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Mit der Krahner Kirchturmuhr fing alles an

Reparateur aus Leidenschaft Mit der Krahner Kirchturmuhr fing alles an

Für Wolfgang Fitza ist es Berufung und Leidenschaft zugleich: Der 64-Jährige repariert seit 1978 hobbymäßig Zeitmesser und hat sich auf mechanische Uhrwerke spezialisiert. „Mit der kaputten Krahner Kirchturmuhr fing damals alles an“, sagt der Neuschmerzker.

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Wolfgang Fitza in seiner kleinen Werkstatt im heimischen Arbeitszimmer.

Quelle: Claudia Nack

Neuschmerzke. „Ich brauche meine Werkstatt wie das tägliche Brot“, sagt Wolfgang Fitza. Meistens repariert er Pendeluhren, aber er setzt auch andere Sachen instand _ von der Wasserleitung bis zum Elektrogerät daheim. „Bevor etwas weggeschmissen wird, gucke ich erst, ob man es noch retten kann“, sagt der Rentner. „Und wenn ich nicht werkele, dann fahre ich Rad.“ Mehr als 3000 Kilometer im Jahr.

Jahrzehnte arbeitete er in Werkstätten. Erst beim VEB Kraftverkehr in Brandenburg, zuletzt im Elektrostahlwerk. Nach einem Herzinfarkt mit 50 bekam er Berufsunfähigkeitsrente. In Krahne wohnte Fitza 37 Jahre lang. Als sein Mietshaus den Besitzer wechselte, zog er mit Frau Edelgard nach Neuschmerzke zurück, wo er aufgewachsen ist. Im Krahner Kirchenförderverein und im Feuerwehrverein sind beide noch.

Der Pfarrer sprach ihn an

„Mit der kaputten Turmuhr in Krahne fing 1978 alles“, sagt er. Uhrwerk und Zeigergetriebe waren defekt. Der damalige Pfarrer Gerke Pachali habe ihn angesprochen, da er wusste, dass er handwerklich begabt sei. Nach einer Woche Arbeit lief sie wieder. „Ich dachte damals aber nicht, dass ich es schaffe, denn andere saßen schon dran“, gesteht Fitza. Die Uhr von 1864 stamme noch aus der abgebrannten Vorgängerkirche.

Vor vier Jahren hat er sie aus alter Verbundenheit zum Dorf vorbeugend noch einmal zerlegt, gereinigt und restauriert. Seine Gattin war Assistentin. Die Materialkosten bekam er erstattet. „Jede mechanische Stand- oder Wanduhr sollte nach zehn Jahren gesäubert werden, sonst ist der Materialverschleiß zu hoch“, erklärt er.

Im Laufe der Jahre kamen weitere Kirchturmuhren dazu: Noch zu DDR-Zeiten in Reckahn, Groß Briesen, Cammer, Kirchmöser West. Nach der Wende in Plaue, Woltersdorf und erst kürzlich in Glienecke.

Elektrisches Aufziehwerk entwickelt

Auch dass die Krahner Turmuhr seit 1980 nicht mehr mit der Hand aufgezogen werden muss, ist Fitza zu verdanken, der sich bis dahin mit Pachali abgewechselt hatte. Gemeinsam mit einem Elektriker vom Kraftverkehr und dem LPG-Schlosser Hartmut Schmidt entwickelte der findige Tüftler ein elektrisches Aufziehwerk, das bis heute funktioniert. „Verwendet wurden Fahrradkette, Getriebemotore, Eisenbahntrafos und Magnetkupplung vom Trecker“, erklärt er.

Wolfgang Fitza hat nie einem Uhrmacher über die Schulter geguckt, sondern ist Autodidakt. „Ich habe bei der Reparatur von Regulatoren dazugelernt und mir Fachlektüre gekauft“, erklärt er. „ Ich brache mir etwas nur anzugucken, dann weiß ich, was ich machen muss.“ Inzwischen reparierte er wohl tausende Uhren. Für Krahner, Freunde, Leute aus Nachbardörfern. Seine Leidenschaft hat sich über Mundpropaganda sogar bis zur Ostseeinsel Usedom und Schwangau im Allgäu herumgesprochen. Für dortige Privatleute setzte er eine Westminster-Standuhr und eine Kuckucksuhr wieder in Gang. Im Winter werkelt er im Schnitt etwa 30 Stunden in der Woche, im Sommer vielleicht die Hälfte.

Das Innenleben der Krahner Kirchturmuhr

Das Innenleben der Krahner Kirchturmuhr.

Quelle: C. Nack

„Mir macht es Spaß. Außerdem ist es ein Zeitvertreib, denn ich könnte nicht den ganzen Tag still sitzen“, sagt der Neuschmerzker. Eine ruhige Hand, gute Augen und logisches Denken sind Voraussetzung. Am kniffligsten sei es, wenn defekte Zahnräder zu ersetzen sind. Die älteste Standuhr, die er wieder herrichtete, ist von 1680 und gehört Familie Jans aus Grüneiche. Am kuriosesten war eine Bauernwanduhr, die bei einem Brandenburger Trödler hing und die Stundenzahl nicht nur zur vollen Stunde anschlug, sondern alle 15 Minuten. Familie Fitza hat zwei Regulatore.

Manchmal tüftelt er stundenlang

„Zeit ist relativ, aber sehr kostbar, denn die Lebensuhr tickt“, sagt der 64-Jährige. Beim Reparieren habe er gegenüber Gewerbetreibenden den Vorteil, dass er sich Zeit lassen kann. Manchmal tüftelt er stundenlang. „Wichtig ist, dass die Uhr wieder geht und der Auftraggeber zufrieden ist.“ Das schönste Kompliment erhielt er von einem in Vietnam geborenen Uhrensammler aus Berlin. „Er sagte, dass ich die gleichen Arbeitsgänge vollziehe wie renommierte Meister und konnte es nicht fassen, dass ich dieses Handwerk nie erlernt habe.“

Von Claudia Nack

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