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Nachwuchssorgen in Neustadt

Hüffermann beklagt Fachkräftemangel Nachwuchssorgen in Neustadt

Den Geschäftsführer des Neustädter Nutzfahrzeugbauers Hüffermann Transportsysteme plagen Zukunftssorgen – Personalsorgen. Immer mehr der 1991 mit dem damaligen Kreisbetrieb für Landtechnik übernommenen Mitarbeiter wechseln in den Ruhestand, doch Nachwuchs ist schwer zu finden.

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Die Arbeit läuft auf Hochtouren, doch es gibt immer weniger junge Leute, die sie tun wollen.

Quelle: Alexander Beckmann

Neustadt. Die Zahl der Mitarbeiter des Neustädter Nutzfahrzeugbauers Hüffermann Transportsysteme hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Der Umsatz ist ähnlich stark auf aktuell fast 30 Millionen Euro im Jahr gestiegen. Hüffermann exportiert in diverse europäische Länder und bis in den Nahen Osten und sogar nach Japan. Vier Millionen Euro habe man in den vergangenen Jahren allein in die Fertigungstechnik investiert. 20 Arbeitsplätze für hoch qualifizierte Fachleute seien entstanden, berichtet Hüffermann-Geschäftsführer Stephan von Schwander. Das Unternehmen, das vor allem Anhänger für Absatzcontainer und auch Lkw-Spezialaufbauten produziert, hat in der Branche einen Namen und zählt zu den größten Arbeitgebern der Region. Die Marktaussichten sind gut.

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Trotzdem plagen Stephan von Schwander Zukunftssorgen – Personalsorgen. Immer mehr der 1991 mit dem damaligen Kreisbetrieb für Landtechnik übernommenen Mitarbeiter wechseln inzwischen in den Ruhestand. „Im Moment ist die Altersstruktur noch recht gut“, schätzt der Geschäftsführer ein. Aber seit langem weiß er auch, dass Handlungsbedarf besteht. Nicht umsonst sind 35 der 200 Mitarbeiter Lehrlinge.

Damit ist das Problem jedoch nicht aus der Welt geschafft. „Es wird immer schwieriger, die Ausbildungsplätze zu besetzen“, berichtet Stephan von Schwander. Das betreffe nicht nur die klassischen Produktionsberufe wie Schweißer oder Lackierer, sondern zunehmend auch anspruchsvolle Ausbildungen wie die für Industriekaufleute.

14 Prozent der Lehrstellen unbesetzt

Die jüngsten Zahlen der Agentur für Arbeit in Neuruppin bestätigen diese Einschätzung. Demnach blieben im Ausbildungsjahr 2014/2015 im nordwestlichen Brandenburg rund 14 Prozent aller Lehrstellen unbesetzt. Trotz der leicht gestiegenen Zahl an Schulabgängern gab es speziell in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Prignitz erneut weniger Bewerber als im Jahr zuvor.

Stephan von Schwander meint zudem: „Es zählt ja nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität.“ Doch das eine zieht eben das andere nach sich: Die Auswahl ist nicht mehr so groß wie noch vor Jahren. Das Neustädter Unternehmen ist mitunter froh, wenn sich überhaupt noch jemand für ein bestimmtes Ausbildungsangebot interessiert.

Wenn es den Bewerben an fachlichen Grundlagen fehlt, die sie eigentlich von der Schule her hätten mitbringen müssen, dann sieht man in Neustadt inzwischen oft darüber hinweg. „Wir haben in eine Lehrwerkstatt investiert und extra zwei Rentner angestellt – einfach, damit die solche Grundlagen vermitteln“, erklärt der Hüffermann-Geschäftsführer. Viel schlimmer sei es, dass manche Berufsanfänger kaum Motivation und Disziplin mitbringen. „Wir mussten zwei Auszubildenden fristlos kündigen.“

Stephan von Schwander konstatiert einen gesellschaftlichen Wandel hin zum Schlechteren. „Wir haben noch Glück, dass 33 unserer 35 Ausbildungsplätze besetzt sind.“ Doch der Aufwand, dieses Niveau zu halten, steige ständig. „Wir haben drei Leute eingestellt, die sich nur um das Wohl von Praktikanten, Schülern und Auszubildenden kümmern“, sagt der Hüffermann-Chef. „Da verdienen wir erstmal gar nichts dran.“

Hüffermann kooperiert mit Schule

Seit Jahren bemühe sich das Unternehmen gemeinsam mit der örtlichen Schule um die Etablierung eines Fachabiturs: Lehrausbildung und Erwerb der Hochschulreife in einem Zug. „Alle sagen: Ja, das wollen wir. Aber es dauert“, schätzt Stephan von Schwander inzwischen ein. Er hatte auf eine schnellere Reaktion der Landespolitik gehofft. „Wir fangen die Kooperation mit der Schule einfach an.“ Dazu gehöre es beispielsweise, dass das Unternehmen seine Lehrwerkstatt für den Werkunterricht zur Verfügung stellt. Seit einer Woche gibt es zudem eine Arbeitsgemeinschaft „Kreative Metallgestaltung“ für Acht- bis Zehntklässler. Angebote für Schülerpraktika und Ferienjobs gehören sowieso längst zum Programm. Dieser Tage fährt die Firma mit allen Lehrlingen zum Basketballspiel von Alba Berlin. Es gibt Motorradtouren, Volleyballturniere, Kartenabende und Drachenbootrennen.

„Natürlich wollen wir damit junge Leute ansprechen, dass sie vielleicht eine Lehre bei uns antreten“, sagt Stephan von Schwander. Das reiche bis zum Hochschulstudium für Ingenieure und Kaufleute, dessen Finanzierung das Unternehmen übernimmt. Die „Lange Nacht der Wirtschaft“ in der Kleeblatt-Region um Kyritz, Neustadt und Wusterhausen, die im September veranstaltet wurde, sei ein ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung, betont der Geschäftsführer. Er plädiert dafür, jedes Jahr so etwas zu veranstalten, konnte sich mit diesem Vorschlag aber bisher nicht durchsetzen.

So oder so wird ihn die Nachwuchsgewinnung noch über Jahre als Herausforderung begleiten, sagt der Geschäftsführer. „Wir kämpfen jetzt für die nächsten fünf Jahre. Und dann wieder für fünf Jahre. Aber wir geben nicht auf.“

Von Alexander Beckmann

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