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Trauer & Gedenken Uwe Langwisch ist seit vielen Jahren Bestatter
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00:33 02.07.2015
Am Computer zeigt Uwe Langwisch den Kunden, was es zum Beispiel für Särge gibt.  Quelle: Beate Vogel
Groß Pankow

 Wenn Uwe Langwisch zu ungewöhnlichen Zeiten die Kirchenglocken hört, bleibt er erst einmal im Büro. „Dann weiß ich, dass bald ein Anruf kommt, weil jemand gestorben ist“, sagt er. Der 51-Jährige Groß Pankower ist seit 25 Jahren neben seinem Beruf als Tischler auch Bestatter. „Bestattung gehört zum Handwerk“, sagt er. Dem Klischee vom Mann im schwarzen Anzug entspricht er nicht: Im Alltag ist der Tischlermeister in seiner Arbeitskleidung anzutreffen. Den Anzug und das Hemd trägt der Groß Pankower, wenn es einen Todesfall gibt.

Bei einem Todesfall rufen die Hinterbliebenen den Bestatter ihrer Wahl. „Je nachdem, wo der Angehörige verstorben ist – im Heim, im Krankenhaus oder Zuhause – fahre ich hin, oft auch zu den unmöglichsten Zeiten“, erklärt Uwe Langwisch. Der Bestatter holt den Verstorbenen erst ab, nachdem der Arzt im Haus war. Der 51-jährige Groß Pankower lieber zu den Familien nach Hause als in eine Klinik. „Sie sind dann in ihrer gewohnten Umgebung und haben gleich Zugriff auf die nötigen Papiere.“ Dann müssen die Leute nicht noch einmal ins Büro kommen. Schließlich begegnet ihnen der Bestatter in einer schlimmen Situation, muss Mitgefühl zeigen, aber auch geschäftliche oder amtliche Dinge abwickeln. Der Bestatter meldet zum Beispiel den Sterbefall beim Standesamt an, organisiert die Beisetzung, die Blumenarrangements und Kränze, die Beschriftungen auf den Schleifen, die Anzeigen in der Zeitung.

Rund um das Bestattungswesen

Die Berufsausbildung zur Bestattungsfachkraft ist seit August 2007 anerkannt. Fortgebildet wird zum Beispiel mit den Abschlüssen Geprüfter Bestatter, Bestattermeister, Geprüfter Kremationstechniker oder Kundenberater Friedhofsservice. Ausbilden darf, der die Meisterprüfung als Bestatter- oder Tischlermeister bestanden hat.

Organisiert sind die Bestatter über die Landesverbände der Tischlerinnung oder der jeweilige Bestatterinnung. Über diese können zum Beispiel regelmäßig Fachzeitschriften oder andere Publikationen bezogen werden.

Zu finden sind die Landesverbände und Innungen über den Bundesverband Deutscher Bestatter unter www.bestatter.de.

Im Büro spricht Uwe Langwisch mit den Angehörigen die Einzelheiten ab. Urnenbestattung ist heute die gängigste Variante, weiß er. Kremiert wird in Perleberg, Schwerin oder Stendal. Die Erdbestattung ist nicht nur teurer, auch die Grabpflege macht mehr Arbeit. „Wem will man das zumuten, die Kinder sind weg, das Geld ist auch nicht mehr so da“, sagt der 51-Jährige. Es ist nicht leicht, die Menschen in ihren schwersten Stunden zu begleiten. Manchmal muss Uwe Langwisch das Gespräch abbrechen. „Damit die Leute erst mal zu sich kommen.“ Manchmal sei es aber auch lustig, weil die Hinterbliebenen froh sind, dass der Verstorbene es geschafft hat, etwa nach einer langen Krankheit.

Abschied nehmen viele Menschen Zuhause, erklärt der Groß Pankower. Bei einer Erdbestattung wird am Tag der Beisetzung Abschied genommen. „Ich mache den Verstorbenen dann fertig, ziehe ihn an, die Männer werden rasiert.“ Die Kleidung suchen die Angehörigen aus, manchmal ist auch eine Perücke dabei, wenn jemand Krebs hatte. Oft gibt die Familie ein Bild mit. Vom Schminken hält Uwe Langwisch nicht viel. Viele der Verstorbenen kenne er ohnehin, weiß, wie sie zu Lebzeiten aussahen. „Ich habe selber Vater und Bruder beerdigt“, erinnert er sich.

Für Urnen und Särge hat der Bestatter Kataloge oder bietet eine Auswahl im Internet an. Der Fantasie – und auch dem Preis – sind dabei keine Grenzen gesetzt. Es gibt Urnen aus Metall, Holz, Keramik oder Naturstein, ganz schlicht, kunstvoll lackiert oder sogar in Form eines Fußballs. Manche sind in Airbrush-Technik mit kunstvollen Blumenmotiven verziert, andere ganz schlicht und ohne Dekor.

Särge werden in Hell oder Dunkel, Eiche oder Kiefer angeboten. „Ich selbst baue keine, das wird heute alles mit CNC-Technik gemacht“, sagt der Tischlermeister.

Bestatter Langwisch ist nicht nur im Landkreis Prignitz tätig. Er hat sogar schon einmal eine Beisetzung in Berlin gehabt. Für die Beerdigung richtet er die Trauerhallen auf dem jeweiligen Friedhof her, organisiert den Pfarrer oder einen Redner. „Ich dekoriere gern so, dass man die Urne sieht.“ Nach der Beerdigung bringt der 51-Jährige die Papiere und das Kondolenzbuch zur Familie und fragt nach, ob sie zufrieden war.

Den Tischlerberuf hat der Groß Pankower bei seinem Vater Karl-Heinz Langwisch 1980 bis 1981 gelernt, damals in der PGH Bau Pritzwalk. „Das Tischlern ist mir in die Wiege gelegt worden.“ Zum 1. Oktober 1990 hat sich die Familie selbstständig gemacht, erzählt Uwe Langwisch: Tischlerei und Bestattungen. 2004 wurde die heutige GmbH gegründet. „Jetzt bin ich ein Einzelkämpfer.“

 Die zertifizierte Ausbildung im Bestattungsgewerbe gibt es erst seit 2007. Dabei werden zum Beispiel auch hygienische Vorschriften berücksichtigt. Uwe Langwisch hat sein Handwerk im damaligen Bestattungshaus Nubbemeyer in Kyritz gelernt - freilich noch nicht nach den neuen Kriterien. „Bis 2004 haben wir für das Unternehmen auch Überführungen gemacht.“

Regelmäßig besucht Uwe Langwisch auch Messen. Dort erfährt er, was der neueste Trend ist, welche Urnen oder Särge gerade aktuell sind. Auch Seebestattungen sind möglich. Dann werden Urnen aus Papierfasern benutzt, die sich bald auflösen. Der Groß Pankower sitzt im Landesinnungsverband des Tischlerhandwerks Brandenburg im Vorstand. Außerdem ist er dort im Berufsbildungsausschuss Vorsitzender.

Von Beate Vogel

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