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Wendezeit 25 Jahre Einheit feiern? Aber ja!
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19:22 02.10.2015
MAZ-Chefredakteur Thoralf Cleven Quelle: Detlev Scheerbarth
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Potsdam

Eine Silberhochzeit wird meistens lange geplant, viele Gäste werden eingeladen, Listen für Essen und Trinken erstellt und, und, und. Schließlich soll es eine unvergessliche Party werden.

Frau und Herr Deutschland gehen ihr Vierteljahrhundert-Jubiläum nüchterner an. Es wird offiziell gefeiert wie jedes Jahr. Diesmal in Frankfurt am Main. Wahrscheinlich mit Äppelwoi. Ansonsten läuft das Leben überall normal weiter. Trotzdem: Herzlichen Glückwunsch zu 25 Jahren deutscher Einheit!

>>> MAZ-Spezial zur Wende:
www.MAZ-online.de/wendezeit

Vielleicht sind wir ja genau so – nüchtern. Vielleicht sind wir auch noch ermattet von den Feiern zum 25-jährigen Mauerfalljubiläum im vergangenen Jahr. Vielleicht ist das alles auch vielen völlig egal oder uns ist angesichts des anschwellenden Flüchtlingsstroms und der damit einhergehenden gemeinsamen Probleme nicht so richtig nach Feiern zumute.

Was auch immer: Es gibt zwar keinen Grund, nach 25 Jahren über einen Staatsakt in Euphorie auszubrechen. Es gibt aber eine Menge Gründe, ihn zu würdigen. Die Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 war eine Herzensangelegenheit der meisten Deutschen. Sie war eine historische Gelegenheit, daher war die davor liegende Findungsphase mit knapp einem Jahr sehr kurz. Die Partner hatten unterschiedliches Gewicht – politisch, wirtschaftlich und finanziell. Der Drang des Westens, die Dinge im Osten allein nach seinen Maßstäben zu richten – und das im Schweinsgalopp –, musste zu Enttäuschungen zwischen Ostsee und Thüringer Wald führen. Aber gab es im sich vereinigenden Europa und in einer sich stärker globalisierenden Welt eine wirkliche Alternative? Wohl nicht.

>>> Darum ist die Einheit gut:
25 Gründe

Und sind uns in dieser Eile nicht auch Dinge gelungen, die so und in dieser kurzen Zeit heute überhaupt nicht mehr denkbar wären? 1991 wurden beispielsweise im Land Brandenburg drei (!) Universitäten neu gegründet: in Cottbus, Frankfurt (Oder) und in Potsdam. In ihrem Umfeld entstanden Firmen, Institute und Jobs. Mit Berlin zusammen zählt die Region inzwischen zu den dynamischsten in Deutschland.

Dies ist nicht irgendwelchen Politikern allein zu verdanken, auch wenn mancher das heute glauben machen möchte. Nein, es ist vor allem denen zu verdanken, die durch das Feuer von Arbeitslosigkeit, Umschulungen, schlechterer Bezahlung und schwierigen Neuanfängen gegangen sind. Und das häufig nicht nur einmal. Es ist aber auch denen zu verdanken, die aus dem Westen kamen, ehrlichen Herzens mit ihren Erfahrungen halfen und häufig bis heute blieben.

Von Thoralf Cleven

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