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Neuruppin: Bildung als Schülerprojekt

Ausstellung im Museum Neuruppin: Bildung als Schülerprojekt

Anderthalb Jahre haben sich Alina Volkmar und Philipp Weiland mit der Geschichte der Schule in der sowjetischen Garnison und mit der Reformschule in der einstigen Freilandsiedlung Gildenhall beschäftigt. Was die beiden Zwölftklässler der Evangelischen Schule herausgefunden haben, ist bis Mitte April im Neuruppiner Museum zu sehen.

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Alina Volkmar und Philipp Weiland präsentierten ihre Ausstellung am Freitag zuerst ihren Mitschülern.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Eine Ausstellung fürs Museum zu konzipieren ist nicht einfach. Fast zwei Jahre haben Alina Volkmar und Philipp Weiland recherchiert, bis sie genügend Material und Ausstellungsobjekte zusammen getragen hatten, um diese öffentlich im Neuruppiner Museum präsentieren zu können: Bücher, Fotos, historische Ansichten von Gebäuden. Philipp Weiland hat sogar ein Interview mit einer früheren Lehrerin der sowjetischen Schule geführt, die einst an der heutigen Junckerstraße stand. Doch der Teufel steckt im Detail: Die Hörstation, die das Museum den jungen Ausstellungsmachern zur Verfügung stellt, versteht das Dateiformat nicht, in dem die Zwölftklässler das Gespräch mit der Lehrerin aufgezeichnet haben. Bei der Eröffnung am Freitag mussten sie improvisieren.

In der Ausstellung sind unter anderem sowjetische Schulbücher aus den 80er und 90er Jahren zu sehen

In der Ausstellung sind unter anderem sowjetische Schulbücher aus den 80er und 90er Jahren zu sehen. Einige Exponate stammen au dem Bestand des Museums.

Quelle: Peter Geisler

Lange haben die Abiturienten der Evangelischen Schule zur Bildungslandschaft in Neuruppin geforscht. Beide haben sich ein Detail, herausgepickt, von dem sie selbst vorher nichts wussten. Philipp Weiland ist zu jung, um die Schule der sowjetischen Garnison noch zu kennen, die es bis 1993 in Neuruppin gab. Ausschließlich Kinder von Offizieren der Sowjetarmee und von zivilen Angestellten wurden in dem grauen Gebäude an der Junckerstraße unterrichtet. Die einfachen Sowjetsoldaten, die in der DDR ihren Dienst tun mussten, durften ihre Familien nicht mit hierher bringen.

Der Alltag war streng geregelt. Kontakte der Lehrer zu Deutschen waren nicht immer gern gesehen. In der Zeit von 1989 bis 1991 waren sie sogar streng untersagt. Wer trotzdem welche hatte und erwischt wurde, musste mit der sofortigen Entlassung rechnen und damit, dass er unmittelbar in die Sowjetunion zurückgeschickt wurde. Daran erinnert sich Angela Lukjatschenko im Gespräch mit Philipp Weiland. Sie war im Sommer 1989 nach Neuruppin gekommen, um an der sowjetischen Schule zu unterrichten.

Zuletzt zog die sowjetische Schule nach Gentzrode

Sie hat die letzten Jahre der Schule in Neuruppin mitgemacht: die Zeit, in denen die Klassen immer kleiner wurden, weil viele Offiziersfamilien zurück in die Heimat gezogen sind. 1991 wurde die Schule in Neuruppin schließlich geschlossen und nach Gentzrode verlegt. Zwei Jahre später war auch dort Schluss. Mit dem Abzug der sowjetischen Armee aus Neuruppin gab es keine Kinder mehr, die unterrichtet werden mussten.

Angela Lukjatschenko ist geblieben. Sie unterrichtet heute an der Evangelischen Schule. Für Philipp Weiland ein absoluter Glücksfall. „Zu unserem Thema gab es einfach ganz wenig Material“, sagt er. Das Interview mit einer Zeitzeugin war auch für ihn spannend: „Ich wusste vorher nichts.“ Bevor sich die Schüler mit ihrer Lehrerin Annett Vogel im Seminarkurs Geschichte damit beschäftigt hatten, wussten sie nicht mal, dass es so etwas wie die sowjetische Schule überhaupt gab.

Auch Alina Volkmar ging es mit ihrer Forschung über die einstige Reformschule in Gildenhall genauso. „Es gibt eigentlich nur eine Quelle“, sagt sie. „Aber immerhin eine sehr gute“, findet die Museumsmitarbeiterin Dorothea Leicht. Sie hat die Schüler bei der Ausarbeitung der Ausstellung begleitet.

Lernen durch Spielen war Walter Eggestein wichtig

Lernen durch Spielen war Walter Eggestein wichtig. Er hat für die Kinder seiner Reformschule in Gildenhall viele Spiele entwickelt. Alina Volkmar hat für die Ausstellung zwei nachgebaut.

Quelle: Peter Geisler

Alina Volkmar konnte sich auf die Aufzeichnungen von Walter Eggestein berufen. Er hat 1928 seine Reformschule in der damaligen Freilandsiedlung Gildenhall gegründet. „Lernen durch Spielen war sein Ansatz“, sagt Alina Volkmar. Die Schüler waren weitgehend frei in dem, was sie tun wollten. Sie durften im Unterricht baden gehen oder schnell nach Hause laufen, wenn sie eine Aufgabe richtig gelöst hatten, um das Ergebnis den Eltern zu präsentieren.

Die „Zaubertafel“ als Silbenpuzzle für Kinder

Walter Eggestein hat vieles hinterlassen, allerdings vor allem in Papierform. Anschauungsobjekte wie die sowjetischen Schuluniformen, die Philipp Weiland als Leihgabe von der Rosa-Luxemburg-Schule bekommen hat, gibt es aus Gildenhall nicht. Also hat Alina Volkmar zwei der vielen Spiele nachgebaut, die Walter Eggestein damals für seine Schüler entworfen hat. Das Dingwort-Spiel zum Beispiel: eine Schachtel mit Buchstaben, die die Kinder zusammensetze konnten, um so herauszufinden, welches Substantiv das Puzzle ergibt. Oder die „Zaubertafel“ mit einem Mix aus verschiedenen Silben. Die Kinder sollten erkennen, wie viele und welche Wörter sich aus diesen Silben zusammenstellen lassen. Die Schüler des Evi haben den Test bei der Eröffnung spontan bestanden.

Öffnungszeiten:

Von Reyk Grunow

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