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Jung, undynamisch, ohne Job

Arbeitslosigkeit Jung, undynamisch, ohne Job

Die Jugendarbeitslosigkeit in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming ist so niedrig wie nie. Die Quoten machen zum Teil sogar den Sorglos-Ländern Bayern und Baden-Württemberg Konkurrenz. Trotzdem können die Mitarbeiter der Arbeitsagenturen nicht aufatmen, denn die Vermittlung arbeitsloser Jugendlicher ist kompliziert.

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Besondere Bedürfnisse, besonderes Angebot: In Teltow-Fläming sollen arbeitslose Jugendliche künftig über eine Jugendberufsagentur vermittelt werden.

Quelle: Agentur für Arbeit

Dahmeland-Fläming. Die Jugendarbeitslosigkeit in der Region bereitet den Arbeitsagenturen Kopfzerbrechen – aber nicht, weil die Zahlen so hoch sind. Im Gegenteil.

In der Altersklasse unter 25 Jahren unterbieten die Quoten noch die ohnehin schon blendenden Gesamtzahlen. Im Landkreis Dahme-Spreewald etwa waren Ende November gerade einmal 3,8 Prozent der Jugendlichen arbeitslos. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es laut statistischem Landesamt noch 5,6 Prozent, im Jahr 2009 waren sogar noch 9,2 Prozent der unter 25-Jährigen arbeitslos gemeldet.

Ein ähnliches Bild ergibt sich in Teltow-Fläming. Dort verzeichnet die Agentur aktuell eine Jugendarbeitslosigkeit von 5,3 Prozent. Im Jahr 2009 waren immerhin noch 11,6 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Job.

Mit den aktuellen Werten liegen beide Landkreise im brandenburgischen Spitzenfeld und können sich sogar bundesweit sehen lassen. Dahme-Spreewald kann inzwischen sogar beinahe mit den Spitzenquoten in Bayern und Baden-Württemberg mithalten, Teltow-Fläming liegt immer noch deutlich unter dem Landesschnitt von Brandenburg. Und außerhalb Deutschlands gibt es in der EU ohnehin kein anderes Land mit einer dermaßen niedrigen Jugendarbeitslosigkeit. Zum Vergleich: In Österreich, dem zweiterfolgreichsten Land bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, ist immer noch jeder zehnte Jugendliche ohne Job. Der Schnitt in der Europäischen Union liegt bei mehr als 20 Prozent und Spanien sowie Griechenland kapitulieren angesichts von Quoten zwischen 40 und 50 Prozent.

In Deutschland, so sind sich Bildungs- und Sozialwissenschaftler einig, ist es aufgrund der stabilen Konjunktur und des guten Ausbildungssystems dagegen derzeit ziemlich schwierig, im Alter von Anfang 20 arbeitslos zu sein. An Ausbildungsplätzen zumindest mangelt es in der Region nicht. „Wir können jedem, der einen Ausbildungsplatz sucht, ein Angebot machen“, sagt Isabell Wolling, Sprecherin des für Teltow-Fläming zuständigen Agenturbezirks Potsdam. Selbst wer keine Ausbildung anfängt und sich auch nicht für ein Studium entscheidet, wird von der Bundesagentur für Arbeit in eine Weiterbildung gesteckt und taucht nicht in der Arbeitslosenstatistik auf. Auch nach einer Ausbildung bleiben fähige junge Leute oft nicht lange auf der Suche nach einer neuen Stelle. Unternehmen in fast allen Branchen suchen Fachkräfte. „Wer sich problemlos in den Arbeitsmarkt einfügen kann, hat heute deutlich bessere Chancen, einen Job zu finden, als noch vor einigen Jahren“, fasst Isabell Wolling zusammen.

Im Umkehrschluss heißt das, dass von denjenigen, die trotzdem durchs Netz rutschen und in der Statistik auftauchen, viele einen erhöhten Betreuungsbedarf haben. Nicht der Arbeitsmarkt, sondern sie selbst sind das Problem. Anja Spiegel, Geschäftsführerin des Jobcenters Teltow-Fläming, drückt es so aus: „Bei den jungen Menschen haben wir es oft mit multiplen Aspekten zu tun – Suchtprobleme, Schulden oder schwierige Elternhäuser.“ Und das ist für die Fallmanager und Betreuer der schwierige Teil, denn es geht bei der Vermittlung nicht nur um berufliche Fragen, es geht um Lebensmanagement.

Im Landkreis Dahme-Spreewald gelten von 189 arbeitslos gemeldeten Jugendlichen 162 als Langzeitarbeitslos – und mithin als schwer integrierbar in den Arbeitsmarkt. Viele von diesen Jugendlichen brauchen eine besondere Förderung, sagt Bianca Kunze, Sprecherin des Agenturbezirks Cottbus. Man bietet ihnen in Dahme-Spreewald deshalb unter anderem Berufsvorbereitungsmaßnahmen an, in denen erst in einem speziellen Verfahren die Eignung für bestimmte Berufsfelder getestet wird, bevor eine auf sie zugeschnittene Ausbildung erfolgt. Dieser Weg ist vergleichsweise aufwendig und die Erfolge zeichnen sich nur langsam in den Zahlen ab, so Bianca Kunze.

Im Landkreis Teltow-Fläming wurden für 348 Menschen unter 25 Jahren, die in der Statistik als arbeitslos geführt werden, – und für einige mehr, die zwar noch jung sind, aber statistisch nicht mehr als Jugendliche gelten –, kürzlich sogar eine Jugendberufsagentur ins Leben gerufen. Es ist die erste in einem Landkreis im Land Brandenburg und sie wird Mitte März ihren Betrieb aufnehmen.

Jobcenter, Arbeitsagentur und Landkreis arbeiten darin zusammen, um die Jugendlichen gemeinsam aufzufangen, sie zu fördern und für das Berufsleben zu befähigen. „Jugendliche brauchen einen zentralen Anlaufpunkt, sie gehen uns sonst auf dem Weg von A über B nach C verloren“, sagt die Potsdamer Agenturchefin Ramona Schröder.

Gut möglich, dass sich die Jugendberufsagentur künftig auch verstärkt um junge Flüchtlinge kümmern muss. Denn zumindest einige von ihnen dürften es ohne hinreichende Sprachkenntnisse und ohne anerkannte Berufsausbildung auch mittelfristig schwer haben, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Von Oliver Fischer

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