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Bad Belzig: Hilferufe aus dem Krankenhaus

Protest wegen Personalnotstand Bad Belzig: Hilferufe aus dem Krankenhaus

Die Mitarbeiter des Krankenhauses Bad Belzig haben binnen eines Jahres 152 Gefährdungsanzeigen geschrieben. Zum Selbstschutz, weil sie die geforderten Aufgaben nicht mehr erfüllen können. Dass es fast überall in den deutschen Kliniken solch personelle Nöte gibt, tröstet gerade die Pflegekräfte nicht. Nicht nur die Gewerkschaft sorgt sich um das Patientenwohl.

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Mitarbeiterinnen der Klinik vor dem Haupteingang.

Quelle: Dirk Fröhlich

Bad Belzig. Die Anforderung kam mitten in der Schicht auf der Abteilung Inneres. Plötzlich und sofort sollte Kirstin Krzewski zum Dienst auf der Intensivstation erscheinen und dort mitarbeiten. „Das kann ich gar nicht, also habe ich es abgelehnt“, sagt sie. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Verantwortung gegenüber den Kollegen und Patienten, wie die erfahrene Schwester betont.

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Und was längst kein Einzelfall ist. Der Alltag im Klinkum „Ernst von Bergmann“ ist wie überall in den Medizinischen Einrichtungen der Bundesrepublik von Personalengpässen geprägt. Denn es gibt weder Regelungen zur Bemessung noch zur Finanzierung der nötigen Stellen. Unterbesetzung und Überforderung beklagen daher vor allem die Beschäftigte in der Pflege, wo dennoch weiter gespart oder bestenfalls eine Verwaltung des Mangels betrieben wird.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Verhältnis zwischen Patienten und examinierten Pflegekräften im Krankenhaus Bad Belzig beispielsweise von 1:8 auf 1:12 verschlechtert, berichten die Betroffenen. Nachts, wenn der Schlüssel gerade einmal noch 1:36 beträgt und nicht alle im Plan stehenenden Versorgungen bewältigt werden, ist neuerdings sogar die Pförtnerei nicht mehr besetzt. Mit Blick auf die dementen Patienten wächst deshalb eher die Sorge bei der Belegschaft.

Verdi bleibt am Ball

Hunderte Unterschriften für eines bessere Personalausstattung der Krankenhäuser in Deutschland sind im Hohen Fläming gesammelt worden.

Mit einer ersten Protest-Postkarten-Aktion vor zwei Monaten hatten Geschäftsführung und Mitarbeitervertretung des Ernst-von-Bergmann-Klinikums für das gemeinsame Anliegen geworben. Eine Premiere in Bad Belzig.

Bundesweit haben 180 000 Menschen unterzeichnet. Dreimal so viel wie nötig.

So musste sich gestern der Petitionsausschuss des Bundestages mit der Eingabe zu der Problematik befassen. Deshalb der parallele Auftritt vor Ort.

Verdi will mehr denn je am Ball bleiben. Laut Schätzung der Gewerkschaft brauchen die Krankenhäuser bundesweit 162 000 neue Stellen, 70 000 davon in der Pflege.

Die neu formierte Verdi-Betriebsgruppe und Betriebsrat am Krankenhaus Bad Belzig haben also augenscheinlich Grund, weiterhin eindringlich zu mahnen. Am Dienstag reihten sie sich also zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit in einen bundesweiten Protest ein. Zwei Hand voll Teilnehmer konnten dem Aufruf folgen. Während einer aktiven Mittagspause wurden am Montag vor dem Haupteingang der Einrichtung öffentlich anonymisierte Gefährdungsanzeigen aus deutschen Krankenhäusern vorgelesen. Darin schildern die Beschäftigte aus Kliniken landauf landab anschaulich ein Bild ihrer dramatischen Überlastung. Sie wird laut Gewerkschaft immer mehr zur Gefahr für Patienten.

Bisher ist dem Vernehmen nach in Bad Belzig noch kein schlimmer Fehler passiert. „Doch weil dies nicht auszuschließen ist und sich die Mitarbeiter zunehmend schützen müssen, sind hier in diesem Jahr ebenfalls 152 dieser Gefährdungsanzeigen geschrieben worden“, berichtet Beate Zantke. Die Vorsitzende der hiesigen Mitarbeitervertretung erklärt, dass damit neue Belastungen einhergehen können. Während sich die Ärzte wissend um die Notsituation eher kollegial verhalten, müssten sich die Verfasser der Berichte darüber mitunter vor der Leitung rechtfertigen. Neue physische und psychische Belastungen sind die Folge.

Vorerst ist keine Besserung in Sicht. Das Pflegestärkungsgesetz, das zum Jahreswechsel in Kraft treten wird, bringt jedenfalls keine Entlastung, wie Beate Zantke sagt. Für die derzeit etwa 250-köpfige Belegschaft dürfte die kommunale Betreibergesellschaft nicht einmal eine ganze Personalstelle mehr schaffen, hat sie nämlich errechnet.

 

Von René Gaffron

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