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Der letzte Fischer geht in Rente

Fänge nehmen ab Der letzte Fischer geht in Rente

Eine Hand voll Plötzen, mehr ist es nicht, was Fischermeister Karl Heinz Schenk aus seinen Reusen pult. Seit Jahren nehmen die Fänge von Aal und Zander in der Unteren Havel ab. Jetzt geht Pritzerbes letzter Fischer in Rente.

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Karl Heinz Schenk kontrolliert im Morgennebel eine Reuse.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Pritzerbe. Wie Watte hängt Nebel über der Havel. Aber die Herbstsonne ist stärker. Meter für Meter brennen ihre Strahlen die Sicht auf den Fluss frei. Einer ist mittendrin in der Waschküche. Karl Heinz Schenk (63) sucht seine Fischgründe auf. Weil es bis zu den Reusen nicht weit ist, bleibt das Dieselboot an der Kette. Ein Ruder genügt, um mit einem Kahn die im flachen Wasser liegenden Fanggeräte abzufahren. Der Fischermeister hat an beiden Ufern Kettenreusen versenkt. Das sind auf dem Gewässerboden stehende Konstruktionen, bei denen sich Reusen und Leitnetze in beliebiger Zahl abwechseln. Haben sich einmal Aal, Hecht, Quappe oder Weißfisch in den Fangkammern verirrt, gibt es kein zurück mehr.

Fischermeister Karl Heinz Schenk

Fischermeister Karl Heinz Schenk

Quelle: Frank Bürstenbinder

Vom großen Fang kann Schenk wieder einmal nur träumen. Er pult eine Hand voll Plötzen aus dem Netzschlauch. Die größeren Exemplare landen im Hältereimer, der Rest wandert zurück in den Fluss. Davon leben kann kein Mensch. Muss der Mann im grünen Ölzeug auch nicht mehr. Pritzerbes letzter Berufsfischer geht nach 45 Arbeitsjahren in Rente. Seit dem 1. November braucht der Fischermeister nicht mehr in aller Frühe auf der Havel zu sein, um Geld zu verdienen. Ein Nachfolger fehlt. Aber es wird kein abruptes Ende als Landgänger geben. Dank seiner Klein- und Mitfischerrechte, die von der Halbinsel Lutze bis hinunter nach Marquede reichen, bleibt er dem Berufsstand auch als Rentner treu.

Immer fleißig gefischt

Schon in der Steinzeit wurde auf der Havel fleißig gefischt, wie Funde von Angelhaken und Harpunen belegen. Der Fischfang bestimmte über Jahrhunderte das Leben in Pritzerbe. Noch 1555 existierten 45 Fischer gegenüber 15 Ackerbürger.

Der Pritzerber Fischerinnung gehörten 1827 genau 77 fischereiberechtigte Bürger an. Um dieses Recht in Anspruch zu nehmen, war Grundbesitz in Pritzerbe und die Mitgliedschaft in der Innung notwendig.

Am Pritzerber Stadtwappen ist zu sehen, welche große Bedeutung die Fischerei einst für das Havelstädtchen hatte. Es zeigt in der unteren Hälfte zwei Fische mit Angelhaken.

Schenk hält sich ein paar Reusen oder hilft im Nachbarrevier aus, wenn der Briester Kollege ein paar Tage Urlaub macht. Von den Fischern heißt es, sie seien nie zufrieden. Sollte der Volksmund je die Wahrheit sagen, dann ist jetzt etwas dran an den Sorgen, die sich Havelfischer machen. Die Fänge gehen zurück. Der Aal macht sich trotz aller Besatzmaßnahmen immer rarer, berichtet Schenk. Ähnlich der Zander. Dem passt es gar nicht, dass die Havel immer klarer wird. Nur drei stattliche Glausaugen hat der Pritzerber in diesem Jahr gelandet. Es gab mal Zeiten, in denen 25 Exemplare zugefangen wurden – in einer Nacht. Dafür geht es wohl dem Wels immer besser in der Havel. Doch dessen Fleisch kann die sinkenden Erlöse bei den klassischen Brotfischen nicht ausgleichen. Auch die Essgewohnheiten haben sich geändert. Wer brät sich noch einen Blei? Andere mäkeln am Hecht und seinen Gräten. Aus den Fischern sind Händler geworden, die sich mit zugekaufter Ware und Heringsbrötchen über Wasser halten.

Kaputte Netze von Reusen werden sofort mit der Nadel repariert

Kaputte Netze von Reusen werden sofort mit der Nadel repariert.

Quelle: Frank Bürstenbinder

„Zum Geld verdienen ist die Fischerei nichts. Gut, dass ich jetzt Rentner bin“, sagt Schenk. Seine Berufswahl hat er dennoch nie bereut. Sein Vater war Fischer, sein Großvater auch. „Irgendwas musst du arbeiten, habe ich mir als Schüler gedacht. Also habe ich die Familientradition fortgesetzt“, erinnert sich der Fischermeister. Bis zur Wende Mitglied in der Produktionsgenossenschaft der Binnenfischer (PGB), machte sich Schenk 1990 selbstständig. Damals gab es acht Berufsfischer zwischen Briest und Pritzerbe. Jetzt sind es noch zwei mit Rainer Puhlmann und Jörg Mehlhase.

Von Frank Bürstenbinder

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