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20 Azubis aus Spanien und Kroatien zur Lehre in der Prignitz

Das neue Leben im fremden Land 20 Azubis aus Spanien und Kroatien zur Lehre in der Prignitz

Es ist ein großer Schritt, doch für die meisten der 20 neuen Auszubildenden aus Spanien und Kroatien ist er wohl ohne Alternative. In ihren Heimatländern wären sie jetzt wohl arbeitslos und ohne Perspektive. In der Prignitz hingegen werden sie als Fachkräfte dringend benötigt. Mancher hat bereits in kurzer Zeit sein Glück in der Prignitz gefunden.

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Mit Zuckertüten und Schultaschen wurden die 20 EU-Azubis in der Prignitz begrüßt. Hier sind sie zu sehen mit all ihren Betreuern, Ausbildern und den für das Gesamtprojekt Verantwortlichen.

Quelle: Bernd Atzenroth

Perleberg/Pritzwalk. „Ich bin glücklich und zufrieden mit allem“, sagt Patricia, und wer ihre strahlenden Augen sieht, glaubt das unbesehen. Ein so eindeutiges Bekenntnis zur Prignitz war vielleicht nicht unbedingt zu erwarten. Die angehende Hotelfachfrau hatte schon in großen Hotels Erfahrungen gesammelt. Nun ist die 26-jährige Spanierin in Pritzwalk gelandet und lernt im Forsthaus Hainholz. „Sie wollte weg aus der großen Stadt und findet die verschlafene Prignitz schön“, ergänzt ihr neuer Chef Ralf Wagenleitner. An der Dömnitz ist sie bereits gut angekommen, hat ihre eigene Wohnung und möchte am liebsten gar nicht mehr weg.

Ein Grund dafür dürfte aber auch Diego sein. Der 28-Jährige hat ebenfalls gerade eine Ausbildung in der Prignitz angetreten. Er will Mechatroniker werden und arbeitet jetzt bei TUL in Falkenhagen. Dort gefällt es ihm sehr. Diego ist schon eine Weile in Deutschland und kam dereinst hierhin, auch weil er eine deutsche Freundin hatte. Das ist mittlerweile vorbei, denn jetzt ist er mit Patricia befreundet – ein spanisches Pärchen, das am liebsten in der Prignitz Wurzeln schlagen möchte. „Ich war zuvor in Köln und Münster, aber das war mir beides zu groß“, sagt Diego, der aus Jerez de la Frontera in Andalusien stammt. Genau deswegen kommt er mit der ländlichen Prignitz gut klar. „Hier ist es am besten“, stellt er ähnlich wie seine Freundin klar.

Die beiden sind nur zwei von insgesamt 20 Auszubildenden aus anderen Ländern der Europäischen Union, die nunmehr einen Ausbildungsplatz im Landkreis Prignitz haben. 13 Spanier und sieben Kroaten wollen hier Wurzeln schlagen. Das ist nicht übertrieben: In ihren Heimatländern tobt die Krise. In Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit so hoch, dass selbst für höher Qualifizierte fast keine Jobs da sind. Deshalb ist auch Daniela Aguilar in die Prignitz gekommen. Sie arbeitet bei der Sparkasse Prignitz in Pritzwalk und ihr Freund wird ihr in Kürze folgen.

Auch bei der Volks- und Raiffeisenbank ist jetzt ein junger Spanier in Ausbildung. Im Landkreis Prignitz freut man sich sehr über die Neubürger. Landrat Torsten Uhe hieß sie am Dienstag willkommen. Denn das Interesse ist gegenseitig. Während die jungen Leute nach einer Perspektive suchen, werden in Deutschland die Fachkräfte immer rarer. Deshalb haben der Bund und die EU gemeinsam das Programm Mobipro aufgelegt, mit dem jungen Menschen aus EU-Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit die Ausbildung in Deutschland ermöglicht wird. Zusammen mit Daniela haben auch Ivan und Mateo aus Kroatien ihre Ausbildung im Forsthaus Hainholz begonnen. Ivan beschreibt bei dem Willkommenstreffen noch etwas schüchtern seine neue Arbeit in der Küche und ist froh, mit Mateo schon einen Freund zu haben.

Froh ist auch Ralf Wagenleitner. „Ich habe lange nicht mehr so viel positive Energie verspürt wie mit diesen Dreien“, freut er sich. Er ist auch daran interessiert, die jungen Fachkräfte langfristig an sich zu binden. Dafür gibt es jedoch eine Grundvoraussetzung – die Deutschkenntnisse müssen gut sein: „Ich würde mir wünschen, dass wir das mit der Sprache hinbekommen, dann kann dieses Projekt auch erfolgreich sein.“ Soweit er im Betrieb dabei helfen kann, tut er dies. So sind die beiden Kroaten Ivan und Mateo gehalten, Deutsch zu sprechen, wenn sie gemeinsam Dienst haben.

In die gleiche Kerbe schlägt Klaus Voigt von Vion in Quitzow (Stadt Perleberg). Auch der fleischverarbeitende Betrieb startet mit drei EU-Lehrlingen. „Die Motivation, die die jungen Leute mitbringen, ist sehr, sehr gut.“ Auch Voigt will sie langfristig an den Betrieb binden, denn „wir suchen ja Fachkräfte“. Aber auch Voigt betont, wie wichtig gerade deswegen die Vermittlung guter Sprachkenntnisse ist, um eine qualitativ hochstehende Ausbildung erfolgreich zum Abschluss zu bringen.

Daraus spricht auch Erfahrung. Denn in den ersten beiden Auflagen von Mobipro – das Programm existiert seit 2013 – scheinen die Deutschkenntnisse einiger Azubis beim Lehrstellenantritt in Deutschland nicht so gut gewesen zu sein. Das hat sich diesmal wohl sehr zum Positiven geändert. Der ein oder andere, etwa Diego, kann frei von der Leber weg in Deutsch erzählen. Alle, die in die Auswahl für die Ausbildungsstellen gekommen sind, bekamen schon in ihren Heimatländern intensiven Deutschunterricht.

„Wir haben mehr Fokus auf den Sprachkurs gelegt“, erklärt dazu Peggy Hildebrand. Sie ist Geschäftsführerin der Gesellschaft für innovative Beschäftigung mit Sitz in Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern). Das Unternehmen ist Projektträger für die Betreuung der EU-Azubis in der Prignitz wie auch im mecklenburgischen Nachbarkreis Ludwigslust-Parchim.

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Da jetzt auch die Bankbranche und die Werbebranche Lehrlinge aus anderen Ländern eingestellt haben, wird die Verbesserung der Sprachkenntnisse immer wichtiger. Aber da zeigt sich die GiB sehr aufgeschlossen. Ihr siebenköpfiges sprachgewandtes Team stellt sich der arbeitsintensiven Herausforderung – schließlich gilt es ja nicht nur, die Sprachbarriere zu überwinden: „Sie kommen ja alle in ein fremdes Land“, erklärt sie, „und da werden manche Dinge, die für uns selbstverständlich sind, schwer.“ Die GiB unterstützt Unternehmen wie Azubis dabei, den neuen gemeinsamen Alltag zu bewältigen. Wagenleitner lobt im gleichen Zuge die für die Prignitz zuständige GiB-Mitarbeiterin Uta Gellermann.

Es gibt genügend weitere Bewerber, die in Deutschland und speziell in der Prignitz arbeiten wollen. Für Peggy Hildebrand genug Grund, im Vorgriff auf die nächste Saison die Arbeitgeber noch stärker einzubeziehen, damit die Integration auch künftig so schnell gelingt wie bei Patricia, Ivan, Mateo und all den anderen.

Von Bernd Atzenroth

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