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Potsdamer Konferenz Tag 3: Ein erster kurzer Konferenztag
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12:09 22.06.2018
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Potsdam

Das Sommerwetter macht in Potsdam eine Pause. Die Temperaturen klettern am heutigen Dienstag nur knapp über 20°C und die Sonne lässt sich gar nicht sehen. Stattdessen tröpfelt es – Zeit, um mit der Konferenz zu beginnen.

US-Präsident Harry Truman ist auch nach seiner zweiten Nacht in Potsdam wieder früh auf den Beinen. Er nimmt um 8 Uhr sein Frühstück ein, bearbeitet Post und bereitet sich auf den heutigen Konferenzbeginn vor.

Josef Stalin, der entgegen der Gerüchte vom Vortag tatsächlich erst heute um 11 Uhr am Potsdamer Hauptbahnhof eingetroffen ist, startet seinen Aufenthalt in Potsdam mit einem Antrittsbesuch beim amerikanischen Präsidenten.

Bereits um 12 Uhr wird der sowjetische Staatschef vor dem "Kleinen Weißen Haus" empfangen und zu Truman in dessen Arbeitszimmer geleitet. Stalin erklärt dem Präsidenten gut gelaunt und wortreich seine Verspätung – Verhandlungen mit den Chinesen seien Grund für die späte Anreise. Truman nimmt dies unkommentiert zu Kenntnis und lenkt das Gespräch auf allgemeine Themen der Weltpolitik und die anstehende Konferenz.

Nachdem man nun auch endlich den Beginn der Konferenz beschlossen hat – später um 17 Uhr soll das erste Treffen im Cecilienhof stattfinden –, ist es auch schon eins. Truman überredet Stalin, zum Lunch zu bleiben.

Während Stalin und Truman sich bei kalifornischem Wein – den der Generalissimus in allerhöchsten Tönen lobt – im Smalltalk üben, guckt sich der britische Premiereminister Winstopn Churchill Schloss Sanssouci an.

Bei seiner Rückkehr erhält er die Nachricht über den gelungenen Atombombentest der Amerikaner. Die Meldung des US-Gesandten versetzt ihn in Hochstimmung. Es sieht jetzt das baldige Ende des Zweiten Weltkrieges kommen und hofft zudem mit der Bombe ein Erstarken des sowjetischen Reiches auszuschließen.

Stalin erfährt nichts von der neuen Waffe. Fröhlich tritt er mit Truman vor die Kamera bevor er die Villa verlässt.

Um kurz vor 17 Uhr ist es dann endlich soweit. Die „Großen Drei“ begeben sich auf die fünf Kilometer lange Fahrt von ihren Villen in Babelsberg zum Schloss Cecilienhof im Neuen Garten in Potsdam. Erst Churchill, dann mit großem Sirenengeheul Truman und wenig später auch Stalin – der als einziger von der Seeseite durch die linke Fenstertür des Weißen Salons ins Gebäude kommt. Jetzt haben die Reporter und Fotografen einige Minuten Zeit ihre Fotos zu machen. Dann werden sie ausgeschlossen und um 17:10 Uhr ist es soweit: Die Potsdamer Konferenz, offiziell: Dreimächtekonferenz von Berlin, wird eröffnet.

Truman übernimmt auf Vorschlag von Stalin den Vorsitz. Zigarettenrauch (Stalin) und Zigarrenqualm (Churchill) breiten sich aus und die ersten Unstimmigkeiten werden sichtbar – Tagesordnungspunkte werden hinterfragt, abgelehnt oder hinzugefügt, ein Rat der Außenminister installiert, der schon schnell einiges zu tun bekommen sollte.

Noch vor 19 Uhr ist der erste Konferenz-Tag schon wieder vorbei. Die russische Delegation bittet zu einem kalten Buffet und Champagner wird ausgeschenkt. Churchill langt beim Kaviar zu und spült das Essen mit viel Schaumwein herunter. Eine leichte Magenverstimmung ist die Folge.

Präsident Truman ist dagegen in Hochstimmung. Ein Telegramm aus den Vereinigten Staaten informiert ihn über weitere Details zur Atombombe. Zusammen mit einigen Beratern, alle noch in leichten Sommeranzügen - obwohl sich die Sonne heute gar nicht so richtig blicken lässt, erreichen die Temperaturen rund 24°C - gekleidet, diniert der Präsident.

Richtig politisch wird es an diesem Abend nicht mehr. Vielmehr genießt man das exzellente Klavierspiel des Pianisten Eugene List, der dafür extra aus Paris eingeflogen wird.

Auf dem Programm stehen die Lieblingsstücke des Präsidenten. Nur eines kann an diesem Abend nicht gespielt werden: Chopins Walzer, Opus 42. Die Noten fehlen. Das soll keineswegs ein weiteres Mal passieren. Noch in der Nacht ergeht der Befehl nach Paris, die entsprechenden Noten sofort nach Babelsberg zu schicken.

Am späten Abend trifft zudem noch Familienbesuch in der Truman-Villa ein. Sergeant Harry Truman, Neffe des Präsidenten, erreicht gegen 23 Uhr das Haus. Eigentlich war er schon auf an Bord des Dampfers Queen Elisabeth – zu dieser Zeit als Truppentransporter eingesetzt – und sollte in Richtung New York auslaufen, doch als der Präsident ruft, gewährt ihn der zuständige General Landgang und der Neffe wird nach Babelsberg gebracht.

Stalin brütet derweil in seiner Villa, mit der er bis auf ein paar überflüssige Möbel – die er entfernen lässt – recht zufrieden ist, über militärischen Karten und Plänen und koordiniert die sowjetischen Truppenbewegungen im Osten. Er gibt Befehle, dass das Militär so schnell wie möglich den Kampf gegen Japan aufnimmt. Am 8. August, drei Monate nach der deutschen Kapitulation, so schwebt dem Generalissimus vor, soll es soweit sein.

Von MAZonline

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