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Neuruppiner Kinder lernen Löcherbohren

Neues Projekt: „Mobiler Werkzeugkoffer“ Neuruppiner Kinder lernen Löcherbohren

Immer mehr Kinder und Jugendliche wissen nicht, wie man Werkzeug benutzt. Das hat deutliche Folgen: Firmen fällt es zunehmens schwer, Lehrlinge für technische und handwerkliche Berufe zu finden. Ein neues Projekt an der Grundschule in Gildenhall bei Neuruppin will das ändern.

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14 Mädchen und Jungen machen in dem Projekt mit. Wenn sie Fragen haben, gibt es Tipps.

Quelle: Reyk Grunow

Gildenhall. Konzentriert legt Leo die Leiste an und nimmt den Bleistift zur Hand, um den Umriss abzuzeichnen. Zur Sicherheit wirft er noch einen Blick auf die Anleitung, die auf dem Tisch liegt: alles richtig. Der Zehnjährige ist fast schon Profi. Mit Zollstock, Hammer und Säge kennt er sich aus. „Mit meinem Opa mache ich viel“, sagt er. Hier im ehemaligen Werkraum der Grundschule Gildenhall ganz allein zu bauen, ist trotzdem eine Herausforderung. Viel Zeit zum Unterhalten hat der Zehnjährige nicht, die Arbeit ist zu spannend.

Wie Leo geht es auch den anderen 13 Mädchen und Jungen aus der fünften Klasse der Gildenhaller Schule. Seit Anfang November treffen sie sich einmal in der Woche nach dem Unterricht zum Basteln und Bauen. „Mobiler Werkzeugkoffer“ nennt sich das Projekt, das Peter Wagner von der Neuruppiner Inkom gemeinsam mit dem Verein Esta Ruppin ins Leben gerufen hat. Die Kinder sollen lernen, mit Werkzeugen umzugehen. Wie benutzt man einen Hammer, wie funktioniert eine Bohrmaschine?

Heutzutage dreht sich alles um Computer und Spielekonsolen

„Viele Kinder und Jugendliche können das heute gar nicht mehr“, sagt Peter Wagner. Früher war es eigentlich selbstverständlich, dass jeder zu Hause gelernt hat, wie man einen Nagel in die Wand schlägt, eine kaputte Fahrradkette repariert oder einen Schraubenschlüssel ansetzt. Heute dreht sich alles um Computer und Spielekonsolen. „Bei vielen Kindern gibt es überhaupt kein handwerkliches Geschick mehr“, sagt Wagner und Schulleiter Manfred Engel stimmt ihm zu: „Bei handwerklichen Dingen sind die Kinder heute alleingelassen.“ Zu Hause kommen Kinder kaum noch mit Werkzeug in Berührung und den Werkunterricht in der Schule gibt es schon seit der Wende nicht mehr.

Die Kinder in Gildenhall sind begeistert

Die Kinder in Gildenhall sind begeistert: Beim Werkzeugkoffer-Projekt werden sie professionell angeleitet.

Quelle: Reyk Grunow

Die Folgen sind klar zu spüren. Vor allem Betriebe, die Lehrlinge in handwerklichen und technischen Berufen suchen, haben massive Probleme, geeignete Bewerber zu finden, sagt Peter Wagner, der sich bei der Inkom seit Jahren um das Problem des Fachkräftemangels kümmert: „Im Handwerk sind die Sorgen besonders groß.“ Ein naheliegender Verdacht: Kinder und Jugendliche entscheiden sich nicht für solche Berufe, weil sie dazu gar keine Beziehung haben. Genau da will der „Mobile Werkzeugkoffer“ ansetzen. In der Prignitz gibt es ein ähnliches Vorhaben schon länger: die „Mobile Fabrik“. Die Inkom hat das Konzept abgewandelt und in Gildenhall ein Modellprojekt gestartet.

Christiane Schulz vom Verein Esta Ruppin war begeistert, als sie davon hörte. Der Verein betreibt seit zehn Jahren den Bauspielplatz in Neuruppin mit gleichem Ansatz. Auch dort lernen Kinder, handwerklich zu arbeiten. „Ich kenne Sechstklässler, die dürfen zu Hause nicht einmal eine Kerze anzünden“, sagt Christiane Schulz. Kinder lernen elementare Dinge nicht, die sie für das Leben brauchen.

Für den „Mobilen Werkzeugkoffer“ werden noch weitere Firmen der Region als Sponsoren gesucht

Für den „Mobilen Werkzeugkoffer“ werden noch weitere Firmen der Region als Sponsoren gesucht.

Quelle: Reyk Grunow

Die Idee des „Mobilen Werkzeugkoffers“ hat auch Firmen überzeugt, das Kunststoffunternehmen PAS aus Neuruppin zum Beispiel. „Wir bilden in neun Berufen aus“, sagt Elena Haas von PAS. Geeignete Bewerber für die Lehrstellen zu finden, „war in diesem Jahr schon sehr schwierig“. PAS hilft deshalb mit, den „Mobilen Werkzeugkoffer“ zu finanzieren, ebenso wie die Firma Kuba Kunststofftechnik aus Rheinsberg und die Berliner Volksbank. Inkom und Esta Ruppin hoffen, dass sich noch deutlich mehr Firmen anschließen. „Wir brauchen etwa 1000 bis 2000 Euro pro Schule“, sagt Wagner. Mit dem Geld können Werkzeuge und Maschine angeschafft werden, Bausätze, mit denen die Kinder arbeiten können, und Material, das sie mit nach Hause nehmen, wenn die Werke fertig sind.

In Gildenhall läuft das Projekt hervorragend. Es wollen fast mehr Kinder mitmachen, als Katharina Herold und Brigitte Kleinschmidt vom Bauspielplatz betreuen können. Peter Wagner hofft, dass das Projekt schon im nächsten Jahr auch an anderen Schulen starten kann – vorausgesetzt, Inkom und Esta finden weitere Sponsoren.

Von Reyk Grunow

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