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Hat geklappt: Nach dem Abi in die Lehre

Zwei Havelländerinnen erzählen Hat geklappt: Nach dem Abi in die Lehre

Nicht alle Karriere-Wege führen durch den Hörsaal. Aliza Altendorf (20) und Alexandra Sommer (25) haben nach dem Abi in Falkensee und Dallgow-Döberitz den direkten Weg in die Arbeitswelt gesucht – und gefunden. Davon erzählen sie im Doppel-Interview.

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Wie geht es weiter nach dem Abi?

Quelle: Agentur für Arbeit Hamburg

Havelland. Im vergangenen Jahr nahmen deutschlandweit 503 639 Leute ein Studium auf. Vier von fünf Abiturienten wollen studieren. Doch nicht alle Karriere-Wege führen durch den Hörsaal. Aliza Altendorf (20) und Alexandra Sommer (25) haben nach dem Abi den direkten Weg in die Arbeitswelt gesucht – und gefunden. Aliza hat nach ihrem Abschluss am Falkenseer Lise-Meitner-Gymnasium (2013) ihre Ausbildung bei einer Versicherung begonnen. Für Alexandra ging es nach dem Abschluss am Dallgower Marie-Curie Gymnasium (2010) in Richtung Welt. Sie begann ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau in Berlin. Heute arbeitet sie in einem 4,5-Sterne-Hotel in Brisbane, Australien.


MAZ
: Nach dem Abitur stürmen die meisten, teils überstürzt, an die Uni. Was habt ihr nach eurem Abschluss gemacht?

Aliza Altendorf: Das stimmt, deshalb war es für mich vorerst ausgeschlossen. In der Abiturphase habe ich ein Praktikum in der Bank gemacht. Dort habe ich schnell gemerkt, dass das nicht unbedingt was für mich ist. Mithilfe vieler Gespräche mit der Familie habe ich dann eine Ausbildung als Kauffrau für Versicherungen und Finanzen angefangen.

Alexandra Sommer: Ich bewarb mich bereits im Abi bei verschiedenen Berliner Hotels. Die Bewerbungsgespräche fanden dann innerhalb einer Woche statt und nach einiger Überlegung entschied ich mich für das Kempinski-Hotel Bristol Berlin am Kurfürstendamm. Mit einer Arbeitsstelle in der Tasche musste ich nur noch das Abitur bestehen. Glücklicherweise verlief alles gut und ich durfte im August 2010 meinen ersten Arbeitstag beginnen.

Warum habt ihr euch für euren jeweiligen Weg entschieden?

Aliza : Ich habe mich bewusst für diesen Weg entschieden, weil ich viel praktische Erfahrung erlangen wollte. Mein Ziel war: zuerst die Praxis, dann die Theorie. Im Anschluss an die Ausbildung kann man ja immer noch studieren aber man hat davor auch wenigstens schon mal Geld verdient und praktische Erfahrung gesammelt.

Alexandra : Schon als Kind bin ich mit meinen Eltern viel gereist, nicht nur um andere Kulturen und Sprachen kennenzulernen, sondern auch um sich ein besseres Bild von der Welt machen zu können. Die Tourismusbranche hat Zukunft und bietet eine hohe Arbeitsplatzsicherheit sowie gute Karrieremöglichkeiten. Das Besondere ist auch, dass ich mit meiner Arbeit anderen Menschen eine Freude bereiten und das scheinbar Unmögliche, möglich machen kann. Die Zufriedenheit der Gäste macht letztendlich den Erfolg aus und ist das Ergebnis meiner Arbeit.

Was spricht eurer Meinung nach für eine praktische Ausbildung?

Aliza : Man erlernt viel praktische Erfahrung und verdient noch dazu Geld. Außerdem hat man in meinem Bereich einen ganz anderen Umgang mit Kollegen. Die Persönlichkeit verändert sich und ich wurde viel selbstbewusster und offener fremden Menschen gegenüber. Man steht mit einer Ausbildung immer im Leben und kann währenddessen zum Beispiel auch ausziehen, weil man auch Geld verdient. Wenn man nur studiert ist dies kaum möglich.

Alexandra : Die praktische Ausbildung ist meiner Meinung nach der schnellste Weg um ein solides Fundament für die berufliche Zukunft zu legen. Heutzutage setzen Unternehmen viel auf Erfahrung im Beruf und kein Studium kann seine Studenten darauf vorbereiten, wie es im wirklichen Leben ist in der Branche zu arbeiten, wenn man es nicht selbst nebenbei betreibt. - Ich hatte während meiner Zeit im Gymnasium nie Interesse zu studieren und wollte von Anfang an die Arbeitswelt erleben und unabhängiger sein.

Welche Herausforderungen gab es vor allem zur Beginn der Ausbildung?

Aliza : Eine große Herausforderung ist die eigenständige Arbeit. Ich habe zwar noch Berufsschule aber es wird einem nicht mehr alles „vorgesagt“ wie in Schulzeiten. Man muss sehr viel alleine machen und auch selbstständig die Initiative ergreifen, gerade in meinem Job.

Alexandra : Meine ersten Herausforderungen waren der Umgang mit neuen Kollegen außerhalb des Gymnasiums, Konfliktlösung innerhalb der Azubigruppe, effizientes Arbeiten und vor allem der professionelle Umgang mit Vorgesetzten. Zeitmanagement und das stetige „Am Ball bleiben“ sind nicht immer einfach, jedoch lernt man dies schnell. Die größte Herausforderung ist und bleibt der professionelle Umgang mit den Gästen, besonders bei Beschwerden.

Würdet ihr zusätzlich zur Ausbildung gerne noch studieren? Wenn ja, was und warum? Wenn nein, was sind eure nächsten Ziele?

Aliza: Parallel zur Ausbildung habe ich schon ein Studium (BWL) angefangen. Dieses werde ich nach meiner Ausbildung (Ende Juli 2016) natürlich weiter machen und parallel zu meiner weiteren Beschäftigung bei der Barmenia absolvieren. Ich möchte gerne vielfältiger aufgestellt sein und berufliche Chancen nach oben sehr gern nutzen. Wenn der Weg des Studiums doch einmal aus unerwarteten Gründen nicht weiter geht, habe ich doch schon meine Ausbildung in der Tasche und bin an diesem Punkt schon weiter als viele andere, welche zum Beispiel direkt mit dem Studium anfangen und dann dieses abbrechen.

Alexandra: Nach wie vor habe ich eher weniger Interesse am studieren, denn ich finde dass man mit der richtigen Einstellung und Willen alles erreichen kann. Wenn es irgendwann heißt, dass ich studieren muss, um an meine neue Arbeitsstelle zu gelangen, werde ich dies tun. - Im August 2013 hatte ich nach 2,5 Jahren meine Ausbildung zur Hotelfachfrau erfolgreich bestanden und wanderte nach Australien aus. Da Kempinski keine Hotels in Australien betreibt, hieß es für mich: Neuanfang! Nach einigen Zwischenstationen, bin ich nun im 4,5 Sterne Hotel Four Points by Sheraton Brisbane tätig. Seit der Neueröffnung hatte ich nicht nur die Chance als Rezeptionistin zu arbeiten, sondern wurde in der Reservierungsabteilung weitergebildet und kann jetzt all dieses Wissen nutzen, um als Guest Relations Officer unseren Gästen einen unvergesslichen Aufenthalt zu ermöglichen. Mein Ziel ist entweder Team Leader oder Schichtleiterin an der Rezeption. Oder, wenn ich doch lieber in die Büroetage gehen möchte: Reservierungsleiterin.

Mit Blick auf euren engen Freundeskreis: Sind die meisten bereits voll berufstätig oder studieren sie noch?

Aliza: Die meisten Freunde haben nach der Schule ein Auslandsjahr gemacht oder haben angefangen zu studieren. Durch meine Ausbildung und meinen Freund (29 Jahre) habe ich natürlich auch viele neue Freunde dazu gewonnen, welche schon voll berufstätig sind und mitten im Leben stehen.

Alexandra: Mein engster Freundeskreis besteht zum Großteil aus berufstätigen Freunden, von welchen die meisten im Tourismussektor beschäftigt sind. Nur eine Hand voll meiner engsten Freunde befindet sich momentan im Studium oder studiert bald aus.

Was gefällt euch an eurem Job?

Aliza : Ganz besonders an meinem Job gefällt mir die Abwechslung. Ich bin oft bei Kunden oder Sie kommen in mein Büro. Dadurch lerne ich täglich neue Gesichter und neue Geschichten kennen. Ich habe daher ein ganz anderes Auftreten gegenüber fremden Menschen. Ich wurde dadurch viel selbstbewusster und offener.

Alexandra: An meinem jetzigen Job als Guest Relations Officer gefällt mir, dass ich unseren Gästen zu jeder Zeit einen auf ihnen zugeschnittenen Aufenthalt bieten und unvergessliche Momente kreieren kann. Meine Fremdsprachenkenntnisse (Englisch und Französisch) erweisen sich jeden Tag als nützlich und ich hoffe, dass Spanisch irgendwann mit dazukommt. Ich kann meine eigenen Ideen einbringen, die Gästezufriedenheit erhöhen und habe stets das Vertrauen und die Unterstützung meiner Kollegen. Jeder Tag ist anders, birgt neue Herausforderungen und das macht es unglaublich spannend.

Wie könnten Schulen ihre Schüler noch besser bei der Entscheidungsfindung „Studium oder Ausbildung“ unterstützen?

Aliza: Ich finde, wenn es mehr Gespräche zu diesem Thema an den Schulen geben würde, wäre die Entscheidung der Schüler klarer. Am besten ist es, wenn Azubis vorsprechen, welche selbst nach dem Abitur direkt angefangen haben.

Alexandra: Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich während meiner Schulzeit eher weniger Unterstützung, wenn es um die Entscheidung ging. Persönlich finde ich, dass dies auch nicht die Aufgabe der Schule sein sollte. Eltern sollten diesen Platz einnehmen und sich mit ihren Kindern frühzeitig Gedanken machen. Ich habe mich damals über einige Monate lang hingesetzt und zu Papier gebracht, was ich gut kann, was meine Hobbys sind und woran ich Spaß habe. Dann bat ich Freunde und Familie mir aufzuschreiben bzw. mir zu sagen, was ich gut kann. Weitere Möglichkeiten wären Schülervorträge, die Einblicke geben oder auch ein „Eltern/Geschwister stellen ihren Beruf vor“- Tag.

Auch die Kombination Ausbildung und Studium sind möglich. Was haltet ihr von diesen dualen Konzepten?

Aliza: Duale Konzepte finde ich eine gute Alternative, wenn es nicht nur das Studium sein soll. Hier hat man die Möglichkeit, auch praktische Erfahrungen zu sammeln und Geld zu verdienen.

Alexandra : Das duale Konzept hat gute sowie schlechte Eigenschaften. Es bietet eine hervorragende Kombination aus Theorie und Praxis und hat finanzielle Vorteile sowie eine kürzere Studiendauer. Außerdem erhält man zwei Abschlüsse. Aus Erfahrungsberichten von Freunden, welche sich für das duale Konzept entschieden hatten, weiß ich jedoch, dass es auch einige Nachteile gibt. So z. B. eine hohe Arbeitsbelastung durch den ständigen Wechsel von Praxisphasen und Vorlesungszeiten inklusive Klausuren. Auch ein Abbruch des Studiums ist nur schwer möglich, wenn man unzufrieden ist. Hinzu kommt der Nachteil der Festlegung auf einen Arbeitsbereich direkt zu Beginn. Man hat dann im weiteren Verlauf wenige Spezialisierungsmöglichkeiten. Ein duales Studium ist definitiv nichts für zartbesaitete Personen, jedoch wenn man genau den Weg gefunden hat, den man gehen möchte und man Spass am Thema hat, ist es alles etwas einfacher.

Von Carolin Makus

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