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Über Umwege ins Berufsleben

Zweite Chance Über Umwege ins Berufsleben

Das Projekt Jobstarter vermittelt in der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin Azubis an Betriebe. Einstiegsqualifizierung, Praktika, Kontakte knüpfen - Jobstarter

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Zufrieden mit dem Projekt Jobstarter: Koordinator Lothar Nagel, Azubi Norman Metzner und Partner Frank Schröder (v.l.).

Quelle: Beate Vogel

Pritzwalk. Der 18-jährige Norman Metzner arbeitet am liebsten im Freien. Deshalb macht ihm seine Ausbildung Spaß – auch wenn es anstrengend ist: „Ich bin nur draußen und es sind die richtigen Leute in der Firma.“ Der junge Mann aus dem Pritzwalker Ortsteil Alt Krüssow lernt bei der IBW Baugesellschaft Pritzwalk den Beruf des Tiefbaufacharbeiters mit Fachrichtung Kanalbau. In der Praxis zum Beispiel baut er Schächte, verlegt Rohrleitungen, verdichtet Untergründe. „Theorieunterricht habe ich in der Berufsschule in Friesack“, erzählt Norman Metzner. 

Bis Norman Metzner im September vergangenen Jahres seinen Ausbildungsplatz bekam, musste er ein paar Umwege nehmen. Der jetzt 18-Jährige ist der erste Teilnehmer des Jobstarter-Projektes „Strategisches Aktionsbündnis – STAB – für die Prignitz“, der das komplette Programm der betrieblichen Berufsausbildungsvorbereitung durchlaufen hat. 

Das klingt kompliziert. Ist es aber nicht. Seit Herbst 2013 bilden Jobscout Lothar Nagel und seine Kollegen über das Projekt sozusagen die Schnittstelle zwischen Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz haben, und Betrieben, die passende Azubis suchen. Dabei betreut Nagel Betriebe in den Kreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Für Schulabgänger, die die nötigen Abschlüsse nicht gleich mitbringen, bietet die Einstiegsqualifizierung eine Chance, danach eine Lehre zu beginnen. 

Für Norman Metzner fand Lothar Nagel zunächst beim Wasser- und Bodenverband Prignitz einen Platz für die einjährige Einstiegsqualifizierung, nachdem dieser mit dem Abschluss der 9. Klasse die Schule verlassen hatte. „Norman ist ja nicht auf den Kopf gefallen“, sagt Frank Schröder, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes. „Die Strukturen in der Schule passten einfach nicht auf ihn – zu große Klassen, zu wenig Förderung.“ 

Beim Wasser- und Bodenverband machte der 18-Jährige dann die Einstiegsqualifizierung. Dazu organisierten die Mitarbeiter des Projektes STAB, dass praktische Ausbildungsbausteine im Rahmen der Verbundausbildung – untersetzt mit schulischem Nachhilfeunterricht – in der Bildungsgesellschaft Pritzwalk umgesetzt wurden. „Das Jobstarter-Projekt hat mir intensiv gezeigt, wie ich was arbeiten kann. Der Unterricht ist ganz anders als in der Schule, nämlich Einzelunterricht“, erzählt Norman Metzner. Am Ende habe der Wasser- und Bodenverband für ein Jahr einen „vernünftigen Mitarbeiter“ gehabt, wie Frank Schröder berichtet. Norman Metzner baute in dieser Zeit vor allem Fischtreppen. Die Ausbildung zum Wasserbauer sei dann aber doch nichts für ihn gewesen. Frank Schröder sah darin kein Problem: Er stellte den Kontakt zur IBW her, die den jungen Mann übernahm. 

Norman Metzler - lernt Tiefbaufacharbeiter

Wichtig ist der regelmäßige und enge Kontakt zwischen dem jungen Menschen, dessen Eltern, dem Betrieb und eben Lothar Nagel, der Ansprechpartner für alle Beteiligten ist. „Schulzeugnisse sagen oft nicht viel über die praktischen Begabungen aus“, ist er überzeugt. Das Projekt Jobstarter läuft seit Oktober 2013 und noch bis Ende September 2016. Die Hauptarbeit für Lothar Nagel bestand zu Beginn darin, Firmen anzuschreiben, Gespräche zu führen und das grundsätzliche Interesse an dem Projekt zu wecken. „Die meisten haben gesagt, das ist eine tolle Sache.“ Wer mitmachen wollte, unterzeichnete eine Bereitschaftserklärung. 

Aktuell hat Lothar Nagel 91 Firmen in der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin in seiner Liste – quer durch alle Branchen. Mit dabei sind solche wie das Meyenburger Möbelwerk, das Maritim Hotel in Rheinsberg, SBL Stahl und Brückenbau in Lindow, REO in Kyritz, ASL in Neuruppin oder Schorisch Margis in Karstädt. „Ich bin auch an den Oberschulen in OPR und Prignitz gewesen und habe in den 10. Klassen das Projekt vorgestellt“, erzählt der Jobscout. 

Betriebe, die auch schlechtere Schüler ausbilden – zumindest laut Zeugnis – bekommen über das Projekt Unterstützung bei der Vermittlung von Bewerbern, Nachhilfe, Beratungen, sozialpädagogische Hilfe und anderes. „Die Noten sind für viele Ausbildungsbetriebe oft zweitrangig, viele möchten einen Praktikanten, damit sie sehen, ob er pünktlich, zuverlässig und motiviert ist“, schildert Lothar Nagel seine Erfahrungen. 14 Tage könne sich ein Bewerber ja zusammenreißen, über ein Jahr bekomme der Betrieb aber ein realistisches Bild. Die einjährige Einstiegsqualifizierung wird über die Arbeitsagentur finanziert. „Sicher, es ist ein Übergangsmodell, aber die Betriebe sind ja an Azubis interessiert.“ 

53 Jugendliche absolvieren zurzeit eine Ausbildung in Unternehmen, die mit dem Jobstarter-Projekt kooperieren, sagt Lothar Nagel. Sie lernen zum Beispiel Maschinen- und Anlagenführer, Elektriker, Hotelfachfrau oder Werkzeugmechaniker. Wenn das Projekt ausgelaufen ist, sind viele kleine und mittlere Unternehmen über STAB miteinander vernetzt. 

Nicht immer haben die Bemühungen von Lothar Nagel und seinen Mitstreitern Erfolg. Manchmal kommt ein Jugendlicher, der mitten in einer Einstiegsqualifizierung ist, von einem Tag auf den anderen plötzlich nicht mehr. Die Firma Meyenburger Elektrobau musste diese Erfahrung machen. Norman Metzner jedenfalls hat seine Chance erkannt und lernt nun einen soliden Beruf, der ihm gefällt und der zu ihm passt. Und er hat Spaß dabei. 

WOCHE IST STAMMTISCH FÜR AUSBILDER

Das Projekt Jobstarter , das jungen Menschen über eine Einstiegsqualifizierung den Weg ins Berufsleben ermöglichen soll, wurde 2006 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung erstmals ausgeschrieben. Seitdem wurden 351 regionale Projekte in acht Förderrunden bewilligt. 
287 Projekte sind abgeschlossen, aktiv sind derzeit 23 Projekte aus der 6. Förderrunde Jobstarter und 50 Projekte aus Jobstarter plus. Es ist in die Förderperiode des Europäischen Sozialfonds bis 2020 eingebettet. 
2013 ging die Jobstarter-Förderung in die Zielregion Nordwestbrandenburg. Träger ist die Gemeinnützige Bildungsgesellschaft Pritzwalk. Vier Mitarbeiter werden insgesamt finanziert. Ziel ist, bis 2016 mit 90 Betrieben 120 Lehrverhältnisse nachzuweisen. 
Ausbilderstammtische gehören ebenfalls zum Projekt: Um eine hohe Qualität zu gewährleisten und um möglichst viele Unternehmen zu gewinnen, werden diese Stammtische mit den Kammern der Landkreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin vorbereitet.

Der nächste Stammtisch ist für Donnerstag, 4. Juni, von 13 bis 16 Uhr in der Aula der Pritzwalker Bildungsgesellschaft in der Freyensteiner Chaussee 23 geplant. Hier stehen Themen wie Schülerpraktikum, begünstigte Zuwendungen an Arbeitnehmer, Förderleistungen der Jobcenter bei beruflicher Eingliederung sowie die Rolle des OSZ Prignitz im Mittelpunkt.
Anmeldungen bis 2. Juni über Lothar Nagel, Tel. 03395/7 09 96 61 oder 0172/9 01 80 79. 

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