Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Unterwegs mit dem Schädlingsbekämpfer

Mission „Mäusetod“ in Kyritz und Umgebung Unterwegs mit dem Schädlingsbekämpfer

Mäuse mögen keine nassen Füße. Wenn es draußen nass und kalt wird, ziehen sie sich in Häuser und Ställe. Deshalb gibt es gerade jetzt viel Arbeit für Schädlingsbekämpfer Peter Prügel (56) aus Kyritz. Mit seinem orange-farbenen Transporter ist er täglich kreuz und quer durch die Prignitz unterwegs mit Rattengift, Mausefallen und seiner Spezial-Rattenfalle „Modell DDR“.

Voriger Artikel
Wo geht’s zur Lehrstelle?
Nächster Artikel
Vom Stall in die Selbstständigkeit

Immer auf Achse: der Schädlingsbekämpfer Peter Prügel aus Kyritz.

Quelle: Sylvia Frevert

Kyritz. Mäuse naschen, mögen keine nassen Füße, dafür aber Malzbier. Peter Prügel (56), Schädlingsbekämpfer aus Kyritz, kennt seine tierischen „Klienten“. Mit seinem orangefarbenen Transporter ist er täglich auf Tour, um den sogenannten „Gesundheitsschädlingen“ wie Ratte, Maus, Floh, Wanze oder Wespe den Garaus zu machen. Seit 27 Jahren ist Prügel im Auftrag von Städten, Gemeinden und Privatpersonen tätig. Zwischen Kyritz, Wittstock, Neuruppin, Zechlin, Rheinsberg, Perleberg und Wittenberge kennt er fast jedes Gebäude – vom Kuhstall über das Kartoffellager bis zur Privatwohnung. „Ich fahre so 200 bis 400 Kilometer am Tag“, erklärt er, während er den Zehn-Kilo-Eimer mit Rattengift im Laderaum verstaut. Ein kurzer Blick: Neben den Giftködern sind auch die Mäuse- und Rattenfallen an Bord.

Letztere sind „eigene Herstellung“ und – wie Prügel lachend erzählt – noch „Modell DDR“: aus Holz, unverwüstlich und zweckmäßig. Zum Einsatz kommen sie heute erst auf der zweiten Station seiner Tour. Zunächst heißt das Ziel Dannenwalde. „Hier haben sich die Mieter über Mäusekot beschwert“, sagt Peter Prügel und nutzt die Fahrzeit, um ein wenig darüber zu plaudern, wie er zu dem ungewöhnlichen Job des Schädlingsbekämpfers kam. „Als junger Mann habe ich mal eine Lehre als Maurer angefangen. Aber das war nichts für mich. Immer nasse Finger und kalt“, erklärt der gebürtige Kyritzer, der daraufhin bei der PGH in Kyritz als „Hilfsarbeiter“ seinen heutigen Beruf von der Pike auf erlernte. Heute ist er staatlich geprüfter Schädlingsbekämpfer. „Mit dem ,Giftschein’, wie wir das damals nannten, hat das nichts mehr zu tun“, sagt Prügel und holt aus zu einer Erklärung über Vorschriften zum Arbeitsschutz, Brandschutz, Transport, Lagerung und Verarbeitung der Giftköder.

Prügels Rattenfalle Marke Eigenbau

Prügels Rattenfalle Marke Eigenbau.

Quelle: Frevert

Unterbrochen wird er vom Läuten des Mobiltelefons. „Ja, hmh, ja“ – Peter Prügel nimmt sich Zeit für die Anruferin, die mit ihm ein „persönliches Problem“ besprechen will. Im Haus ihrer allein lebenden, dementen Mutter befürchtet sie Rattenbefall im Badezimmer. Nach mehreren Minuten geduldigen Zuhörens wird ein Termin für den nächsten Vormittag abgesprochen. „Menschen, die bei mir anrufen, sind häufig in Angst und Panik – vor allem Frauen, die sich vor Ratten und Mäusen ekeln“, sagt Peter Prügel. Mit einem ersten Rat besänftigt er die Anruferin fürs Erste ein wenig: „Klappen Sie auf jeden Fall den Toilettendeckel zu, Ratten kommen auch durch die Kanalisation.“

In Dannenwalde kontrolliert der Schädlingsbekämpfer die einen Tag zuvor im Keller des Mehrfamilienhauses aufgestellten Mäuseköder. Die rosafarbenen Würfel in den länglichen Pappkartons sind angenagt. „Sehen Sie, hier: Das ist Mäusekot“, sagt Prügel und gibt einen Einblick in die Kunst des Mäusefangs. „Sie müssen den Fressköder da platzieren, wo die Tiere laufen.“ Und das ist immer an der Wand lang. Prügel erklärt warum: „Mäuse und Ratten sind extrem kurzsichtig. Sie orientieren sich mit ihren Tasthaaren.“

„Alles schick hier“, erklärt Prügel abschließend und diagnostiziert auf dem Weg zum Transporter anhand von Form und Lage der Mauselöcher entlang des Hauses noch schnell, dass man es mit Spitz- und Wühlmäusen zu tun hat. Nach drei bis fünf Tagen sollte sich das Mäuse-Problem in Dannenwalde erledigt haben. „Wenn die Tiere den Giftköder aufgenommen haben, verenden sie an inneren Blutungen. Das ist nicht schmerzhaft“, betont er.

Die Ausbildung zum staatlich geprüften Schädlingsbekämpfer dauert drei Jahre mit abschließender Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Alternativ kann, wer mindestens 4,5 Jahre Praxiserfahrung nachweisen kann, ebenfalls die Prüfung ablegen. Der Einsatz erfolgt in drei Bereichen: Gesundheitsschutz mit Bekämpfung von Schadnagern und Vorratsschädlingen, Holz- und Bautenschutz sowie Pflanzenschutz. Nach dem Tierschutzgesetz ist das Töten von Wirbeltieren nur mit einem entsprechenden Sachkundenachweis zulässig.

Schädlingsbefall – wie vorbeugen? „Oftmals ist die Rattenplage hausgemacht“, weiß Schädlingsbekämpfer Peter Prügel. Er rät dazu, die eigene Immobilie vor allem im Kellerbereich auf undichte Türen und Schäden in der Hauswand zu überprüfen. Alle, die Tiere am Haus halten, sollten das angebotene Futter für Katzen, Hühner und andere Stalltiere mit Augenmaß verfüttern und für eine Lagerung im verschlossenen Behälter sorgen. Mülltonnen sollten verschlossen werden.

Und was ist zu tun, wenn es Schädlinge gibt? Grundsätzlich ist der Hauseigentümer für die Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen zuständig. Wenn Anwohner dauerhaften Schädlingsbefall feststellen, müssen sie das Ordnungsamt von Stadt und Gemeinde informieren. Jan Waldmann, Hygieneinspektor des Landkreises Prignitz, erklärt: „Städte und Gemeinden werden dem Hausbesitzer entsprechende Schädlingsbekämpfer nennen und notfalls eine Ordnungsverfügung erlassen.“ Auch im öffentlichen Raum würden regelmäßig Schädlinge bekämpft. „Beispielsweise platziert der Wasser- und Abwasserzweckverband halbjährlich Giftköder in der Kanalisation“, sagt der Hygiene-Inspektor.

Die nächste Station des Schädlingsbekämpfers Peter Prügel ist ein landwirtschaftlicher Betrieb in Blesendorf, ebenfalls zur Nachkontrolle – einer von vielen, die Prügel hier machen musste. „In großen Ställen mit Futterlager bin ich regelmäßig. Das sind quasi meine Dauerkunden“, erklärt er, grüßt den Mitarbeiter wie einen alten Bekannten. Hier im Kälberstall ist Peter Prügels Rattenfalle „DDR-Modell“ im Einsatz. „Meine Holzfallen sind viel besser als die handelsüblichen Fallen aus Plastik. Da drin schimmelt der Köder sehr schnell und den mögen die Ratten dann nicht mehr“, weiß Prügel.

Bei der dritten Station des Tages, einem Seniorenheim, sieht Peter Prügel auf Anhieb: „Die Mäuse- und Rattenplage ist hausgemacht.“ Die großen Mülltonnen sind überfüllt. Die Deckel stehen offen. Die achtlos weggeworfene Plastiktüte enthält eine halbe Packung Kekse. Peter Prügel streut Giftweizen in die Rattenlöcher, stellt zwei Kastenfallen auf und klebt einen roten Warnzettel mit dem Hinweis „Rattenbekämpfung“ und dem Datum drauf. „Hier muss ich morgen wieder hin“, resümiert er und startet in den wohlverdienten Feierabend. Nicht ohne zu fragen: „Und? Was sagen Sie? Das ist doch ein interessanter vielseitiger Job. Ich möchte nichts anderes machen. Man lernt Leute kennen, hat seine Freiheit und in meinem Schwiegersohn habe ich schon einen Firmennachfolger.“

Von Sylvia Frevert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Ausbildung & Beruf
Termin nicht verpassen...

Workshops, Messen, Informationen rund um Ausbildung und Studium
 
  

Ausbildung bei der MVD

Wir bieten jungen Menschen attraktive Ausbildungsplätze.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg