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Tag und Nacht im Dienst, aber kaum Fehltage

Rettungsdienst Tag und Nacht im Dienst, aber kaum Fehltage

Wenn das Betriebsklima stimmt, geht der Krankenstand zurück. Diese Erfahrung hat man bei der Werderaner Rettungswache gemacht. Ein Beispiel mit Vorbildfunktion, findet Brandenburgs Sozialministerin Diana Golze (Linke). Sie appelliert an die Arbeitgeber, mehr wert auf die Gesundheit der Beschäftigten zu legen.

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Quelle: dpa

Potsdam. Was ein neuer Dienstplan und ein besseres Betriebsklima nicht alles bewirken können. Als die ostfriesische Promedica 2009 die Rettungswache in Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark) übernahm, betrug der Krankenstand 27 Prozent. Inzwischen ist die Quote auf überschaubare 5 Prozent zusammengeschrumpft. Betriebsrat Holger Burkhardt lobt den neuen Chef aus dem hohen Norden. „Der Dienstplan ist jetzt flexibler“, sagt der Vertreter der 25 Mitarbeiter der Rettungswache.

Holger Burkhardt, Betriebsrat der Rettungswache Werder

Holger Burkhardt, Betriebsrat der Rettungswache Werder

Quelle: Bastian Pauly

Schoben die Ärzte, Sanitäter und Assistenten früher viermal pro Woche Zwölf-Stunden-Schichten, sind sie heute nur noch zweimal pro Woche im Einsatz – allerdings 24 Stunden am Stück. Was nach einer enormen Arbeitsbelastung anmutet, findet ausnahmslos den Zuspruch der Kollegen. Denn bei etwa fünf bis sieben Einsätzen pro Tag, verteilt auf zwei Fahrzeuge, bleibt genügend Zeit für Ruhepausen auf der Werderaner Rettungswache. Und auch im Wochenschnitt stimmt mit durchschnittlich zwei Arbeits- und fünf freien Tagen die Work-Life-Balance.

Brandenburgs Arbeitsministerien Diana Golze (Linke) muss sich über dieses Beispiel freuen. Am Donnerstag stattete sie der Wache einen Ortsbesuch ab – um den aktuellen Arbeitsschutzbericht des Landes vorzustellen. Das passte gleich doppelt, schließlich sind die Rettungskräfte nicht nur in besonderem Maße Stress und hoher körperlicher Belastung ausgesetzt, sondern bei Arbeitsunfällen als professionelle Helfer vor Ort.

Bei den Arbeitsunfällen musste das Land in den Jahren seit 2010 einen kontinuierlichen Anstieg verzeichnen – weil die Arbeitslosenquote sinkt und der Anteil älterer Beschäftigter steigt. Mit 25,2 Arbeitsunfällen je 1000 Erwerbstätige liegt Brandenburg deutlich oberhalb des Bundesschnitts (22,4). Auch bei den krankheitsbedingten Fehltagen belegen die Brandenburger einen unrühmlichen Spitzenplatz. So sind in Brandenburg überdurchschnittlich viele Frauen von der Volkskrankheit Rückenleiden betroffen. Besonders gefährdet seien etwa Erzieherinnen, sagt Golze.

Um dem in vielen Berufen wachsenden Stress entgegenzuwirken, setzt sich Brandenburg beim Bund für eine Anpassung der Arbeitsschutzbestimmungen an die digitalisierte Arbeitswelt ein. Doch Schwarz-Rot in Berlin ist sich uneins – zum Bedauern Golzes. Brandenburgs Arbeitsministerin verlangt auch von der Wirtschaft mehr Einsatz für das gesundheitliche Wohl der Mitarbeiter. „Ein betriebliches Gesundheitsmanagement wird immer mehr zum Faktor für den Wettbewerb um junge und motivierte Leute.“

Promedica-Chef Ingo Lender hat in der Rettungswache Werder schon einmal vorgelegt. Ihm sei es mit dem neuen Dienstplansystem darum gegangen, „Betriebsfrieden“ herzustellen. „Dass Verkehrsunfälle passieren, daran können wir nichts ändern.“ Aber zumindest das Arbeitsumfeld können Chefs auch im eigenen Interesse im Sinne der Mitarbeiter gestalten.

Mehr Krankheitstage wegen psychischer Leiden

14,6 Prozent aller Fehltage im Beruf gingen im Jahr 2014 in Brandenburg auf das Konto psychischer Erkrankungen. Damit sind seelische Leiden die zweithäufigste Gruppe nach Erkrankungen des Muskel-Skelett-System (26,8 Prozent). Insgesamt haben sich die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt.

27.500 meldepflichtige Arbeitsunfälle gab es im vergangenen Jahr im Land Brandenburg. Das sind 1650 mehr als im Vorjahr. Es gab acht tödliche Arbeitsunfälle.

Den Anstieg erklärt das Sozialministerium mit der gestiegenen Zahl an Erwerbstätigen. 2003 gab es noch 37.000 Arbeitsunfälle.

Von Bastian Pauly

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