Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° Nebel

Navigation:
Arbeit in luftiger Höhe

Pflege von Straßenbäumen Arbeit in luftiger Höhe

Autofahrern treiben die Männer mit den orangefarbenen Anzügen schon mal den Puls nach oben, weil ihre raumgreifenden Hebebühnen auf Landstraßen oft ganze Fahrspuren blockieren. Aber der Job von Grünarbeitern wie Sebastian Barthel ist für die Sicherheit der Autofahrer nun mal unerlässlich – eigentlich müsste es sogar noch mehr von ihnen geben.

Voriger Artikel
Attraktive Aushilfsjobs in der Weihnachtszeit
Nächster Artikel
4 von 5 Ostdeutschen leiden unter Stress im Job

Hoch über der Straße sägt Sebastian Barthel den Stumpf eines toten Astes zurecht.

Quelle: Oliver Fischer

Dahmeland-Fläming. Der Nächste ist ein Ahorn, 20 Meter hoch, stämmig und augenscheinlich gut in Schuss. In der Krone hängen ein paar tote Äste, ein bisschen Gebüsch ragt auch ins Lichtraumprofil. Wenn sehr hohe Laster durchfahren, könnte es oben etwas rumpeln. Aber das sind im Grunde Kleinigkeiten, nichts, was Sebastian Barthel nicht in ein paar Minuten in den Griff bekommt.

Es ist ein normaler Wochentag, kurz nach 13 Uhr in Wünsdorf-Waldstadt. Sebastian Barthel hat seine Hebebühne am Rand der B96 geparkt. Die Rundumleuchte des Fahrzeugs schleudert ihr orangefarbenes Licht im Kreis, Autofahrer sehen schon von Weitem, dass sie vom Gas müssen. Viele schauen genervt, manche kurbeln sogar das Fenster herunter und werden unflätig, aber daran gewöhnt man sich, sagt Sebastian Barthel. „Für die Autofahrer zählt nun mal jede Sekunde.“

Sebastian Barthel bekommt ohnehin relativ wenig davon mit. Er arbeitet meistens oben, zehn Meter über der Fahrbahn. Seit 7.30 Uhr sind sein Kollege und er im Einsatz. Sie haben sich Baum für Baum nach Süden gearbeitet. Ein toter Ast hier, ein toter Ast dort. Mal mussten größere Teile der Krone weggeschnitten, mal nur ein bisschen Holz entnommen werden. Mal auch gar nichts.

Barthels Arbeitgeber ist die Firma Mallinger aus Werder, die sich auf Gartenbau und Baumpflege spezialisiert hat. Sie arbeitet häufig für die Straßenmeistereien, weil diese nicht die Fachleute und auch nicht die Technik für Arbeiten in den Baumkronen haben. Diesmal wurden sie engagiert, um die Bäume an der B96 wieder auf Vordermann zu bringen. Bei den letzten Baumschauen war aufgefallen, dass dort einige Äste gestutzt werden müssen, wenn die Sicherheit der Autofahrer gewährleistet bleiben soll.

Die B96 ist freilich nicht die einzige Straße, an der Sägebedarf besteht. Und da aus Naturschutzgründen den Grünarbeitern nur die Wintermonate bleiben, um Bäume zu bearbeiten, sind seit Oktober überall an Bundes-, Land-, Kreis- und Gemeindestraßen Leute in orangefarbenen Anzügen und Hubwagen unterwegs, die säbeln, sägen und schneiden, was die Technik hergibt – und was die Bäume verlangen.

Das muss nicht viel sein. Die kleine Linde etwa, an der Sebastian Barthel eben noch arbeitete, sollte nur einen „Erziehungsschnitt“ bekommen. Barthel hat ihn ihr verpasst, er brauchte nicht mal seine Motorsäge, um die unteren Seitenäste zu kappen. Ein Straßenbaum soll schließlich vor allem in die Höhe wachsen, sagt er.

Nun steuert er mit seiner Hebebühne den Ahorn an und lässt den Korb wie einen Fahrstuhl am Stamm hochgleiten. Ein dicker Ast ragt dort aus der Krone, der nach Einschätzung der Fachleute die Sicherheit beeinträchtigt. Noch. Barthel wirft seine Stihl-Maschine an und lässt sie ins Holz gleiten. Als er fast durch ist, hält er inne, säbelt den Rest mit der Handsäge ab. Er glättet noch kurz den Stumpf, dann ist die Ordnung der Dinge wieder hergestellt.

Was Sebastian Barthel macht, mag einfach aussehen, aber es kann und darf längst nicht jeder. Barthel hat dafür zahlreiche Aus- und Weiterbildungen machen müssen. Er ist eigentlich gelernter Straßenbauer. Nach mehreren Kursen kann er nicht nur die lateinischen Namen aller europäischen Bäume herunterbeten, er weiß auch, wie sie aufgebaut sind, welche Bedingungen sie zum Leben brauchen, von welchen Pilzen sie befallen werden und wie man sie behandeln muss, damit sie möglichst lange gesund bleiben. Er darf sich jetzt „European Tree Worker“ nennen, also europäischer Baumarbeiter. „Die Leute unterschätzen den Job oft. Ich bin im Grunde Doktor Baum“, sagt Barthel und lacht.

Straßenbäume beschneidet er inzwischen seit neun Jahren, und Arbeit ist für ihn immer da. Brandenburg ist ein Alleenland. Allein im Bereich der Straßenmeisterei Wünsdorf, der den Norden von Dahme-Spreewald und das Gebiet um Zossen umfasst, kommen auf 300 Kilometer Kreis-, Landes- und Bundesstraßen etwa 20 000 Bäume. Das soll auch so bleiben, der Pflegeaufwand der Alleen sei aber hoch, sagt Jörg Träger, stellvertretender Leiter des Landesbetriebs Straßenwesen Süd. Die Bäume müssen in Form gehalten werden, viele sind zudem gesundheitlich angeschlagen. Sie leiden unter den Verkehrsmassen, die täglich über ihren Wurzelbereich rollen. Sie laborieren an Wurzelverletzungen, die sie bei Bauarbeiten erlitten haben, an Stammfäule, oder sie haben sich Pilze eingefangen.

Der Landesbetrieb ist in der Pflicht, die Alleen zu erhalten. Gleichzeitig hat die Sicherheit der Autofahrer oberste Priorität. Beides zu gewährleisten, sei angesichts der knappen Budgets und der wenigen Mitarbeiter in den Straßenmeistereien schwierig. Hinzu kommt, dass Brandenburgs Alleen überaltert sind. Die meisten Bäume stehen schon zwischen 60 und 90 Jahre, viel älter werden Straßenbäume nicht. Also müssen immer wieder Bäume gefällt und an anderer Stelle nachgepflanzt werden. Auch das ist komplizierter als es klingt.

„Es gibt ganz andere rechtliche Anforderungen als früher“, sagt die zuständige Sachbearbeiterin, Sigrid Gast. Alleebäume müssen mindestens sechs Meter Abstand zur Fahrbahn haben. Das Problem dabei: Die zu bepflanzenden Flächen gehören dem Land zumeist gar nicht. Sie müssen angekauft werden, die Verhandlungen verlaufen oft zäh. Im vorigen Jahr hat der Landesbetrieb Süd deshalb keine Allee gepflanzt – obwohl der Plan eigentlich ein jährliches Pensum von fünf Kilometern vorsieht. In diesem Jahr soll die L 795 neuen Bewuchs bekommen. Aber ob das klappt, ist unklar. Noch ist kein Vertrag unterzeichnet.

Damit hat Sebastian Barthel aber nichts zu tun, zumindest nicht jetzt. Während unten sein Kollege die abgeschnittenen Äste zusammenträgt, steuert er seine Hebebühne zum nächsten Baum. Die Novembersonne scheint warm auf seinen Helm. Er wirft die Motorsäge an. Ein paar Sekunden später ist der nächste Ast durch. Vor ihm streckt sich schnurgerade die B 96, an ihren Rändern reiht sich Baum an Baum. Bis 16 Uhr wird er noch sägen, sagt Sebastian Barthel. Es ist ein weiter Weg.

Von Oliver Fischer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Ausbildung & Beruf
Termin nicht verpassen...

Workshops, Messen, Informationen rund um Ausbildung und Studium
 
  

Ausbildung bei der MVD

Wir bieten jungen Menschen attraktive Ausbildungsplätze.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg