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Fähre von Lenzen vor dem Aus

Nachfolger gesucht Fähre von Lenzen vor dem Aus

Die Fährverbindung zwischen Lenzen und Niedersachsen ist stark gefährdet. Fährmann Erich Butchereit muss aus gesundheitlichen Gründen aufhören und sucht verzweifelt einen Nachfolger. Bisherige Verhandlungen mit möglichen Betreibern scheiterten am Geld.

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Gerlinde und Erich Butchereit lieben ihren Beruf, wollen aber aufhören.

Quelle: Michael Beeskow

Lenzen. Merkwürdig – wer Erich Butchereit eine Weile über die Schulter schaut, dem kommen bald Zweifel, ob der „Käpten“ überhaupt etwas verrichtet oder ob er von seinem Führerstand aus lediglich die schöne Elbtalaue genießt. Vor ihm befindet sich ein imposantes Pult mit einer Menge an Knöpfen und Hebeln, auf denen seine Hände wie beiläufig traumwandlerisch hin und her wandern, mal da und dann wieder dort ruhen. Nicht die Spur einer hektischen oder kantigen Bewegung. Und so gerät nichts ins Wanken, wenn die Fähre das Ufer erreicht. Das verlässlichste Zeichen, dass sie unmerklich angelegt hat, gibt die Schranke, wenn sie aufgeht.

Bis zu 80 000 Personen passieren hier jedes Jahr die Elbe

Bis zu 80 000 Personen passieren hier jedes Jahr die Elbe.

Quelle: Beeskow

An diesem Tag ist die Fähre zwischen Lenzen in Brandenburg und Pevestorf in Niedersachsen ständig in Bewegung. Zwei, drei Fahrzeuge sind immer an Bord, bis zu acht kann die Autofähre aufnehmen. Prignitzer Handwerker kommen aus Niedersachsen zurück, eine Familie in einem Auto aus Berlin erkundigt sich nach der Therme in Gartow. Viele Prignitzer Kennzeichen, Fahrzeuge aus dem niedersächsischen Dannenberg mit dem nicht seltenen DAN-KE im Nummernschild. Dazwischen ein Kleinbus aus Hamburg. „Jetzt sind noch Ferien. In der nächsten Woche wird es ruhiger“, sagt Fährmann Erich Butchereit.

Doch schon bald könnte vollkommene Ruhe einkehren; mit „Fährmann hol’ über“ wäre es dann zwischen Lenzen und Pevestorf vorbei. „Wir wollen aufhören“, sagen Gerlinde und Erich Butchereit mit einem Bedauern, aber auch mit aller Bestimmtheit. „Wenn ich in Rente gehe“, berichtet die Fährfrau, „sollte eigentlich Schluss sein.“ Das war im April. Aber alle Versuche, einen Nachfolger zu finden, blieben bislang ohne Erfolg. Eigentlich hatten die Fährleute gehofft, einer ihrer beiden Mitarbeiter würde die Fähre übernehmen. Doch dies hat sich zerschlagen. Lange verhandelten sie mit einem Interessenten aus Niedersachsen, doch das Gefeilsche um den Preis für die Fähre nahm kein Ende.

„Wir wollen alles Mögliche versuchen. Doch wenn nichts mehr geht, dann müssen wir aufhören“, sagt Gerlinde Butchereit. Ihr Mann sei jetzt 73 und habe einen Herzschrittmacher. „Wenn der Arzt sagt, er darf nicht mehr arbeiten, dann ist ganz schnell Schluss.“ Beide Butchereits hängen an ihrer Fähre und möchten, dass sie weiter hier auf der Elbe und nicht auf dem Rhein verkehrt – in Blickweite ihres Hauses, das über den Deich lugt. Sie möchten auch nicht, dass ihre beiden Mitarbeiter arbeitslos werden. „Die Fähre ist in einem top Zustand. Alles ist auf dem neuesten Stand“, berichtet Erich Butchereit. „Unser Nachfolger hätte es einfacher als wir.“

Für den gelernten Binnenschiffer war die Fähre ein Glücksfall. Zehn Jahre fuhr er zur See, was immer sein Traum gewesen sei, wie er sagt. Als er jedoch seine Frau kennenlernte, wurde Lenzen 1973 sein Heimathafen. Er arbeitete bei der Wasserwirtschaft und wäre dort wohl auch geblieben, wenn nicht die Mauer gefallen wäre. Die Elbe war nicht länger Grenzfluss, auch zwischen Brandenburg und Niedersachsen kam der Verkehr in Gang. 1992 wurde die Fährverbindung zwischen Lenzen und Pevestorf wieder eröffnet. Das Amt Lenzen stellte die Fähre und Erich Butchereit übernahm den Fährbetrieb als Pächter.

1994 kaufte er die Fähre dem Amt ab – kurz bevor im 20 Kilometer entfernten Dömitz die neue Elbbrücke in Betrieb ging. „Das war ein Risiko. Niemand wusste, wie es mit dem Fährbetrieb weitergeht“, erzählt Erich Butchereit. Tatsächlich brachen dann auch zwei Drittel der Einnahmen weg. „Das war damals ein Rosthaufen“, beschreibt Erich Butchereit den Zustand der Fähre. Er habe aber selbst viele Reparaturen ausführen können, zudem gab es Fördermittel für einen kompletten Umbau der Fähre.

„Man muss Lust dazu haben“, sagt Erich Butchereit. Er bezieht das nicht nur auf die Arbeit, die er über viele Jahre in die Fähre investiert hat, sondern auch auf den ständigen Fährbetrieb: täglich von 6 bis 19.30 Uhr, im Sommer sogar bis 21 Uhr. Doch im Schichtbetrieb mit zwei Mitarbeitern bleibt auch noch etwas Freizeit.

Auf beiden Seiten der Elbe ist das Interesse an der Fähre groß. Als sie im Sommer wegen Niedrigwasser nicht verkehren konnte, gingen in Niedersachsen die Gartower auf die Barrikade. Die Gemeinde ließ daraufhin am Fähranleger den Fluss vertiefen. Die Einstellung des Fährbetriebs ist auch für Bürgermeister Christian Steinkopf in Lenzen undenkbar: „Sehr viele Pendler nutzen die Fähre.“ Zudem würden die Bemühungen um den Tourismus zwischen der Prignitz und dem Raum Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen zunichte gemacht. Gerade ist man sich einig über eine bessere Anbindung der Fähre an den Öffentlichen Nahverkehr. So soll auf der Lenzener Seite im nächsten Jahr eine Buswendeschleife entstehen. Immerhin nutzen 70 000 bis 80 000 Personen die Fährverbindung im Jahr.

„Wir dürfen den Fährbetrieb auf keinen Fall aufgeben, darin sind sich Stadt und Amt einig“, erklärt Christian Steinkopf. Der Bürgermeister kann sich sogar das Eingreifen der Stadt vorstellen. Selbst den Kauf der Fähre würde er mittlerweile nicht ausschließen, denn schließlich arbeite diese ja mit Gewinn.

Von Michael Beeskow

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