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Stadtschloss Potsdam Neuer Landtag in Potsdams historischer Mitte
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Nahezu komplett zeigt sich das wiederaufgebaute Stadtschloss in Potsdam Quelle: dpa
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Der neue Landtag hatte am 18. und 19. Januar für Besucher geöffnet. Bereits am Samstag strömten viele Menschen in den Innenhof des neuen Stadtschlosses und verschafften sich einen Überblick über den Parlamentsbau in Potsdams historischer Mitte - und der Strom der Besucher riss auch am Sonntag nicht ab. Insgesamt nutzten 22.000 Zuschauer die beiden Tage der Offenen Tür am Landtag. Eigentlich waren pro Besuchstag nur 8000 Eintrittskarten vergeben worden. "Wir haben aber gemerkt, dass wir mehr Leute hereinlassen können.", sagte die Landtagssprecherin Katrin Rautenberg.

Landtagspräsident Gunter Fritsch hatte das Fortunaportal des neuen Potsdamer Landtags gegen 10:30 Uhr am Samstag für die Bürger eröffnet, die in langen Schlangen vor dem Stadtschloss auf Einlass warteten.

Fotos und Reaktionen

Die meisten Besuchern waren vom Landtagsneubau begeistert und freuten sich über den riesigen Plenarsaal, der schlicht in den Farben weiß und rot gehalten ist. Allenfalls der umstrittene weiße Adler an der Wand, den Kulka anstelle des roten Landesadlers durchgesetzt hatte, stieß weiter auf viel Kritik.

Das neue Stadtschloss
Die 88 Abgeordneten der fünf Fraktionen und ihre Mitarbeiter waren bereits kurz vor dem Jahreswechsel in ihr neues Domizil gezogen. Sie saßen 23 Jahre nicht weit weg auf dem Brauhausberg. Das Gebäude, früher eine Reichskriegsschule und später die SED-Bezirksleitung, war in die Jahre gekommen, marode und galt als „Bruchbude“.

Wer sich dem Landtag am nördlichen Teil nähert, erkennt an der Westfassade einen Spruch auf Französisch: „Ceci n'est pas un château“ – „Dies ist kein Schloss“. Dieser golden glänzende, über sieben Meter lange Schriftzug einer Potsdamer Künstlerin ist als Botschaft zu verstehen, die auch Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) gern in seinen Reden betont: „Das ist kein Stadtschloss, sondern ein Landtag in historischer Hülle.“ Das ursprüngliche klassische Schloss, ein Hauptwerk des Friderizianischen Rokoko, war 1945 durch Bomben schwer beschädigt worden. Die Ruinen wurden 1960 auf Beschluss des SED-Politbüros abgerissen.

Die Entstehung des neuen Gebäudes, das der Dresdner Stararchitekt Peter Kulka entworfen hatte, ist mit einer wechselvollen Geschichte verbunden. Seit den Wendetagen 1989/1990 wurde über die Bebauung der städtebaulichen Wunde im Herzen der Stadt breit diskutiert, oft sehr kontrovers. Doch es brauchte bis zu einer Entscheidung der Potsdamer Stadtverordneten und des Landtags viele Jahre. Den Stein ins Rollen brachte der in Potsdam wohnende Fernsehmoderator Günther Jauch. Er spendete für das Fortunaportal, das einstige Eingangstor des Schlosses. Das Portal wurde 2002 für drei Millionen Euro originalgetreu wiederaufgebaut. Doch es dauerte weitere Jahre, bis sich der Landtag 2005 entschloss, nicht das Gebäude auf dem Brauhausberg zu sanieren, sondern ein neues Gebäude in Potsdams Mitte zu bauen.

Anfangs war wegen begrenzter öffentlicher Mittel ein reiner Funktionalbau geplant. Doch dank einer großzügigen Spende von 20 Millionen Euro des Mäzens Hasso Plattner konnte die historische Fassade gebaut werden. Später spendierte er auch noch das originalgetreue Kupferdach. Gebaut wurde das Gebäude vom privaten Baukonzern BAM. Es handelte sich um eine öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP). Das Land zahlt für das 120 Millionen Euro teure Gebäude 30 Jahre Miete ab.

Der Prunk im Inneren hält sich in Grenzen. Die 400 Büros für die 88 Abgeordneten und ihre Mitarbeiter, die Landtagsverwaltung und den Rechnungshof, der auch mit einzieht, sind preußisch schlicht – durchschnittlich 18 Quadratmeter groß. Gehalten sind sie in den brandenburgischen Landesfarben: roter Teppichboden, weiße Wände, weiße Einbauschränke.

Der Stolz des Architekten Kulka: Der Landtag ist ein Energiesparhaus. Die Heizungen, die im Sommer auch für Kühlung sorgen, stecken in der Deckenverkleidung der Büros. Und wer das Fenster zum Lüften öffnet, schaltet automatisch die Heizung ab.

Von links nach rechts: Präsident des Landesrechnungshofes Christoph Weiser, Potsdams Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger, Landtagspräsident Gunter Fritsch, Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov, Archtitekt Peter Kulka und Alexander Naujoks (Vorstand, BAM Deutschland). Quelle: Julian Stähle

Die Übergabe des Schlüssels in Form eines symbolischen weißen Transponders aus massivem Holz erfolgte am 10. Oktober 2013 direkt am Eingang, vor dem historisch gehaltenen weißen Treppenhaus. Finanzminister Helmuth Markov (Linke), bisher der Bauherr, reichte Landtagspräsident Fritsch das nachempfundene Funkgerät. In dem Moment war dieser Hausherr über zwei Landtage in Potsdam: das jetzige Haus auf dem Brauhausberg, das Mitte Dezember geräumt wurde, und das neue.

Fritsch erinnerte daran, dass dieses Gebäude nun 30 Jahre halten muss. So lange zahlt das Land eine Miete an die BAM, die wiederum das Gebäude betreibt. „Wenn man ein Gebäude baut, dass man 30 Jahre in Schuss halten muss, gehe ich davon aus, dass man es solide baut“, hofft Fritsch.

Bei der Schlüsselübergabe wurde jedoch nicht nur gefeiert: Vor Ort waren auch Demonstranten. Studenten, Linksalternative und die Wählergruppe „Die Andere“ protestierten gegen zu hohe Mieten und die fortschreitende Gentrifizierung in der Landeshauptstadt.

Neben dem Parlament zog auch der Landesrechnungshof in das rund 120 Millionen Euro teure Gebäude mit ein. Ausgelegt ist der Bau auch für den Fall, dass nach einer Länderfusion mit Berlin 150 Abgeordnete Platz benötigen. „Schlösser stehen 400, 500, 600 Jahre. Meint ihr nicht, dass wir bis dahin die Länderfusion mit Berlin hinkriegen?”, fragte Fritsch. Rechnungshofpräsident Christoph Weiser hat es da nicht eilig. „Ich bin zuversichtlich, dass ich bis zum Ende meiner Amtszeit nicht ausziehen muss – und die geht bis 2024.”

Gunter Fritsch, Landtagspräsident in Brandenburg, hat am 10. Oktober 2013 die Schlüssel für den Nachbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Potsdamer Stadtschlosses erhalten. Das Parlament soll im Januar erstmals in dem neuen Gebäude tagen. Die Ruine des historischen Barockschlosses war in der DDR abgerissen worden.

Gunter Fritsch führte auch durch den neuen Plenarsaal. Dort kam erneut die Diskussion um den weißen Adler zur Sprache. Entgegen anderslautender Medienberichte steht Architekt Peter Kulka zu seiner ästhetischen Entscheidung, einen weißen Adler zu installieren. Er hofft, dass der Adler noch viele Jahre weiß bleibt: "Solange ich lebe, danach können sie machen, was sie wollen." Die Kunstkommission des Landtags konnte er bereits überzeugen, nun setzt er auf den Geschmack der Potsdamer. Skeptiker und Gegner gibt es dennoch:

Von der Slawenburg zum Schloss der Preußen

Die Geschichte des Potsdamer Stadtschlosses reicht schon mehr als tausend Jahre zurück. Bei der ersten urkundlichen Erwähnung Potsdams im Jahr 993 befindet sich hier am Ufer der Havel eine slawische Festung, die den Übergang vor feindlichen Angriffen schützen soll. Später wird die Befestigung am Flussübergang von den Brandenburger Kurfürsten übernommen. Ein Renaissanceschloss, das 1598 unter Kurfürst Joachim Friedrich errichtet wird, bleibt unvollendet. In der Folge gibt es mehrfache Umbauten.

Unter König Friedrich II. erhält das Schloss im achtzehnten Jahrhundert die Form, die es bis zu seinem Abriss behält und die auch Vorbild für die heutige Neugestaltung wird. Der Preußenherrscher beauftragt seinen Baumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, der schon das Charlottenburger Schloss in Berlin umgebaut hat, mit einer völligen Neugestaltung der Schlossanlage.

Von 1744 bis 1752 dauern die Arbeiten. Unter anderem entsteht im Innenhof ein vorgezogenes Treppenhaus, die Schlosskapelle wird abgerissen und durch ein zweistöckiges Theater ersetzt. Die Fassade wird in karminrosa gestrichen, das Dach mit Kupfer gedeckt. Friedrich II., der die Sommermonate meist in seinem Lieblingsschloss Sanssouci verbringt, bewohnt das Potsdamer Stadtschloss regelmäßig im Winter.

Friedrichs Nachfolger nutzen das Gebäude im Stadtzentrum dagegen meist nur noch für repräsentative Zwecke. Der Hohenzollern-Kaiser Wilhelm I. zum Beispiel lebt am liebsten im Schloss Babelsberg. Sein Enkel Wilhelm II. residiert vorwiegend im Neuen Palais. Nach der Abdankung des letzten deutschen Kaisers im Jahr 1918 sind im Potsdamer Stadtschloss unter anderem das Arbeitsamt und Teile der Stadtverwaltung untergebracht.

Den Zweiten Weltkrieg hätte das alte Gemäuer beinahe unversehrt überstanden. Erst bei einem Luftangriff am 14. April 1945, wird das Schloss zusammen mit großen Teilen der Potsdamer Innenstadt Ziel der Bomben. Der Gebäudekomplex wird mehrfach getroffen und brennt aus.

Die Außenmauern sind noch gut erhalten, trotzdem entscheidet sich die DDR-Führung für den Abriss. Das Schloss wird als Symbol für Fürstenherrschaft und preußischen Militarismus gesehen und soll verschwinden. Dagegen regt sich zwar über die Stadt Potsdam hinaus Protest, dennoch erfolgt von 1959 bis 1960 der Abriss. Nur der benachbarte Marstall bleibt erhalten und wird später zum Domizil des Filmmuseums Potsdam.

Über die Brachfläche , die durch den Abriss entsteht, wird in der Folge eine Verbindung von der Breiten Straße zur Langen Brücke geführt. Damit verschwindet der Grundriss des Schlosses aus dem Gedächtnis der Stadt.

Von der Grundsteinlegung bis zur Fertigstellung

Die letzte Schlossbewohnerin
Ingrid Semmrich lebte im Seitenflügel des Fortunaportals – bis die Bomben auf Potsdam fielen

 

Der erste Spatenstich
Am 25. März 2010 fand in Potsdams Mitte auf dem Alten Markt der Spatenstich für den Neubau des Landtags statt.

Die Grundsteinlegung
Am Alten Markt in Potsdam wurde der Grundstein für das Landtagsschloss gelegt. Zu den Gästen gehörten am 16. Februar 2011 u.a. Potsdams OB Jann Jakobs, Ministerpräsident Matthias Platzeck und der Mäzen Hasso Plattner.

Richtfest für das Stadtschloss
Unter großem Andrang der Potsdamer ist am 24. November 2011 auf dem Alten Markt das Richtfest für den Landtagsneubau gefeiert worden. Landtagspräsident Gunter Fritsch hob die Bedeutung des Tages hervor. „Wir geben Potsdam ein Stück seiner historischen Mitte zurück.”

Legendäre Wutrede
Eine Wutrede des Landtagsschloss-Architekten Peter Kulka überschattete am 19. Februar 2013 einen Festtermin zur Fertigstellung des von Hasso Plattner gestifteten Kupferdachs auf dem neuen Gebäude.

Mäzen Hasso Plattner über sein Engagement
Spenden des Software-Milliardärs ermöglichten erst die Wiederherstellung der historischen Fassade und ein Kupferdach

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