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Ilse Kehler betreute mit 14 Golmer Kids

Die einst jüngste Kindergärtnerin der Welt Ilse Kehler betreute mit 14 Golmer Kids

Die Zeiten waren hart kurz nach Kriegsende im Mai 1945 in Potsdam. Von Rotarmisten bedrängt, musste sich die erst 14-jährige Ilse Kühn durchs Leben schlagen. Das mutige Mädchen entschied sich schließlich, die Kinder der ansässigen Bauern zu betreuen. Daraus wurde ein Beruf für ein langes Leben.

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Am Freitag feiert Ilse Kehler, geborene Kühn, ihren 85. Geburtstag.

Quelle: Kurt Baller

Golm. Die 14-jährige Ilse Kühn stand mit weiteren Bewohnern der Communs 2 auf der Mopke vor Rotarmisten, die mit Kalaschnikows drohten und immer wieder brüllten: „Wo General?“ Im Gebäude hatten sich Einheiten der Wehrmacht befunden, deren Offiziere beim Nahen der Roten Armee unter Zurücklassung ihrer Uniformen geflohen waren. Auch die eines Generals war darunter.

Da fuhr ein sowjetischer Offizier vor und befahl mit schneidender Stimme, die Waffen zu senken. Er schickte die Zivilisten in ihre Wohnungen in das Communs 2. Der Offizier war – wie sich später herausstellte – der Gardeleutnant Jewgeni Fjodorowitsch Ludschuweit, der 20 Jahre später als „Retter von Sanssouci“ Ehrenbürger Potsdams wurde.

Die Flucht aus dem Schlesischen mit der Großmutter im Viehwagen hatte Ilse Kühn überstanden, die Bombardierung Potsdams ebenso und die drohende Erschießung – jetzt aber begann ihr Kampf gegen den beißenden Hunger. Ihre Versuche, bei den Golmer Bauern Essen zu erhalten, scheiterten. Sie besaß nichts, was sie zum Tausch hätte anbieten können.

Golmer Kita „Am Storchennest“

Der Golmer Kindergarten, den Ilse Kehler einst gründete, hat dieses Jahr 70. Geburtstag gefeiert.

Seit dem 1. Juni 2005 ist die traditionsreiche Kita in der Trägerschaft der Sportservice Brandenburg GmbH, einer 100-prozentigen Tochter des Landessportbundes Brandenburg.

Der Kindergarten heißt heute Kita „Am Storchennest“. Derzeit werden dort in vier Gruppen etwa 60 Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren betreut.

Als sie aber Kinder unbeaufsichtigt auf der Dorfstraße spielen sah, kam ihr eine Idee. Die Ernte stand vor der Tür, jede Hand wurde gebraucht. Wenn sie sich der Kinder annähme, wäre den Bauern und vielleicht auch ihr geholfen.

Am 27. Mai 1945 begann sie, an dem ehemaligen Golmer Kindergarten der Nationalsozialistischen Volksfürsorge (NSV) die mit Brettern vernagelten Fenster zu öffnen und das Haus zu säubern. Zwei Tage benötigte sie dafür. Dann war das 1919 als Gaststätte „Am Golmer Rutschberg“ in Betrieb genommene Haus für ihre Zwecke hergerichtet.

Schnell sprach sich das Angebot rum – erst waren es zwölf Kinder, bald aber 48. Schon reichten die Möbel nicht mehr aus. Nach der Sperrstunde schlich Ilse Kühn zum leer stehenden Kindergarten Eiche und „organisierte“ zwei Tische und acht Stühle. Und das Essen für die Kleinen? „Fast jedes Kind brachte einen kleinen Behälter mit Mittagessen mit, welche alle eng aneinander auf einem eisernen Ofen in der Küche einen Platz fanden. Die wenigen Kinder, die nichts zu Essen mitbrachten, erhielten aus jedem Töpfchen einen Löffel – so wurden alle satt, auch ich.“

Auf dem Programm standen Vorlesen, Spaziergänge, Schnitzeljagden, Kinderfeste und Spielzeug basteln. Jedes Mädchen bekam eine Puppe aus Strümpfen, mit Stroh oder Heu ausgestopft, für die Jungen schnitzte die „Kindergärtnerin“ Bausteine.

„Ohne Ausbildung geht das nicht“, erklärte das Schulamt und schickte Ilse Kühn vom 20. Oktober 1946 bis zum 31. März 1947 zum Kurslehrgang für Kindergärtnerinnen in die Handelschule Potsdam. Am 15. April 1947 wurde die nun 15-Jährige offiziell als Leiterin des Kindergartens Golm eingesetzt und erhielt nun auch ein, wenn auch bescheidenes, Gehalt. Bis 1954 blieb sie es – mit einem Jahr (1948) Pause. Der täglich überforderte junge Organismus forderte sein Recht.

1952 änderten sich ihre persönlichen Verhältnisse. Sie heiratete und wurde Ilse Kehler. 1953 wurde eine Tochter Evelin, 1955 der Sohn Bernd geboren.

Ihrem eingeschlagenen Berufsweg blieb Ilse Kehler treu. 1954 baute sie den Kindergarten an der Pädagogischen Hochschule Potsdam auf, wechselte dann zum Kindergarten in der Hegelallee, von dort in den an der Alte Zauche und war bis 1985 im Internat der Sprachheilschule Potsdam tätig.

Doch vergessen hat Ilse Kehler ihre Golmer Zeit nie. Zu fünf Kindern pflegt sie noch heute Beziehungen. „Die sind aber auch schon alle über 70“, lächelt Ilse Kehler.

Von Kurt Baller

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