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Brandenburg verliert Hochschul-Absolventen

Berliner Sogwirkung Brandenburg verliert Hochschul-Absolventen

Brandenburger Hochschulen bilden vor allem Fachkräfte für die Hauptstadt aus, denn der Wirtschaft im Land gelingt es nicht, die Absolventen zu halten. Die Technische Hochschule Wildau macht da keine Ausnahme. Nur jeder fünfte, der dort seinen Abschluss macht, arbeitet später auch in Brandenburg.

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Nur jeder fünfte TH-Student lernt für den Arbeitsmarkt in Brandenburg.

Quelle: TH Wildau

Wildau. Das Klagelied über den Fachkräftemangel wird in der regionalen Wirtschaft fast wöchentlich aufs Neue angestimmt. Einen der Gründe für die Personalknappheit hat die auf Studentenjobs spezialisierte Zeitarbeitsfirma Studitemps jetzt in einer Studie genannt – und gleich mit Zahlen unterlegt. Berlin, so die Studie, profitiere enorm vom Zuzug von Hochschulabsolventen. Auf hundert Berliner Studenten, die nach dem Abschluss in der Hauptstadt bleiben, kommen weitere 66 von außerhalb. In Brandenburg sieht es laut Studitemps anders aus. Dort bleiben von 100 überhaupt nur 37 im Land. Das Positivste, was sich den Zahlen abgewinnen lässt: Vor zwei Jahren sah die Quote in Brandenburg noch deutlich schlechter aus, da blieben nur 28.

Die Technische Hochschule Wildau als einzige Hochschule in der Dahmeland-Fläming-Region macht diese Erfahrung auch – wenngleich aufgrund der Nähe zu Berlin sogar noch etwas verstärkt. „Wir verstehen uns als Hochschule für die Region und bemühen uns auch, die Studenten an regionale Unternehmen zu vermitteln“, sagt der Sprecher der TH, Bernd Schlütter. Aber die Erfolge bleiben begrenzt.

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Rouven Sperling vom Karriereservice der Hochschule kann die Abwanderung von TH-Studenten sogar beziffern. Im Jahr 2013 haben 37 Prozent der Absolventen Wildau in Richtung Berlin verlassen, 27 Prozent sind in Brandenburg geblieben. Die letzjährige Umfrage ergab sogar noch ein drastischeres Bild: 40 Prozent wanderten nach Berlin ab, nur 20 Prozent blieben in Brandenburg. Studenten, die aus Berlin kommen und nach Brandenburg ziehen, gebe es dagegen so gut wie keine. „Berlin kannibalisiert ungemein“, sagt Sperling.

Einige Gründe liegen auf der Hand: Das Leben in der Stadt ist attraktiv und die Berliner Firmen haben in der Regel auch größeres Renommee. Ihre Internationalität führe sogar dazu, dass fast alle ausländischen Studenten der TH Wildau nach Berlin gehen. „Dort ist es für sie einfacher“, sagt Sperling.

Ein weiterer Grund sei aber das Image Brandenburgs. „Die meisten Studenten sind überrascht, wenn sie erfahren, was bei uns in der Region alles angeboten wird und auch davon, dass die Firmen mit der modernsten Technik arbeiten“, so Sperling. Das müsse man bekannter machen. Um Absolventen dauerhaft an Firmen außerhalb der Hauptstadt zu binden, brauche es aber noch etwas mehr.

Da ist die Frage des Geldes. Die Studitemps-Untersuchung zeigt, dass Absolventen im Schnitt erst bei einem Gehaltsunterschied von 500 Euro darüber nachdenken, nach Brandenburg statt nach Berlin zu gehen. Eine weitere Frage sei die der Flexibilität. „In Brandenburg herrscht in Bezug auf Arbeitszeitmodelle oft noch eine recht konservative Einstellung“, sagt Rouven Sperling. Für viele Unternehmer sei es undenkbar, dass ein Ingenieur nur drei Tage pro Woche im Büro sitzt und den Rest von Zuhause arbeitet. Und sie seien es nicht gewohnt, sich aktiv um künftige Fachkräfte zu bemühen.

Service

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Die jährlichen Jobbörsen der TH werden zwar von 40 bis 50 Unternehmen genutzt. Aber potenzielle Arbeitgeber für die angehenden Ingenieure und Betriebswirte gibt es erheblich mehr. „Diese Unternehmen müssen sich engagieren, Ressourcen in die Hand nehmen, an der Gehaltsschraube drehen, attraktivere Arbeitsbedingungen schaffen“, sagt Sperling. „Wir machen viel, aber wir können nicht die ganze Zeit Unternehmen abklappern. Die kleinen und mittleren Firmen müssen auch selbst etwas tun.“

Zumal die Studierenden längst nicht mehr auf einzelne Arbeitgeber angewiesen sind. Absolventen wie die aus Wildau werden in ganz Deutschland gesucht, und praktisch jeder, der in Wildau einen Abschluss macht, findet auch einen passenden Job. 85 Prozent sogar schon innerhalb der ersten drei Monate.

Von Oliver Fischer

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