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Fräulein Dinkel, zum Diktat!

Deutschlands beste Sekretärin gesucht Fräulein Dinkel, zum Diktat!

Wer ist Deutschlands beste Sekretärin? Bereits zum zehnten Mal sucht ein Büroartikelhersteller die Sekretärin des Jahres. Die Brandenburgerin Doreen Grötchen (35) ist eine der Anwärterinnen auf den Titel. Doch der ist nicht leicht zu kriegen.

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Doreen Grötchen

Quelle: privat

Potsdam. „Fräulein Dinkel!“, ruft der Direktor der Vereinigten Europa-Trikotagen GmbH. Fräulein Dinkel setzt sich auf den Stuhl vor dem Chefschreibtisch und zückt den Stenoblock. Doch der Herr Direktor will keine Korrespondenz diktieren, sondern seine Sekretärin verführen. „Sie machen mich ganz verrückt, Herr Meltzer!“, flötet das fleißige Fräulein Dinkel ­angetan und löst sein Haar – bis eine verbummelte Bestellung über vierhundert „Arosa schlitzverstärkt mit kurzem Arm“ der Büro-Romantik auf der Auslegeware ein abruptes ­Ende bereiten.

Eine Büromanagerin ist diskret

Die Fräulein Dinkels aus dem Sketch mit Loriot und Evelyn Hamann gibt es nicht mehr. Aus der devoten „Tippse“ mit Haarknoten und guter Bluse sind Büromanagerinnen geworden, die weit mehr beherrschen müssen als „Korrespondenz, Ablage, Sekretariat“, wie Herr Meltzer die Position seiner rechten Hand beschreibt. Damals wie heute wichtig: Diskretion. „Man erfährt Dinge und Hintergründe, die sonst keiner weiß. Aber das muss man für sich behalten können“, sagt Doreen Grötchen. Die 35-Jährige aus Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) ist Brandenburgs Anwärterin für den Titel „Sekretärin des Jahres“, den der Büroartikelhersteller Leitz am Donnerstag in Stuttgart vergibt.

Ausbildung und offene Stellen

170 Ausbildungsstellen für Sekretärinnen und Sekretäre wurden nach Angaben der Agentur für Arbeit Potsdam zum Ausbildungsstart im Herbst für die Region Potsdam gemeldet. ­Damit rangiert der Beruf auf Rang 1. Von den 170 Stellen seien aktuell noch fünf zu vergeben.

126 offene Stellen führt die Arbeitsagentur Potsdam Ende September für diesen Beruf. Dem gegenüber standen 1038 Arbeitslose, die in den Jobcentern der Region betreut werden und in diesem Bereich arbeiten möchten. Daraus ergibt sich eine Relation von 8,2 Arbeitslosen je Stelle.

65. 000 Euro im Jahr verdienen Top-Sek­retärinnen in großen Konzernen laut einer aktuellen Studie der Personal­beratung Kienbaum. Sie sind jedoch die Ausnahme. Teamassistentinnen, die für eine ganze Abteilung arbeiten, verdienen oft nur rund 30.000 Euro im Jahr.

Doreen Grötchen tritt dabei in einer Spezialkategorie an: Sie misst sich mit den besten Sekretärinnen der vergangenen Jahre. 2009 holte die gebürtige Magdeburgerin bereits den Pokal, damals noch für ein Berliner Unternehmen. Inzwischen ist sie Chefsekretärin der Seegastronomie & Event GmbH, einer mittelständischen Firma in Senftenberg.

Personalplanung, Marketing, Angebote einholen und erstellen – „es läuft eigentlich alles über mich“, sagt Grötchen, deren Bezeichnung nicht mehr Sekretärin, sondern Assistentin der Geschäftsführung ist. Nebenbei betreut sie die Internetseite des Unternehmens, checkt E-Mails, verteilt die Post und kocht, ganz klassisch, Kaffee. „Man muss flexibel sein, was die Aufgaben angeht“, erklärt die 35-Jährige, die drei abgeschlossene Ausbildungen im Bürofach vorweisen kann.

Als im Hof der Firma ein Baum gefällt werden musste, verhandelte sie eben mit Behörden und Naturschützern. Grötchen arbeitet Vollzeit. Ihre beiden Kinder, sechs und neun Jahre alt, kommen schon mal mit ins Büro, wenn es gar nicht anders geht. „Man muss gut organisiert sein“, erklärt die Mutter, „aber es funktioniert.“

Service

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Von der Sekretärin zur Büromanagerin

„Das Berufsbild hat sich enorm gewandelt“, bestätigt Wolfgang Spieß, Leiter des Bereichs Bildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam. Das lasse sich schon allein an der Bezeichnung ablesen. Bis in die 70er-Jahre gab es die Ausbildung zur „geprüften Sekretärin“, später wurde daraus die Sekretariatsfachkauffrau, dann die geprüfte Fachfrau für Büromanagement.

Inzwischen wird eine Weiterbildung zur Fachkauffrau für Büro- und Projektorganisation angeboten. Auch Bezeichnungen wie Office-Managerin, Management-Assistentin, Personal Assistant sind inzwischen en vogue. Noch immer seien es überwiegend Frauen, die sich für die Jobs interessieren, sagt Wolfgang Spieß. Viele hätten bereits ein Bachelorstudium absolviert.

Beim Wettbewerb in Stuttgart müssen die Kandidatinnen Stressresistenz, Organisationstalent und Allgemeinwissen unter Beweis stellen. Auch Englischkenntnisse werden geprüft. Sven Przybilski hofft natürlich, dass seine Assistentin Doreen Grötchen ihren Titel von 2009 verteidigen kann. „Sie ist ein Aushängeschild für unsere Firma“, lobt ihr Chef. Was sie leisten müsse, sei „harte Arbeit“. Sie müsse Entscheidungen vorbereiten, Events organisieren. „Sie ist die Schnittschnelle“, sagt der Geschäftsführer und fügt dann mit einem Lachen hinzu: „Das mit dem Kaffee funktioniert aber auch.“

Von Marion Kaufmann

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