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Krempendorfer tischlern mit Leidenschaft

Dirk Richter schätzt die Vielseitigkeit an seinem Handwerksberuf Krempendorfer tischlern mit Leidenschaft

Die Krempendorfer Tischlerei Dirk Richter legt viel Wert auf die gute, alte Handarbeit: Die drei Kollegen reparieren Kirchen, verlegen Holzfußböden oder bauen auch mal Carports. Inhaber Dirk Richter liebt seinen Beruf – den Umgang mit Holz, die kniffligen Herausforderungen bei alten Einrichtungen oder den Bau von Möbeln.

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Tischler Marcus Kanies bohrt in einem Schritt ein Loch durch Nut und Feder, die später miteinander verbunden werden.

Quelle: Beate Vogel

Krempendorf. Millimetergenau trennt Marcus Kanies mit der Kreissäge eine dünne Scheibe von einem kleinen Holzblock ab. Das Ergebnis ist fast durchscheinend. Der Tischler misst nach. Ein Stück muss noch ab. Das geht ruckzuck. Kanies baut mit seinem Chef, dem Tischlermeister Dirk Richter aus Krempendorf, in einem alten Fachwerkhaus in Gnevsdorf (Mecklenburg) einen neuen Holzfußboden ein. Ihr Werkzeug haben sie auf einem Transporter mitgebracht – auch die kleine Tischkreissäge.

In dem um die 100 Jahre alten Haus geht nichts von der Stange: Jedes Stück ist eine Sonderanfertigung. Nachdem die beiden Handwerker den alten Fußboden herausgenommen hatten, muss nun ein tragender Balken ersetzt werden. Der liegt genau unter einem Trägerwerk, das vor einigen Jahren schon einmal erneuert wurde, auf alten Feldsteinen. „Der alte Balken hat ja lange gehalten, nun ist er verfault und vom Holzwurm zerfressen“, sagt Dirk Richter.

Dirk Richter stellt einen Holznagel her, der die Balken verbinden soll

Dirk Richter stellt einen Holznagel her, der die Balken verbinden soll.

Quelle: Beate Vogel

Der Krempendorfer ist von ganzem Herzen Tischler. „Ich habe 1983 gelernt – es war mein Wunschberuf“, erinnert sich der 48-Jährige. Es war richtig schwierig, eine solche Lehrstelle zu bekommen. „Man brauchte einen Notendurchschnitt von 2,0.“ Was ihm an der Arbeit so gefällt, ist die Vielseitigkeit und der Umgang mit dem Werkstoff Holz. Neben Standardtätigkeiten sind rund die Hälfte der Aufträge bei Richter Sonderanfertigungen. „Wir bauen neben Carports und Fußböden auch individuelle Möbel“, sagt der Meister. Den großen Rest machen Kirchensanierungen aus. Da müssen Emporen, Holztreppen, Türen oder das Gestühl repariert werden. Türen und Fenster bauen die Tischler der Firma nicht mehr so viele. „Das machen andere“, sagt Dirk Richter. Mit ihm und den zwei Mitarbeiten sei das kleine Unternehmen gut ausgelastet.

Gleich nach der Wende hat Richter seinen Meisterlehrgang gemacht, den er 1994 abschloss. Die Jahre danach hat er in der Ganzliner Bautischlerei hinter der Landesgrenze in Mecklenburg-Vorpommern gearbeitet. Nebenbei hat er seine Selbstständigkeit vorbereitet, auf einem alten Bauernhof in Krempendorf. Seit 2002 hat er dort seine Werkstatt.

Zeitweise war das Tischlerei-Team ganz viel unterwegs, erinnert sich Dirk Richter: „Von Sylt bis zum Schwarzwald.“ Damals hatten die Krempendorfer für eine Hotelkette gearbeitet, bauten in einem streng gesetzten Zeitrahmen Inneneinrichtungen. Irgendwann aber war das vorbei, Richter verkleinerte das Unternehmen. Die Aufträge führen die Tischler häufig noch immer bis zur Ostseeküste. Anschauen kann man ihre Arbeit zum Beispiel in der Strandbar in Warnemünde, deren Inneneinrichtung sie gebaut haben.

Millimeterdünn schneidet Marcus Kanies das Holz

Millimeterdünn schneidet Marcus Kanies das Holz.

Quelle: Beate Vogel

Viele der Aufträge stellen für den 48-Jährigen immer wieder eine neue Herausforderung dar, sind extrem knifflig: „Manchmal haben wir Arbeiten, wo man wenig nachdenken muss, aber meistens gibt es etwas Neues.“ Die Tischlerei Richter hat sich genau auf diese kniffligen Sachen spezialisiert. „Automatisieren geht gar nicht“, sagt der Handwerksmeister, dessen Werkstatt in Krempendorf auch sehr traditionell eingerichtet ist. Wenn es nötig ist, arbeiten die Kollegen aber auch mit Unternehmen zusammen, die über computergesteuerte Technik verfügen.

Verarbeitet werden Kiefer, für Innenarbeiten viel Esche, Eiche und Buche, aber auch Lärche – etwa für Carports. Im Möbelbau verbaut die Tischlerei vorrangig Buche, aber auch Plattenmaterial. „Man muss die richtige Holzart an der richtigen Stelle einsetzen.“

Möbel, Türen, Treppen

Der Fachverband Tischler Brandenburg ist Landesinnungsverband der Tischlerbetriebe im Land Brandenburg. Mehr als 240 Handwerksunternehmen in elf Innungen gehören ihm an.

Die Ausbildung zum Tischler dauert drei Jahre. Das Handwerk ist – so wie der Werkstoff Holz – äußerst vielseitig: So gibt es Betriebe, die sich auf den Bau von Möbeln und Inneneinrichtungen spezialisiert haben, andere stellen Treppen, Türen und Fensterrahmen her. Die einen legen Wert auf die gute, alte Handwerkstechnik, andere nutzen die computergesteuerte CNC-Technik. Infos gibt es zum Beispiel unter www. handwerk.de.

Wer den Tischlern bei der Arbeit zusieht, merkt, dass sie ihren Beruf beherrschen: Sie wissen genau, wie sie ein Stück Holz bearbeiten müssen, ohne dass es splittert oder reißt, fast liebevoll gehen sie mit dem Material um. Am Ende sitzt die Feder des alten passgenau in der Nut des neuen Teils, nachdem der Querbalken eingesetzt ist. Zum Verbinden schnitzt Dirk Richter einen 15 Zentimeter langen Holznagel zurecht, den die beiden Männer vorsichtig in die vorbereitete Bohrung treiben – wie vor 100 Jahren. Offene Bohrlöcher verschließt Kollege Marcus Kanies mit kleinen Holzplättchen, die später wie Astlöcher aussehen.

Splitter ziehen sich die beiden Tischler nur noch selten ein: „Wenn man sich irgendwann 20, 30 Splitter eingezogen hat, weiß man, wie man das Holz anfassen muss, ohne dass so etwas passiert“, sagt Dirk Richter.

Von Beate Vogel

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