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Wendezeit Abstecher in die große Politik
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17:51 17.03.2015
Am 18. März 1990 wurde die letzte DDR-Volkskammer gewählt. Dieter Helm hat Erinnerungen an diese Zeit aufbewahrt. Quelle: Andreas Vogel
Kyritz

Auch im Kreis Kyritz herrscht in den 73 Wahllokalen schnell ein Kommen und Gehen. Bis zum Mittag hat die überwiegende Mehrheit der 24739 Wähler seine Kreuze gemacht. Das öffentlich sichtbare Bekenntnis signalisieren Fahnen. Schwarzrotgold ohne Staatsemblem gibt es häufig zu sehen. Wahlgewinnerin wird mit 40,91 Prozent die CDU. Der Kreis Kyritz liegt damit im Trend.

Die vom Mai auf den 18. März 1990 vorgezogenen Volkskammerwahlen stellten für die sich gerade erst entwickelnden Strukturen einen zusätzlichen Druck dar. Die CDU im Kreis Kyritz hatte den bisherigen Vorstand gerade komplett entlassen. Kreisgeschäftsführerinnen waren nun Elke Schmidt und Christina Dombek, letztere wurde sehr viel später Geschäftsführerin der Partei im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Die beiden Frauen klopften eines Tages beim Pfarrer an. Er solle doch bitte für die Christdemokraten kandidieren. Ein klares Ja bekam das Duo nicht. Karl-Ernst Selke machte es davon abhängig, ob man ihn davon überzeugen konnte, dass in der Partei inzwischen "ein anderer Wind weht", so der Kandidat in spe. "Ich wurde zu einer Kreisvorstandssitzung eingeladen und vom neuen Vorsitzenden Hans-Joachim Winter willkommen geheißen. Eine gewisse Hilflosigkeit ließ sich nicht übersehen. Nachdem mir alle meine Fragen beantwortet werden konnten, willigte ich ein", so Karl-Ernst Selke im Rückblick.

Ihm sei es in erster Linie darum gegangen, Bereitschaft zu zeigen. Auf Listenplatz 7 gesetzt, sah er keine Chance, gewählt zu werden. Es kam anders: Karl-Ernst Selke gehörte nun dem Innenausschuss an, dazu dem Ausschuss für die Verwaltungs- und Verfassungsreform. "Ich habe den Einigungsvertrag mit vorbereitet. Das macht mich froh." Pfarrer Selke, der 2013 an den Folgen einer schweren Krankheit starb, blickte voller Stolz auf seinen Abstecher in die große Politik zurück.

Gleiches gilt für Dieter Helm. Sein Schreibtisch stand 1990 in der LPG Pflanzenproduktion Barsikow bei Bückwitz. Die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) schlug den Vize-Vorsitzenden der Genossenschaft für die Volkskammer vor. Helm besetzte Listenplatz 1 und erreichte als Einziger seiner Partei aus dem Bezirk Potsdam das angestrebte Ziel. Dass er damit einen neuen Vollzeit-Job bekommen hatte, dämmerte ihm erst später. "Das glaubt mir heute kein Mensch, aber ich war so blauäugig zu glauben, dass ich in der Hauptsache meine bisherige Arbeit weitermachen konnte", sagte er.

Die DBD brachte es republikweit auf ganze neun Mandate. Um als Fraktion gelten zu können, brauchte es eine Koalition mit Karin Bence vom Demokratischen Frauenbund (DFD). Dieser Zehner sollte dann, wie alle anderen Fraktionen auch, einen Stellvertreter für die Präsidentin der Volkskammer Sabine Bergmann-Pohl (CDU) benennen. Landwirt Dieter Helm, dafür auserkoren, sah sich plötzlich in einer exponierten Stellung. Nachdem der Staatsrat der DDR aufgelöst worden war, galten die Präsidentin und ihre Stellvertreter als Repräsentanten des Landes. Dessen Ende zeichnete sich ab. "Ich fasste am 23. August 1990 um 3 Uhr morgens den Beschluss mit, dass die DDR der Bundesrepublik beitreten möge", so Helm.

Während es für die ostdeutsche LDPD mit der FDP weiterging, sich die SPD im Osten als SDP neu gründete und die CDU umstrukturierte, gab es für die Bauernpartei keine Zukunft. Die Partei hatte der führenden SED sehr nahe gestanden. Ein Weitermachen ging nicht. Die CDU bot die Übernahme an. Vier aus der Fraktion, unter ihnen Dieter Helm, gingen diesen Schritt. "Ich sah als Landwirt die Interessen in der werteorientierten und konservativen Partei am besten aufgehoben", so die Begründung.

Den Weg in die Bundespolitik ist Dieter Helm nicht mitgegangen. Im Oktober 1990 kandidierte er für den ersten Landtag von Brandenburg, dem er bis 2009 ohne Unterbrechung angehörte, als agrarpolitischer Sprecher und Fraktionsvorsitzender die längste Zeit in der Opposition. "Telefonbauer" hat man ihn hin und wieder despektierlich genannt. Wer Politik macht, kann schließlich nicht pflügen. Die Frotzelei ging aber auch nur so lange, bis die Söhne den Hof übernahmen.

Von Wolfgang Hörmann

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