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Der Weg ist frei für Gemeinschaftsschulen

MAZ-Exklusiv Der Weg ist frei für Gemeinschaftsschulen

Brandenburgs SPD schwenkt in der Schulpolitik auf Links-Kurs: Die Sozialdemokraten im Landtag geben ihre grundsätzlichen Vorbehalte gegenüber einer Gemeinschaftsschule, wie sie die Linke seit längerem fordert, auf. Mit einer Feinheit: Sie nennen das Projekt anders. Die Opposition warnt indes vor langen Wegen.

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SPD und Linke drücken beim Thema längeres gemeinsames Lernen auf Tempo

Quelle: dpa

Potsdam. In der märkischen SPD deutet sich in der Bildungspolitik eine überraschende Kursänderung an. Die Fraktion im Landtag gibt ihre grundsätzlichen Vorbehalte gegenüber der Gemeinschaftsschule – einer Idee der Linken – auf.

In einem gemeinsamen Antrag für die Landtagssitzung in der kommenden Woche sprechen sich beide Koalitionsfraktionen für eine Forcierung der Debatte um „längeres gemeinsames Lernen“ aus. Bis Juni 2016 soll die Landesregierung dem Parlament ein „Konzept zur Stärkung von Schulzentren“ vorlegen. Es sollten gezielt Anreize geschaffen werden, damit sich eine Grund- und Oberschule oder eine Gesamtschule oder ein Gymnasium zu einem solchen Schulzentrum zusammenzuschließen – so nennt die SPD die Gemeinschaftsschulen der Linken.

Rot-rot will manchmal eben „doch das Gleiche“

Neu ist, dass sich beide Parteien darin einig sind, dass an diesen Schulen auch die Abiturstufen 11 bis 13 angeboten werden sollen. Voraussetzung wäre allerdings, dass es genügend Schüler gibt. Zugleich wird bekräftigt, kleine Grundschulstandorte zu erhalten – nach dem Motto: „Kurze Beine, kurze Wege“. Bislang weigerte sich die SPD strikt, den Linken entgegenzukommen. Der Durchbruch war Dienstag im gemeinsamen Arbeitskreis der Bildungspolitiker erzielt worden, dem auch die Fraktionsspitzen zustimmten.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Kathrin Dannenberg, äußerte sich erfreut über die neue Sicht der SPD. „Es gibt offenbar Verständnis für unsere Ziele“, sagte sie. „Wir wollen in vielen Dingen doch das Gleiche.“ Die Linken-Politikerin sieht die gemeinsame Position nun als „Türöffner“, um Schulen noch mehr zu ermutigen, auf längeres gemeinsames Leben von der 1. bis zur 13. Klasse zu setzen. Das Ganze sei ein längerer Prozess, es dürfe nicht nur in Wahlperioden gedacht werden, so Dannenberg.

So lernt Brandenburg

Grundschulen und Oberschulen mit gymnasialer Oberstufe an einem Ort – genannt Schulzentrum – gibt es schon an einigen Orten in Brandenburg wie in Müllrose (Oder-Spree). Die Linke würde diese Schulform gern im ganzen Land einführen.

Grund ist der dramatische Geburtenrückgang. Laut der jüngsten Bevölkerungsprognose wird sich die Zahl der Geburten zwischen 2011 und 2030 im Land Brandenburg von rund 19 000 auf etwa 9900 fast halbieren.

Derzeit besuchen in Brandenburg etwa 273 000 Schüler Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft.

Inklusion – 84 Schulen beteiligen sich derzeit am Pilotprojekt „Inklusive Grundschule“, darunter 75 Schulen in öffentlicher Trägerschaft sowie 9 Schulen in freier Trägerschaft.

Die SPD-Fraktion verteidigte ihren Schritt. „Wir haben uns eben angenähert“, sagte die bildungspolitische Sprecherin Simona Koß. „In einer guten Ehe muss man auch einmal Zugeständnisse machen.“ Die Linke drängt seit längerem die SPD zu einem „Einstieg“ in die Gemeinschaftsschule in dieser Legislaturperiode. Koß betonte aber auch: „Das sind keine Gemeinschaftsschulen.“ Nach wie vor sei die Freiwilligkeit der Schulen der Maßstab für die Schaffung von Schulzentren. Das heißt, nur wenn Landkreis, Träger, Lehrer und Eltern es wirklich wollen. Über Geld ist dem Vernehmen nach bisher nicht geredet worden. Die Linke hatte im Sommer vorgeschlagen, für eine „Pilotphase Gemeinschaftsschule“ jährlich zehn Millionen Euro bereitzustellen.

CDU hält die Pläne für „hochgefährlich“

Die oppositionelle CDU nannte die Pläne von Rot-Rot „hochgefährlich“. Es werde damit eine neue Debatte über Schulstrukturen geführt, sagte der bildungspolitische Sprecher Gordon Hoffmann. „Wir aber brauchen Schulfrieden und Kontinuität.“ Mit der geplanten „Einheitsschule“ stünden die kleinen Grundschulen auf dem Spiel. Mit Blick auf die Schulwege sagte Hoffmann: „Das ist nicht längeres gemeinsames Lernen, sondern längeres gemeinsames Fahren.“

SPD und Linke drängen auch bei der Inklusion auf Tempo, dem gemeinsamen Unterricht behinderter und nichtbehinderter Kinder. Bis Ende Juni 2016 soll Bildungsminister Günter Baaske (SPD) ein Konzept vorlegen.

Von Igor Göldner

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