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Müller gibt Handwerk in Cammer auf

Letztes Mehl aus dem Fläming Müller gibt Handwerk in Cammer auf

Mit dem letzten Mahlgang sind in der Mühle zu Cammer die vorerst letzten 25 Säcke Mehl aus dem Fläming gemahlen worden. Nach 182 Jahren Tradition am Ort gibt Müllermeister Eberhard Rosenmüller (64) aus Gesundheitsgründen das Mahlen auf. Der Betrieb läuft aber weiter. Dort wird jedoch nur noch geschrotet und gequetscht sowie Tierfutter verkauft.

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Eberhard Rosenmüller startet den letzten Mahlgang in der Mühle zu Cammer.

Quelle: Andreas Koska

Cammer. Bei den Bäckern Albe in Lütte, Heuer in Golzow sowie Körner in Brück wird in dieser Woche das letzte im Fläming hergestellte Mehl verbacken. Nach 182 Jahren hat Eberhard Rosenmüller am Sonntag zum letzten Mal den Mahlgang seiner Mühle in Cammer eingeschaltet. Damit geht in dem Zweimühlendorf eine Jahrhunderte alte Tradition zu Ende. Dem Müllermeister fiel der Schritt schwer. Als er sich bei seinen Kunden und Freunden für die Treue bedankte, brach kurz seine Stimme. „Es ist eine schwere Arbeit, meine Gesundheit lässt das Mahlen nicht mehr zu“, begründete der 64-jährige. Allerdings wird der Betrieb nicht geschlossen. „Wir schroten und quetschen weiter, auch der Tierfutterverkauf wird aufrechterhalten“, betont Eberhard Rosenmüller. Die Rosenmühle war der letzte gewerbliche Mühlenbetrieb im Fläming. Ab sofort wird Mehl nur noch zu Schauzwecken an den historischen Standorten gemahlen.

Die Müllerstochter geheiratet

Seit 1833 arbeitet am Ortsrand von Cammer eine Mühle. Eberhard Rosenmüller, der die Müllerstochter geheiratet hatte, ist nun womöglich der letzte Müller am Ort. „Ich wurde durch die Liebe zum Müller in sechster Generation“, erzählt Eberhard Rosenmüller. Er war zuvor im Metallhandwerk tätig. „Ich habe ihn nur wegen des schönen Namens genommen“, scherzt Margitta Rosenmüller.

Müllerhandwerk seit Generationen

Seit mehr als 300 Jahren mahlen in Cammer die Nachkommen des seit 1545 ansässigen Geschlechts der Wernitz’ das Korn der umliegenden Felder.

Im Jahr 1833 war am Ortsrand von Cammer durch Müller Wernitz eine Bockwindmühle errichtet worden. Nach einem Sturmschaden entstand daraus ein Erdholländer. Heinz Kelch übernahm den Betrieb 1967 von seinem Schwiegervater.

24 Jahre später folgte Eberhard Rosenmüller, der die Müllerstochter geheiratet hatte. 1981 erwarb der gelernte Schlosser aus Golzow nach Umschulung und Facharbeiterausbildung den Meistertitel und übernahm 1991 die Mühle von Schwiegervater Heinz Kelch. Der hatte 1965 extra an Walter Ulbricht, den Staatsratsvorsitzenden der DDR, geschrieben, um den Betrieb in Privatregie von seinem Schwiegervater übernehmen zu dürfen.

Bis zu 700 Tonnen Getreide vermahlte die damalige Lohnmühle jährlich zu DDR-Zeiten. Nach der Wende waren es noch um die 250 Tonnen.

Die Rosenmühle belieferte in den vergangenen 25 Jahren viele Bäcker im Umkreis von 50 Kilometern rund um Cammer. Viele von ihnen waren am Sonntag zum Abschied gekommen. „Schon mein Vater wurde von hier beliefert“, erinnert sich Doreen Heuer aus Golzow. Die Bäckermeisterin bedauert das Ende der Tradition. „Aber ich habe Verständnis für die Entscheidung, das Mahlen aufzugeben“, so die Bäckerin. Sie sucht nun nach einem kleinen Betrieb, der sie weiter mit Mehl beliefern kann. Auch Toralf Wernitz muss nach einem neuen Lieferanten suchen. „Unsere Urgroßväter waren Brüder, meiner Linie hatte die Bäckerei, die andere die Mühle“, erzählt der Bäckermeister aus Cammer.

Margitta und Eberhard Rosenmüller sind wohl die letzten Betreiber der Mühle zu Cammer

Margitta und Eberhard Rosenmüller sind wohl die letzten Betreiber der Mühle zu Cammer.

Quelle: Andreas Koska

Um 10.45 Uhr startete am Sonntag der letzte Mahlgang im Fläming. Um 15 Uhr wurden sodann die letzten 25 Säcke mit insgesamt 750 Kilogramm Mehl befüllt. Neben Meister Rosenmüller überwachte auch Kurt Jährling den vorerst letzten Mahlgang. Der 75-Jährige war eineinhalb Jahrzehnte als Müllergeselle tätig und stand bis zum Schluss bei Problemen immer zur Verfügung. „Ich darf nicht darüber nachdenken, dass hier nicht mehr gemahlen wird, mein Schwiegersohn hat immer alles gut in Schuss gehalten“, sagt Waltraud Kelch und verdrückt eine kleine Träne. Immerhin ist sie seit 85 Jahren mit dem Haus verwachsen. Ihre Tochter, Margitta Rosenmüller, nahm den letzten Mahlgang auf Video auf. „Ich will vor allem das Geräusch festhalten, denn dieses wird nun nicht mehr zu hören sein“, sagt die Müllersfrau und Tochter eines Müllers.

Von Andreas Koska

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