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Kein leichtes Ding mit der Ausbildung

Probleme mit Ansprüchen und Kulturen Kein leichtes Ding mit der Ausbildung

Der Stahnsdorfer Betrieb Füllner & Partner versucht, Lehrlinge zu bekommen – egal, ob es Deutsche oder Ausländer sind. Es ist schwierig, weil die einen nicht wirklich wollen und für die anderen Fördermöglichkeiten und das Verständnis für das deutsche Ausbildungssystem fehlen.

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Geschäftsführer Stephan Füllner (l.) und Paul Silov (26). Der junge Russe kam einst als Spätaussiedler und bekam nie einen Sprachkurs. Er strengte sich an. Machte eine Teil- und eine Komplettausbildung. Heute ist er Industriemechaniker.

Quelle: C. Krause

Stahnsdorf. So einfach, wie man es sich vielleicht vorstellt, Flüchtlinge schnell in eine sinnvolle Beschäftigung, gar Ausbildung zu bringen, ist es wohl nicht. Dabei fehlen nicht nur passende Bundesfördermaßnahmen, sondern es hemmen auch kulturelle Einflüsse der Herkunft.

Das hat die kleine mittelständische Firmengruppe Füllner & Partner und APAC Aluminumgießerei im Stahnsdorfer Greenpark erkannt. Das Geschäft läuft. „Die Wirtschaft ist gut zur Zeit“, bestätigt Stephan Füllner (59). Er ist neben Detlev Schmidt Gesellschafter und Geschäftsführer der Firmengruppe, die heute 36 Mitarbeiter hat. Begonnen hatte man einst mit sechs. Der Jahresumsatz pendelt bei 2,5 Millionen Euro. Aluminumgießereien gebe es kaum noch in der Region, historische Leuchten werden in sämtliche deutsche Städte geliefert. Planung, Entwicklung, Konstruktion und Fertigung von Bauteilen, Maschinen und Geräten für verschiedene Bereiche finden guten Absatz.

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Zwei weitere Mitarbeiter würde man noch einstellen wollen, auch weiter Lehrlinge ausbilden, doch „das Interesse unserer Jugendlichen ist sehr gering“, sagt Füllner. 2014 hatte man das erste Mal nicht einen einzigen Bewerber für eine Ausbildung zum Industrie- oder Gießereimechaniker. 2015 waren es drei, „die nicht in Frage kamen“. Diesmal waren „sie zu gut“, hatten Abi, wollten aber nicht die „schmutzige Arbeit“ machen. Auch Schulklassen kämen nicht mehr zum Betriebsbesuch, „so wie früher“.

Hier wird noch mit den Händen gearbeitet

Hier wird noch mit den Händen gearbeitet: Andreas Barthel beim Aluminiumgießen im Stahnsdorfer Betrieb.

Quelle: C. Krause

Lehrmeister Lutz Roesner, der als Rentner die Lehrausbildung bei Füllner „geringfügig bezahlt“ bekommt, hatte eine Idee: 12 Flüchtlinge ohne Lehrverhältnis könnten vernünftig beschäftigt und ausgebildet werden, damit sie später wieder ihre Heimat aufbauen helfen. Nach drei Jahren blieben sie etwa für ein Jahr noch zum Arbeiten in Deutschland. „Es würde wie eine normale Ausbildung laufen, nur der Geldgeber wäre ein anderer“, erklärt Füllner. Doch für solche Projekte gibt es derzeit keine Bundesförderungen, „keinerlei Modalitäten und Lösungen“. Brandenburgs Arbeitsministerin Diana Golze (Die Linke) sieht die Bundesagentur für Arbeit und die Handwerkskammern in der Pflicht. Sie hofft jetzt auf Frank-Jürgen Weise und die Synergien aus dessen Doppelfunktion. Weise ist zugleich Chef der Migrationsbehörde BAMF und der Bundesarbeitsagentur. Die Arbeitsagentur fördert entweder eine einjährige Einstiegsqualifizierung oder einen Sprachkurs. Füllner hält das für unklug. „Ohne richtiges Deutsch läuft das nicht“, sagt er.

 Holger Stenzel an der Bandsäge

Holger Stenzel an der Bandsäge. Er putzt die gefertigten Teile, in dem er erst Gussgard absägt.

Quelle: C. Krause

Als die Agentur ihm einen 22-jährigen Somalier schickte, freute sich Füllner über den arbeitswilligen Mann, der wusste, dass man „in Deutschland fünf Tage die Woche arbeiten und pünktlich sein muss“. Nach eineinhalb Jahren in Deutschland waren dessen Sprachkenntnisse „ausbaufähig“. Er wollte eine Ausbildung und Geld verdienen. Aber schon bei Füllners Erklärung, was Gießer oder Zerspaner seien, welche Möglichkeiten der Betrieb böte, hörte das Verständnis bei dem Mann aus Ostafrika aus. Dass er eine einjährige Einstiegsqualifizierung, dann drei Jahre Ausbildung haben und letztlich erst nach vier Jahren genug Geld verdienen würde, um sich eine eigene Wohnung leisten zu können, „konnte er nicht begreifen“, berichtet Füllner. In dessen Heimat läuft das anders. Der Somalier kam nie wieder.

Ein marokkanischer Student, der, in Deutschland gelernt hat, „dass man hier etwas für seine Ausbildung tun muss“, der nebenbei in Berlin kellnert und für seine Bachelor-Arbeit bei Füllner tätig ist, kennt die Lage in Afrika: Da würden eben „nur Hilfsarbeiter“ in der französischen Autoindustrie arbeiten. Selbst bei seinen vier Kollegen aus Moldawien und Russland bemerkt Füllner noch nach Jahren „die verschiedenen Herangehensweisen“. Die Menschen seien zu Hause „anders aufgewachsen“ und würden hier der „technologischen Disziplin nicht ganz so stringent folgen“. Selbst unter Wessis und Ossis gebe es noch Unterschiede: Wenn der Chef was sagt, macht es der Wessi genau so, ohne zu murren. Der Ossi diskutiert, erzählt Füllner schmunzelnd.

Sein Fazit: „Man darf die Kulturen nicht unterschätzen“. Es sei zwar ein „schöner Anfang“, wenn jemand weiß, dass er in Deutschland „5 Tage die Woche arbeiten und pünktlich sein muss“. Aber es brauche auch ein Verständnis für das deutsche Ausbildungssystem. Ansonsten würden „diese Leute massenhaft in die Hilfsarbeiterschaft oder in die Schwarzarbeit abwandern“. Wenn es da keine Lösung gibt, entstehe „ganz großer Unmut“, befürchtet Füllner. „Wir brauchen wirklich Facharbeiter.“ Das Problem bleibt.

Unter einer Regie

Die Firmengruppe Füllner & Partner Mechanische Fertigung und Ingenieurbüro GmbH und APAC Aluminumgießerei GmbH besteht seit Mitte der 1990er Jahre. Sie hat 36 Mitarbeiter; darunter zwei Frauen. Die APAC ist aus der Potsdam-Babelsberger Firma von 1926 hervorgegangen.

Entwicklung, Konstruktion und Fertigung erfolgen unter einem Dach. Industriepartner sind z. B. Miele, Siemens, Comde (Feinstaubgeräte). Die nach historischem Vorbild handgefertigten Leuchten findet man in vielen deutschen Städten.

Kontakt: 03329/6 06 60; www.fuellner-gmbh.de; www.apac-gmbh.de

 

Von Claudia Krause

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