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21 Spanier lassen sich in Brandenburg ausbilden

Fachkräftemangel 21 Spanier lassen sich in Brandenburg ausbilden

Erst ein Praktikum, jetzt eine Lehre: Verschiedene Elektro- und Metallbaubetriebe aus Brandenburg, Bad Belzig, Rathenow und Umgebung bieten Jugendlichen aus Spanien eine Ausbildung an. Unter ihnen sind Bilal und Guillermo aus Malaga. Warum sie in Niemegk in eine neue Zukunft starten und was sie in ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung erwartet.

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Elektromonteur Frank Brachwitz erklärt Guillermo und Bilal aus Malaga, wie Brandmeldekabel am Serverschrank angeschlossen werden.

Quelle: Melanie Höhn

Niemegk. Im Juli kamen 25 spanische Jugendliche zum ersten Mal nach Brandenburg, Bad Belzig, Rathenow und Umgebung, um in Elektro- und Metallbaubetrieben ein Praktikum zu absolvieren. Nun haben 21 von ihnen seit letzter Woche ihren Ausbildungsvertrag in der Tasche. Ende August fahren die jungen Menschen noch einmal nach Spanien, um ihre Familien und Freunde zu besuchen, am 1. September beginnt dann ihre Lehre. „Wir freuen uns sehr über die Motivation der Jugendlichen,“ sagt Katja Bergholz von der Handwerkskammer Potsdam. Das dahinterstehende Programm des Bundesarbeitsministeriums, MobiPro-EU, will die berufliche Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa fördern.

In Spanien gab es keine Perspektive mehr

Unter den 21 Jugendlichen sind auch Bilal Moreno und Guillermo Sanchez aus Malaga. Sie fangen im Betrieb von Bernd-Roderich Thiele in Niemegk an und lernen das Handwerk des Elektronikers für Energie- und Gebäudetechnik. Dreieinhalb Jahre lang werden sie nun Kabel verlegen, Steckdosen anbauen, Telefon- und Alarmanlagen installieren und dabei viel über den Laptop oder das Smartphone steuern. Während der Ausbildung besuchen sie die Berufsschule in Teltow und absolvieren eine praktische Fortbildung in Götz. Eine ihre letzten Aufgaben im Praktikum war die Installation einer Brandmeldeanlage in der Brücker Gesamtschule zusammen mit dem Elektromonteur Frank Brachwitz. In Spanien lernten sie den Beruf des Informatikers, doch nach der Ausbildung war Schluss, es gab keine Perspektive mehr. „Mit ihren Vorwissen erfüllen sie schon eine gewisse Voraussetzung, denn im Elektrohandwerk werden immer mehr Informatikkenntnisse gebraucht,“ freut sich Thiele. Die beiden hatten sich im März im Internet beworben, fast jede Woche werden sie nun auf einer anderen Baustelle unterwegs sein.

Geschäftsinhaber Bernd-Roderich Thiele beglückwünscht die beiden zu ihrer Ausbildung

Geschäftsinhaber Bernd-Roderich Thiele beglückwünscht die beiden zu ihrer Ausbildung.

Quelle: Melanie Höhn

Schon seit März beschäftigen sich die beiden mit der deutschen Sprache, inzwischen sind sie auf Level B2. Auch während der Lehre werden sie weiterhin Deutschkurse belegen. In den vier Wochen Praktikum haben Sie ihren Chef schon überzeugt: „Sie sind freundlich, kommen gut mit den Kollegen aus. Auch ihr Deutsch ist schon gut, die Verständigung wird Woche zu Woche besser,“ sagt der Geschäftsführer von Elektro Niemegk. Ein Berufskollege aus Potsdam hatte ihm im letzten Jahr von seinen guten Erfahrungen mit spanischen Auszubildenden berichtet. „Wir hatten händeringend Azubis gesucht, deshalb haben wir uns für das Programm beworben. Es wird immer schwieriger, jemand Geeignetes zu finden“ erzählt Thiele, der im Oktober 30-jähriges Meisterjubiläum feiert. „Ich möchte diesen Jugendlichen die Chance geben, einen vernünftigen handwerklichen Beruf zu erlernen“. Seine Firma hat 32 Angestellte und bildet schon seit 1958 Lehrlinge aus. Doch der Fachkräftemangel macht ihm zu schaffen. Wenn sie die Lehre durchziehen, haben Bilal und Guillermo gute Chancen: Bisher hat Thiele alle Azubis übernommen, die es auch wollten.

Bilal möchte auf eigenen Füßen stehen

Die beiden 23- und 24-Jährigen sind glücklich darüber, dass sie in Deutschland so herzlich empfangen wurden. „Ich habe kein Problem damit, mich hier einzuleben, obwohl das Essen und das Wetter schon anders sind,“ sagt Guillermo. Auch Bilal lernt gerne andere Kulturen und Menschen kennen: „Klar vermisse ich Spanien und meine Familie, aber ich kann jedes halbes Jahr nach Hause fliegen. Ich möchte einfach auf eigenen Füßen stehen.“ Da ist er sich mit seinem neuen WG-Mitbewohner Guillermo einig. Die beiden teilen sich eine Wohnung in Niemegk, die Thiele für sie besorgt und eingerichtet hat. Thieles Frau und einige Freunde haben viele Dinge dafür gespendet. „Dass wir zu zweit sind hilft, uns hier einzuleben. Wir gehen zusammen einkaufen und auch die Nachbarn sind freundlich,“ ergänzt Bilal.

Familie in Spanien freut sich

Die Jugendlichen haben viele arbeitslose Freunde in Spanien zurückgelassen, einige von ihnen möchten auch nach Deutschland. „Deutschland ist ein gutes Land. Hier helfen sich die Menschen gegenseitig. Ich hoffe, dass ich hierbleiben kann“, erzählt Bilal. Auch die Familien der beiden freuen sich für sie.

Von Melanie Höhn

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