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Schüler forschen am Museum in Wustrau

Bismarcks unbekannte Seiten Schüler forschen am Museum in Wustrau

Er soff und er war ein Feuerkopf: Drei Schüler des Neuruppiner Schinkel-Gymnasium entdeckten ihnen unbekannte Seiten Otto von Bismarcks. Im Rahmen ihres Seminarkurses Geschichte forschen und arbeiten sie seit einem Jahr am Brandenburg-Preußen-Museum in Wustrau.

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Entdeckten Bismarck-typischen Humor: Erik Prast, Philipp Erlecke und Thomas Eschner (v. l.).

Quelle: Frauke Herweg

Wustrau. Am Ende seines Lebens hat Otto von Bismarck nur noch einen Wunsch: „Gib, dass ich meine Johanna wiedersehe.“ Der einst mächtige Kanzler des Deutschen Kaiserreiches vermisst seine vier Jahre zuvor verstorbene Ehefrau Johanna von Puttkammer. Für Erik Prast eine der beeindruckendsten Erkenntnisse während seiner Beschäftigung mit Otto von Bismarck. „Ich habe mir Bismarck als kalten Staatsmann vorgestellt“, sagt er. „Doch es gab auch diese ganz persönlichen Seiten.“

Seit einem Jahr forscht und arbeitet der Schüler des Neuruppiner Schinkelgymnasium im Rahmen seines „Seminarkurses Geschichte“ am Wustrauer Brandenburg-Preußen Museum. Gemeinsam mit seinen Mitschülern Thomas Eschner und Philipp Erlecke hilft er im Museumsbetrieb aus und bereitet Ausstellungen mit vor. Ihr bisher größtes Projekt können Museumsbesucher seit Ende April in der aktuellen Sonderausstellung zu Otto von Bismarck sehen: eine Zitatenwand mit staatsmännischen und nicht ganz so staatsmännischen Aussprüchen des Eisernen Kanzlers.

Brandenburgische Gymnasien können so genannte Seminarkurse seit zwei Jahren in der Oberstufe anbieten. Dabei geht es in den Seminarkursen Geschichte weniger um die bloßen Inhalte. Die Schüler sollen Methoden erproben, wissenschaftliches Handwerk einüben. Als Ort des Ausprobierens sei das Museum ideal, findet Geschichtslehrer Ronald Roggelin: „Hier sind die Schüler dichter in die wissenschaftliche Arbeit eingebunden als ich das je vermitteln könnte“, so der Pädagoge der Elftklässler.

Roggelin selbst hatte den drei Schülern vorgeschlagen, für ihren Seminarkurs ans Brandenburg-Museum zu gehen. Eben dort, so dachte sich der Wustrauer, könnten die Schüler erfahren, dass Geschichte nicht bloß eine Abfolge von Daten ist, sondern ein komplexes Nebeneinander von Interpretationsansätzen. „Multiperspektivische Herangehensweise“, nennt er das.

Für ihre Arbeit an der Zitatenwand mussten sich die drei Elftklässler aus Rheinsberg, Dierberg und Zechlinerhütte durch eine Vielzahl von Buchtiteln kämpfen. In Bismarcks politischen Reden, im Tagebuch seines Arztes und in dem Briefwechseln mit seiner Frau wurden sie schließlich fündig. Nach vielen Stunden im Museumsarchiv hatten sich die drei jungen Männer ein Bismarck-Bild mit verblüffenden Einsichten erarbeitet: Bismarck trank ungeheure Mengen Alkohol, war krank, war ein Feuerkopf.

Auch das Museum profitierte von dem Engagement der drei. „Ein Museum sollte nicht nur ein Ort des Sammelns, Bewahrens und Ausstellungsmachens sein“, sagt der wissenschaftliche Leiter Stephan Theilig. „Ein Museum lebt auch davon, dass junge Generationen in ihm arbeiten.“ Kaum ein anderer Politiker provoziere so viele vorgefertigte Meinungen wie Bismarck – umso spannender sei eine unvoreingenommene Sicht von Jugendlichen.

Im neuen Schuljahr setzen die drei Gymnasiasten den auf zwei Jahre angelegten Seminarkurs fort. Das nächste Projekt steht schon fest. Im Rahmen einer Ausstellungsvorbereitung werden sich die drei mit der „Preußischen Huldigung“ beschäftigen, einem patriotischen Historienbild Jan Matejkos, das den Kniefall Albrechts von Preußens in Krakau zeigt. Eine großartige Gelegenheit, sagt Theilig, sich mit einem Bild und seinen vielschichtigen Rezeptionsgeschichte zu beschäftigen.

Von Frauke Herweg

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