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Wissenschaftlicher Ausbau Lange Tradition

Am Forschungsstandort Teltow-Seehof standen immer Polymere im Fokus. Wie die Einweihung des neuen Biomedizintechnikums zeigt, werden aber zunehmend biomedizinische Anwendungen interessant.

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Wirkt wie eine Fassade mit Monitoren: das neue Biomedizintechnikum III in Teltow-Seehof.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Teltow. Es geht Schlag auf Schlag auf dem Forschungscampus Teltow-Seehof. Heute wird der dritte Anbau des Helmholtz-Instituts für Biomaterialforschung feierlich eingeweiht. Das nächste Großprojekt steht dabei bereits in Aussicht: Für den Bau eines neuen Gründer- und Technologiezentrums, das Platz für Ausgründungen unter anderem aus dem Institut schaffen soll, ist schon ein Förderantrag beim Land gestellt worden (s. Infokasten).

1,5 Millionen Euro – finanziert ebenso vor allem durch Fördermittel – wurden in den Bau des Biomedizintechnikums (BMT) III investiert, das heute im Beisein der brandenburgischen Forschungsministerin Martina Münch (SPD) seiner Bestimmung übergeben wird. Die künftige Arbeit dort erinnert an die Bauphase: Im Fokus stehen Gerüst-Konstruktionen – Gerüste, die Partnern bei der Produktion von gezüchteten Zellen des sogenannten Tissue Engineering helfen. Die Züchtungen sollen an die Stelle von krankem, verletztem oder im Zuge von Operationen entfernten Gewebe treten. Zudem erhält das Institut mit dem Anbau je nach Projekt flexibel gestaltbare Labore, die eine Kombination verschiedener Arbeitsprozesse ermöglichen.

„Mit der Inbetriebnahme des BMT III wird eine weitere Voraussetzung geschaffen, Grundlagen- mit praxisorientierter Forschung direkt zu verbinden und damit eine für den Forschungsstandort Teltow-Seehof besonders kennzeichnende Tradition fortgesetzt“, schlägt Institutsleiter Andreas Lendlein den Bogen zur langen Historie des Forschungsstandorts. Um künstliches Gewebe, produziert für die wirtschaftliche Vermarktungen, ging es auch schon, als die Vereinigten Glanzstoff-Fabriken vor mehr als 95 Jahren ihr Institut Seehof gründeten, um durch die Folgen des ersten Weltkriegs verloren gegangene Entwicklungskapazitäten im Elsaß auszugleichen. Von Anfang an standen Polymere, also chemische Verbindungen im Fokus der Aktivitäten, die aus Ketten- oder verzweigten Molekülen bestehen.

Statt biomedizinsche Materialien wie oft heute bestimmten aber damals Textilfasern aus der aus pflanzlichen Zellwänden produzierten Cellulose das Programm. Die Fasern wurden dringend gebraucht um ebenfalls kriegsbedingte Lücken der Versorgung mit Baumwolle zu füllen. Später gingen die Forscher in Teltow ganz zu vollsynthetischen Basisstoffen über, für die Namen wie Nylon, Trevira und Perlon stehen.

War die Geburt des Campus so eine Folge des 1. Weltkriegs, sorgte der 2. beinahe zum Erliegen der Forschungstätigkeiten. Erst 1949 brachte die Zuordnung des Standorts als Institut für Faserstoffforschung zur Akademie der Wissenschaften der DDR die Wende. Die hier gewonnenen Erkenntnisse sollten helfen, spätere DDR-Industriezweige mit synthetischen Faserstoffen zu versorgen. Ende der 1950er Jahre beschäftigte der Standort mehr als 300 Mitarbeiter. Der entstehende Austausch mit westlichen Forschungseinrichtungen bis zum Mauerbau wurde dabei vom Staat – wenn auch argwöhnisch – geduldet.

Schon in den 1970er Jahren erweiterten sich die Aufgaben der Einrichtung hin in Richtung medizinisch relevanter Polymere. Die neue Bezeichnung „Institut für Polymerenchemie“ nahm dies in der Namensgebung auf. Die neuen Aktivitäten sorgten für eine Aufstockung des Personals auf 400 Beschäftigte.

Die Wende 1989 zeigte schnell auch in Seehof Auswirkungen. Anlässlich der 40-Jahr-Feier des Instituts wurde die Leitung von Forschern höflich, aber unmissverständlich kritisiert. In der Folge setzte die Belegschaft eine außerordentliche Versammlung durch, auf der eine Misstrauenserklärung gegenüber der Führung beschlossen und die Wahl eines neuen demokratischen Rates gefordert wurde.

Nach der deutschen Vereinigung wurde die Forschungseinrichtung schließlich in kleinere Zentren aufgeteilt. Die größten waren das Fraunhofer-Institut für angewandte Polymerforschung und das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, die später in den Wissenschaftspark Golm umzogen. In Teltow blieben vier Nachfolgeeinrichtungen: das später ins Institut für Biomaterialforschung umbenannte Institut für Polymerforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht, die Fraunhofer-Einrichtung für Polymermaterialien und Komposite (Pyco), das Institut für Mikrosensorik und Dünnschichttechnologie sowie das Institut für Bioaktive Polymersysteme (Biopos), dessen Leitthema der Ersatz von Stoffen aus fossilen Ressourcen wie Erdöl durch biosbasierte Substanzen ist. „Ein Großteil der Forschung in Teltow-Seehof insgesamt zielt inzwischen auf biobasierte Chemikalien und Materialien“, so die Leiterin von Biopos, Birgit Kamm, die seit mehr als 25 Jahren dort agiert und sich intensiv für den Standort eingesetzt hat.

Von Gerald Dietz

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