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Agentur sieht gute Job-Chancen für Flüchtlinge

Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt Agentur sieht gute Job-Chancen für Flüchtlinge

Mitarbeiter der Agentur für Arbeit haben jetzt erstmals die Notunterkunft im Brandenburger Stadtteil Kirchmöser besucht. Sie wollen Flüchtlingen den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt erläutern. Die Jobvermittler waren äußerst angetan von den Berufsqualifikationen der Flüchtlinge.

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Jobvermittlerin Berenike Strehlau und ihr Kollege Driss Essebbabi, der ins Arabische dolmetscht.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg an der Havel. Sie sitzen in Badelatschen und Turnschuhen dort, wo sonst der provisorische Speiseraum der Flüchtlingsunterkunft in Kirchmöser ist: 45 Männer vor allem aus Syrien. Vor ihnen steht Berenike Strehlau von der Brandenburger Agentur für Arbeit. Sie ist auf die Vermittlung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt spezialisiert. Mehr als zwei Stunden später zeigen sich die Arbeitsvermittler äußerst angetan: „Es ist die beste Resonanz einer solchen Veranstaltung bisher. Es sind Teilnehmer von gehobener Berufsbildung. Das ist zu merken“, so Renate Keller, Arbeitsvermittlerin im Arbeitgeber-Service.

Service

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Sie hält Kontakt zu den Arbeitgebern und weiß, in welchen Bereichen diese gerne mit den Neuankömmlingen zusammen arbeiten würden: „In der Pflege gibt es jede Menge offene Stellen und in der Gebäudereinigung. Aber auch im Handwerk, Fahrzeugbereich, bei Bauberufen, in der Landwirtschaft oder Gastronomie bieten sich Chancen an“, sagt Renate Keller.

Erläuterungen in Englisch und auf Arabisch

In fließendem Englisch erläutert ihre Kollegin Berenike Strehlau den überwiegend muslimischen Zuhörern, dass in Restaurants auch Schweinefleisch und Alkohol zu servieren seien, wenn man dort arbeite. „Sie müssen es selbst nicht essen.“ Sie führt aus, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind und in Deutschland die gleichen Berufe ergreifen dürfen. „Frauen als Chefs und in hohen Positionen, das gibt es häufig“, sagt sie den Männern und deutet auf eine Zeichnung. Darauf stehen ein Mann und eine Frau in Augenhöhe auf einer Wippe.

Pressesprecherin Isabell Wolling weiß, warum ihre Kollegin das den Flüchtlingen so genau erläutert: „Wir haben erste zarte Erfolge bei der Integration in den Arbeitsmarkt, aber selbst da tauchen oft an den ersten Tagen kleine Spannungen auf, wenn es dort weibliche Führungskräfte gibt.“ Die Info-Veranstaltung selbst ist schon in dieser Hinsicht eine Lehrstunde: Bis auf Driss Essebbabi, der dolmetschende Arbeitsvermittler, sind alle Gäste von der Arbeitsagentur an diesem Tag Frauen.

Zwei Stunden lang verfolgen die Männer aus Syrien, Pakistan, Afghanistan und dem Iran im Flüchtlingsheim in Kirchmöser, wie der Einstieg in De

Zwei Stunden lang verfolgen die Männer aus Syrien, Pakistan, Afghanistan und dem Iran im Flüchtlingsheim in Kirchmöser, wie der Einstieg in Deutschlands Arbeitsmarkt funktioniert.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Unter den Zuhörern sitzen ihnen Zahnmediziner, Bauingenieure, Ärzte und sogar ein Onkologe gegenüber. Ein Lehrer für Biografie, ein Biologe, ein Banker und Medizinstudenten hören Berenike Strehlau und ihrer Kollegin Renate Keller zu. Sie sind zwischen 18 und 30 Jahre alt, einige sind älter, der älteste ist Jahrgang 1966. Die Jüngsten haben ihre Heimat mitten in der Schulausbildung verlassen, teils steckten sie im Abitur, andere arbeiteten als Herrenfriseure, Taxifahrer oder Schneider. Nach Angaben von Sozialarbeiterin Sina Gehlhaar vom Deutschen Roten Kreuz, die die Notunterkunft leitet, sind 20 Prozent der 81 Männer Akademiker und Studenten, 60 Prozent sind Handwerker oder Dienstleister und 20 Prozent ungelernt. Es ist das erste Mal, dass Arbeitsvermittler zu ihnen sprechen.

DRK betreibt mehrere Flüchtlingsheime

„Ärzte werden immer gesucht“, sagt Renate Keller, „Ingenieure und IT-Fachleute ebenso.“ 30 derartige Info-Veranstaltungen hat die Agentur für Arbeit in Potsdam bisher organisiert, diese hier ist die dritte in der Stadt Brandenburg. Andreas Griebel, Kreisgeschäftsführer des DRK, das mehrere Flüchtlingsunterkünfte in der Havelstadt im städtischen Auftrag betreibt, sagt dazu: „Wir wollen jetzt solche Veranstaltungen und den Kontakt zur Arbeitsagentur intensivieren.“

Praktika für Flüchtlinge

Von den Flüchtlingen sind nach Angaben von Sozialbeigeordneten Wolfgang Erlebacht (Linke) 70 Prozent Männer und 30 Prozent Familien.

Die größte Hürde bei der beruflichen Integration ist das Erlernen der deutschen Sprache. Zwar können nach Angaben von Jörg Haseloff vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit nicht wenige Flüchtlinge Englisch. Auf Arbeitgeberseite seien aber nicht immer Englischkenntnisse vorhanden.

Beim Runden Tisch zur Flüchtlingssituation schlug Amtsgerichtsdirektorin Adelheid van Lessen, die auch ehrenamtlich im Vorstand der Brandenburger Tafel arbeitet, vor, eine Art Praktikumsbörse für Flüchtlinge einzurichten: „Damit ein Maurer mal bei einem Maurerbetrieb in Brandenburg mitlaufen kann und so die Sprache schneller erlernt.“

Die Arbeitsagentur in Brandenburg hat bereits begonnen, derartige Kontakte zwischen Betrieben und Flüchtlingen zu knüpfen. Wie Arbeitsvermittler Jörg Haseloff der MAZ am Donnerstag sagte, können sich interessierte Unternehmen jederzeit an die Arbeitsagentur wenden.

Drei Monate dürfen die Männer nichts tun außer Fußballspielen, Radfahren und die Landschaft Kirchmösers genießen. „Die Stimmung ist friedlich, sehr friedlich, wenn man bedenkt, dass hier so viele Männer zusammen leben“, sagt Sina Gehlhaar. Die meisten der Flüchtlinge besuchen fast täglich Sprachkurse, die ehrenamtliche Helfer ihnen anbieten. Einer der Heimbewohner sagte kürzlich zu Sina Gehlhaar auf arabisch: „Deutsch ist schwierig, aber nicht schwierig für die, die es lernen wollen.“

Arbeitsvermittlerin Berenike Strehlau ist Spezialistin für die berufliche Integration der Flüchtlinge

Arbeitsvermittlerin Berenike Strehlau ist Spezialistin für die berufliche Integration der Flüchtlinge.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Arbeitsvermittlerin Berenike Strehlau referiert derweil wie wichtig Abschlusszeugnisse von Universitäten sind, über Mindestlohn und die duale Ausbildung in Berufsschulen und Unternehmen in Deutschland, „die ist so ziemlich einmalig auf der Welt“, sagt dazu Agentursprecherin Isabel Wolling. Die Arbeitsvermittlerin ermutigt, „zunächst als Helfer zu arbeiten und wenn Sie die deutsche Sprache beherrschen eine Ausbildung zu beginnen“.

Ihr Kollege Driss Essebbabi empfiehlt, auch über Internetkurse und Youtube Deutsch zu lernen. Arbeitsvermittlerin Renate Keller hält mit acht Kollegen den Kontakt zu Brandenburger Unternehmen: „Wir sind im Gespräch mit ZF, aber es sind vor allem kleinere Unternehmen, die sich vorstellen können, Flüchtlinge in ihrer Belegschaft aufzunehmen.“ Es gebe auch Arbeitszeitmodelle, vier Tage Deutschkurse und ein Tag im Betrieb. In der Region um die Stadt Brandenburg würden im medizinischen und pflegerischen Berufen und in Dienstleistungen Vermittlungschancen bestehen. Doch die Zulassungsregelungen seien häufig schwierig, hinzu käme das Erlernen der Fachsprache.

„Wenn jemand innerhalb von zwei Jahren Studium ein Elektroingenieur wird, wie ist dieses Studium in Deutschland anzuerkennen?“, sagt Arbeitsagentur-Sprecherin Isabel Wolling. „Möglich ist dann vielleicht, ihn eher als Facharbeiter einzustufen.“ Schon mehr als 400 Flüchtlinge haben sich in den vergangenen Wochen von der Arbeitsagentur in Potsdam mit ihren Außenstandorten beraten lassen.

Von Marion von Imhoff

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