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Stadt für eine Nacht Eine Sexpertin in der Schiffbauergasse
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13:16 22.06.2013
Potsdam

MAZ: Sie sind als Literaturkritikerin bei „Primadonna“. Auf was darf man gespannt sein?
Laura Méritt: Der Talk nennt sich Lesbisches Quartett. Nach dem Vorbild des berühmten Literarischen Quartetts gibt es drei feste Größen und eine Gästin. Wir besprechen vier Bücher. Unter anderem geht es um das von mir herausgegebene „Frauenkörper neu gesehen“ und „Wie wir begehren“ von Carolin Emcke.

Sie arbeiten als „Sexpertin“. Was ist darunter zu verstehen?
Méritt: Ich vermittle Wissen in Sachen Sexualität und halte dazu Vorträge und Workshops, mache Beratungen und einen Freudensalon jeden Freitag, in dem es um Austausch und Kommunikation über Sexualität geht.

Haben Sie das Gefühl, dass die Menschen im Zeichen der Wirtschaftskrise wieder mehr auf Sicherheit und konservative (Familien)werte gehen?
Méritt: Nein, die Wahl der Beziehung basiert nicht allein auf wirtschaftlichen Gründen. Viele junge Menschen probieren sich erst einmal in Zweierbeziehungen aus und leben monogam, auch als Schutz vor der Pornographisierung des Alltags. Es wird aber dabei mehr miteinander gesprochen, als die älteren Generationen es früher taten. Bei den Älteren bemerke ich, dass sie sich mehr öffnen. Besonders die Frauen.

Inwiefern?
Méritt: Vor allem Frauen im reiferen Alter sagen: Jetzt will ich noch einmal etwas anderes erleben. Sie ziehen los und erproben ihre Sexualität. Anders als Männer, die meistens das Modell Seitensprung praktizieren, sind diese Frauen sehr bedacht auf Offenheit und machen es weniger heimlich. Ich finde es toll, dass sie versuchen, das innerhalb einer Beziehung zu klären.

Sie beschreiben auch das Phänomen der sex-positiven Bewegung. Was ist das?
Méritt: Das kommt aus der Frauenbewegung der 1970er Jahre. Die Frauen wehrten sich gegen die herrschende, meist männlich geprägte Sexualität und vor allem den stereotypen Mainstream- Porno. Gleichzeitig war klar, dass ein anderer, positiver Zugang in Worten, Bildern und respektvollen Verhaltensweisen gewünscht war. In der Sprache wurde zum Beispiel die „schamhafte“ Beschreibung der weiblichen Genitalien entfernt, also anstatt Schamhaare, Schamlippen einfach nur Lippen oder Haare. Auch moralisch wertende Beschreibungen wie etwa Jungfernhäutchen, das im übrigen gar nicht jede Frau hat, wurde durch die „Vaginalkrone“ ersetzt. Dieses Wort beschreibt anatomisch und sachlich korrekt, um was es sich dabei handelt.

Statt Porno postulieren Sie eine Philosophie des PorYes.
Méritt: PorYes setzt sich für respektvolle sexuelle Darstellungen von Frauen und Männern ein, die realitätsnah sind und nicht Stereotype von riesigen Dauerständern und immer bereiten Superfrauen im XXL-Format verfestigen.

Auf welche Probleme treffen Sie oft als Sexpertin?
Méritt: Viele meinen, nicht der Norm zu entsprechen. Das kann anatomisch sein oder hinsichtlich der gesellschaftlichen Vorstellungen. Es gibt ein großes Bedürfnis, sich zu informieren und darüber auszutauschen. Das reicht von Fragen wie „Meine eine Lippe kuckt über die andere hinaus. Muss ich mich operieren lassen?“ bis zu „Analsex, wie geht das und wie vermittle ich das meinem Partner?“

Wie beurteilen Sie die Sex-Lage der Nation und wie wird unser Sex-Leben in 30 Jahren aussehen?
Méritt: Sex-positiv! Die Doppelmoral hat ausgedient. Es wird mehr Wert auf Information und ehrliche Kommunikation gelegt. Die Zeiten, in denen Werbung mit dickbusigen Frauen den Umsatz steigerte, während die Aufklärung der Kids nicht über die Lippen kommt, sind vorbei. Das Wissen über die sexuelle Anatomie und darüber, dass sie sich ändert, hilft dabei, sich und andere besser kennen und lieben zu lernen. Unser sexual-politisches Motto ist: Wissen macht sexy! Und deshalb wird der Sex im Alter immer besser.

Interviews: Ildiko Röd

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