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Keine Lehrlinge im Havelland

Volle Terminkalender und kein Fachkräftenachwuchs Keine Lehrlinge im Havelland

Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, der Trend für 2016 ist positiv. Doch auch der große Mangel an geeignetem Fachkräftenachwuchs wird immer deutlicher. Termine werden knapper, Betriebe können die Aufträge nicht mehr decken. Schon seit einigen Jahren steht das Handwerk bei Schülern nicht an erster Stelle.

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Trotz Kosten und erheblichen Mehraufwandes bildet Tischlermeister Martin Tews aus der Falkenseer Tischlerei Schwanke weiter Lehrlinge aus.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Nauen. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, der Trend für 2016 ist positiv. „Wir rechnen ganz klar mit einem Umsatzplus“, sagte gestern Kreishandwerksmeister Michael Ziesecke. „Rund 80 Prozent der havelländischen Betriebe hatten bereits im vergangenen Jahr eine gute oder sogar sehr gute Auslastung.“

Niedrige Zinsen, ein stabiler Arbeitsmarkt, das steigende Einkommen und die anhaltende Nachfrage nach Wohnraum seien Gründe für die stabile Auftragslage. In vielen Bereichen konnten sogar Neueinstellungen vorgenommen werden. „Hier wird allerdings der Mangel an Fachkräften deutlich, der alle Branchen gleichermaßen betrifft. Es wird immer schwerer, geeigneten Nachwuchs zu finden“, so Ziesecke. Zwar wurden mit 153 Ausbildungsverträgen etwas mehr abgeschlossen als noch 2014, das sei jedoch immer noch viel zu wenig, weiß Bauunternehmer Olaf Bubath: „Die Termine werden knapper, Betriebe können die Aufträge nicht mehr decken. Es fehlt einfach an Personal.“ Selbst für den eigentlich beliebten Ausbildungsberuf zum Kfz-Mechatroniker wird händeringend Nachwuchs gesucht.

Das Handwerk stehe bei vielen Schülern nicht mehr an erster Stelle und Ausbildungsstellen blieben dadurch oftmals unbesetzt. „Die Berufsorientierung wird heute leider allein den Schulen überlassen und ist daher sehr unterschiedlich. Es müsste viel mehr sein“, so Claudia Seeligmann, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. Bei Werbeaktionen, wie etwa den Ausbildungsbörsen im MAFZ-Erlebnispark in Paaren oder in der Falkenseer Stadthalle, habe sie häufig beobachtet, wie Schüler, die sonst nie mit dem Handwerk in Verbindung kommen, an der Werkbank regelrecht aufblühen. „Ein Praktikum ist der beste Weg, seine Interessen zu erkennen und sich in der Arbeitswelt zu orientieren. Die Anfragen sind jedoch in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen“, sagt auch Elektromeister Horst Seelig. Ohne die nötigen Vorkenntnisse bemerken einige Jugendliche erst während der Ausbildung, dass der Beruf nicht das richtige für sie ist – 18 Prozent aller Lehrlinge im Havelland brechen so jährlich ihre Berufsausbildung ab.

Zusätzlich müssten die Handwerker immer wieder feststellen, dass es schon an den einfachsten Grundlagen wie Pünktlichkeit, Durchhaltevermögen und einer gewissen Reife fehlt. Auch die Leistung stimme oft nicht mit nicht mit den Schulzeugnissen überein. Als Ursache sehen die Handwerksmeister Versäumnisse des Schulsystems, aber auch der Elternhäuser. „Natürlich gibt es viele engagierte Lehrlinge. Der Leistungsdurchschnitt geht aber nachweislich immer weiter nach unten“, so Michael Ziesecke. Wackelkandidaten seien besonders für die kleineren Betriebe eine erhebliche Mehrbelastung. „Die Kosten und der Mehraufwand werden einfach unterschätzt. Teilweise brauchen die Lehrlinge eine Vollzeitbetreuung, das wirkt sich natürlich auf den Firmenalltag und die zu schaffenden Aufträge aus“, so Seeligmann. „Die Ausbildung kostet den Betrieb viel Geld und ohne finanzielle Unterstützung ist das für viele kleinere Unternehmen einfach nicht zu stemmen“, so Tischlermeister Dirk Neumann. Viele Tischlereien hätten aus diesem Grund ihr Ausbildungsangebot bereits eingestellt. „Im Havelland werden Sie keinen Tischlereibetrieb mehr finden, der in diesem Jahr noch einen freien Ausbildungsplatz hat. Aber nicht etwa, weil der Beruf stärker nachgefragt wird, sondern weil es kaum mehr Betriebe gibt, die ausbilden“, sagt auch Claudia Seeligmann.

Eine ähnliche Problematik sehen die Handwerksmeister im Bezug auf die Ausbildung von Flüchtlingen. „Erst einmal muss mit Sprachunterricht eine Grundvoraussetzung geschaffen werden. Wenn dann motivierte Leute dabei sind, steht einer Ausbildung nichts im Wege“, so Ziesecke.

Von Laura Sander

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