefehlshabern der Streitkräfte der vier Mächte, einschließlich Frankreichs, „nach den Weisungen ihrer jeweiligen Regierungen ausgeübt (werden), und zwar von jedem in seiner eigenen Besatzungszone, sowie gemeinsam in ihrer Eigenschaft als Mitglied des Kontrollrats in den Deutschland als Ganzes betreffenden Fragen“.

Heftig umstritten: die Reparationen
In Verbindung mit dem Prinzip der Einstimmigkeit der Entscheidungen im Alliierten Kontrollrat wurde die spätere Teilung Deutschlands damit vorweggenommen, weil der Zusammenhalt der Besatzungszonen nunmehr von der Bereitschaft der Besatzungsmächte zur Zusammenarbeit abhing.

Keine Einigung gab es dagegen zunächst beim Thema Reparationen und in der Frage der polnischen Westgrenze. Bei den Reparationen wünschten vor allem die USA keine Wiederholung der Fehler, die auf der Versailler Konferenz 1919 begangen worden waren. Die dort getroffenen Reparationsbestimmungen hatten maßgeblich zur wirtschaftlichen Instabilität der Weimarer Republik beigetragen und Hitler den Weg zur Macht geebnet. Hinsichtlich Polens widersetzte sich insbesondere Churchill der Forderung Stalins, die Linie entlang der Oder und westlichen (Görlitzer) Neiße als polnische Westgrenze anzuerkennen, denn dadurch würde die wirtschaftliche Struktur Deutschlands zerrissen, und die Umsiedlung von acht bis neun Millionen Deutschen bedeute „eine schwere moralische Verantwortung“ für die Siegermächte.

Eine Lösung kam erst zustande, als Churchill am 25. Juli die Konferenz verlassen musste, um in London das Ergebnis der Unterhauswahlen abzuwarten, die inzwischen stattgefunden hatten, und nach seiner Wahlniederlage nicht mehr nach Potsdam zurückkehrte. Nun verständigten sich die USA und die Sowjetunion auf einen „Paket-Kompromiss“, bei dem die Oder und Görlitzer Neiße als polnische Westgrenze anerkannt wurden, während die Sowjetunion im Gegenzug weitgehend auf Reparationen aus den Westzonen verzichtete. Clement Attlee, der als neuer Premierminister die Leitung der britischen Delegation übernahm, konnte dieses Ergebnis nur noch resigniert zur Kenntnis nehmen.

Die Machtbalance hatte sich damit nachhaltig zugunsten Trumans und Stalins bzw. der USA und der Sowjetunion verschoben. Diese Veränderung wurde noch dadurch unterstrichen, dass der amerikanische Präsident in Potsdam die Nachricht vom ersten erfolgreichen Test der Atombombe am 16. Juli 1945 in der Wüste von New Mexico erhielt. Stalin, der davon am Vortag der Abreise Churchills unterrichtet wurde, reagierte äußerlich ungerührt. Er hoffe, erklärte er, dass die Amerikaner im Krieg gegen Japan von der neuen Waffe guten Gebrauch machen würden. Allerdings gab er zugleich Anweisung, die eigene Atombombenentwicklung zu beschleunigen. Da die sowjetische Führung über ihren Spion Klaus Fuchs, der im amerikanischen „Manhattan-Projekt“ mitarbeitete, bereits über genaue Kenntnisse verfügte und auch Kopien der wichtigsten amerikanischen Pläne besaß, war die Zündung einer eigenen sowjetischen Atombombe nur eine Frage der Zeit. Das Atomzeitalter hatte begonnen.

Der Beschluss zum Atombomben-Abwurf
Für Präsident Truman ging es in Potsdam allerdings zunächst darum, den Krieg gegen Japan möglichst rasch zu beenden. Er rechnete bei der Eroberung der japanischen Hauptinseln noch mit mindestens 500 000 Toten allein auf amerikanischer Seite und war deshalb entschlossen, die neue Waffe tatsächlich gegen Japan einzusetzen. Die Entscheidung dazu fiel offenbar noch im „Little White House“, der Truman-Villa in Babelsberg. Die entsprechenden Befehle wurden auf der Rückreise von Potsdam auf dem Weg in die USA ausgefertigt.

Die Potsdamer Konferenz war damit gleich in mehrfacher Hinsicht historisch bedeutungsvoll: bei der Aufteilung Europas in Interessensphären, als Auftakt für den Ost-West-Konflikt, beim Beginn der Nukleardiplomatie zwischen den USA und der Sowjetunion, aber auch – aus deutscher Sicht besonders bemerkenswert – hinsichtlich der Tatsache, dass die „deutsche Frage“ prinzipiell offen blieb. Es war deshalb kein Zufall, dass die Diplomaten bei den Verhandlungen der beiden deutschen Staaten mit den vier Siegermächten des Zweiten Weltkrieges 1990 (den „Zwei-plus-Vier-Verhandlungen“) nahtlos an das Kommuniqué von 1945 – das so genannte „Potsdamer Abkommen“ – anknüpfen konnten. Erst mit dem „Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland“ vom 12. September 1990, der die außenpolitischen Aspekte der deutschen Vereinigung regelte und damit einem Friedensvertrag gleichkam, auch wenn der Begriff selbst vermieden wurde, ging deshalb die „Potsdamer Nachkriegsordnung“ zu Ende.
Von Manfred Görtemaker

Manfred Görtemaker (Jahrgang 1951) ist Professor für Neuere Geschich-te an der Universität Potsdam und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Deutschlands.

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Nein, die Journalisten hatten es im Somemr 1945 in Potsdam wirklich nicht leicht. Eigentlich muss es heißen: die Presse war mehr oder weniger von der "Potsdamer Konferenz" der "Großen Drei" ausgeschlossen. Was sich hinter den Kulissen zwischen Stalin, Truman, Churchill (später Attlee) abspielte blieb nebulös. Nur eines gab es: Fototermine. Und so entstanden einige Legenden...

16.07.2005
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