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Wo Simulanten willkommen sind

Ausbildung an der Medizinischen Hochschule in Neuruppin Wo Simulanten willkommen sind

Simulieren erwünscht: An der Medizinischen Hochschule Brandenburg in Neuruppin sollen Studenten mit Hilfe von sogenannten Simulationspatienten lernen, die richtige Diagnose zu stellen – und dies dem eingebildeten Kranken verständlich zu erklären. Ab Oktober wird in Neuruppin für die Mediziner-Ausbildung geschauspielert.

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Diese Patientin ist nicht krank – sie tut nur so, im Interesse der Wissenschaft.

Quelle: dpa-tmn

Neuruppin. Im schlimmsten Fall läuft es so: Der Patient versteht die Diagnose nicht richtig. Auch das, was er in der Therapie leisten soll, bleibt unklar – die Behandlung missglückt.

Damit die Gespräche zwischen Ärzten und Patienten nicht scheitern, setzen Universitäten seit langem so genannte Simulationspatienten ein. In Gesprächen mit ihnen sollen angehende Mediziner geeignete Kommunikationsstrategien üben. Auch die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane will künftig in ihrer Ausbildung auf Schauspielpatienten zurückgreifen. Ab Oktober soll ein Team von vermeintlich Kranken zusammengestellt werden. „In Gesprächen mit Simulationspatienten sollen Medizinstudenten ihr theoretisches Wissen praktisch anwenden können“, sagt Cadja Bachmann, die Leiterin der Curriculumsentwicklung Kommunikation.

Die 50-jährige Allgemeinmedizinerin hat acht Jahre lang das Simulationspatientenprogramm am Universitätsklinikum Hamburg -Eppendorf geleitet. Mehr als 100 Schauspielpatienten wurden dort ausgebildet. In Gesprächen mit angehenden Medizinern konnten sie mehr als 100 Krankheitsbilder darstellen – von diffusen Kopfschmerzen bis zum lebensbedrohlichen Herzinfarkt. Ein eben solches Team will Bachmann an der Neuruppiner Hochschule aufbauen.

Das richtige Arzt-Patientengespräch ist extrem wichtig für den Behandlungserfolg

Das richtige Arzt-Patientengespräch ist extrem wichtig für den Behandlungserfolg.

Quelle: dpa-Zentralbild

Bachmann kennt die Fehler, die in Gesprächen mit Patienten Verunsicherung und Unverständnis hervorrufen. „Der Patient wird zu früh unterbrochen oder das Gespräch wird Fachjargon benutzt, sodass der Patient das Gesagte möglicherweise nicht versteht“, sagt Bachmann. Ganz praktisch soll deshalb geübt werden, wie ein Mediziner Arzt-Patientengespräche führt. „Wie viel Raum gibt er Menschen, die viel reden?“, sagt Bachmann. „Wie schafft geht er mit Menschen um, die gar nicht reden?“ Auch das sind Dinge, die erlernt werden können.

Das Gute an den Übungsgesprächen ist: der Schauspielpatient kann dem angehenden Mediziner sofort zurückmelden, wie er das Gespräch empfunden hat. Hat er die Diagnose verstanden? Fühlte er sich angenommen? Im geschützten Raum lernen die Studenten sich auf unterschiedliche Charaktere einzustellen und Gesprächsstrategien anzuwenden.

Hochschule sucht Schauspielpatienten

Am 8. Oktober wird die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane eine erste Informationsveranstaltung für künftige Schauspielpatienten anbieten. Interessierte können sich bereits jetzt im Hochschul-Sekretariat melden, sie werden dann zu der Inforunde eingeladen – Mails bitte an sandra.schumacher@mhb-fontane.de.

Für die Simulationspatienten wird es eine kleine Aufwandsentschädigung geben. Noch ist unklar, wie hoch diese Entschädigung sein wird. Jeder, der Lust hat, an der medizinischen Ausbildung mitzuwirken, ist für den Einsatz als Schauspielpatient geeignet. Ein großes schauspielerisches Talent ist nicht nötig. Allerdings findet vor der Schulung ein Probetraining statt.

Die ersten 46 Medizinstudenten hatten Mitte April ihr Studium in Neuruppin begonnen.

Auch das Überbringen schlimmer Botschaften wird geübt. „Es gibt auch dafür Kommunikationsstrategien“, sagt Bachmann. So sollten Mediziner Patienten zunächst fragen, was sie bereits über ihre Krankheit wissen. Dann sollten sie versuchen herauszufinden, wie viel der Patient tatsächlich wissen möchte. „Sie müssen ihn natürlich auch auffangen können und mit ihm die nächsten Schritte planen“, sagt Bachmann.

In einem Training bereiten sich die Simulationspatienten auf ihren Einsatz vor. „Sie werden ganz genau geschult, damit sie keine falschen Symptome nennen“, sagt Bachmann. Etwa vier Stunden dauert ein Rollentraining für ein komplexeres Krankheitsbild, in etwa zwei Stunden kann man sich auf einen nicht ganz so anspruchsvollen Einsatz vorbereiten. Fast jedes Krankheitsbild kann trainiert werden – auch komplexe neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder ein Schlaganfall.

Wie oft die Schauspielpatienten in Neuruppin zum Einsatz kommen, ist noch nicht abzusehen. „Noch ist der Studiengang im Aufbau“, sagt Bachmann. Von den Dozenten selbst hängt ab, wie häufig sie auf vermeintlich Kranke zurückgreifen wollen.

Bitte husten

Bitte husten! – Wenn die Diagnose richtig sein soll, muss der Patient oft aktiv mitmachen.

Quelle: dpa-Zentralbild

Etabliert ist der Einsatz von Simulationspatienten seit langem. Amerikanische Unis setzen Schauspielstudenten seit den 60er-Jahren ein. In Deutschland greifen Dozenten seit etwa 15 Jahren auf sie zurück. „Inzwischen arbeitet man an fast überall mit Simulationspatienten“, sagt Bachmann. „Das ist ein langjährig erprobtes didaktisches Programm.“

Am 8. Oktober will die Hochschule erstmals zu einer Infoveranstaltung einladen, bei der Interessierte mehr über den Einsatz von Schauspielpatienten erfahren können. Geeignet, sagt Bachmann sei prinzipiell jeder, „der eine gewisse Wertschätzung für die medizinische Ausbildung hat“.

Von Frauke Herweg

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