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Zwischen Himmel und Erde

Baumarbeiter: Ein Brandenburger schuftet in luftiger Höhe Zwischen Himmel und Erde

Martin Eick ist Landschaftsgärtner und muss schwindelfrei sein. Er arbeitet in luftiger Höhe. Eick ist Baumarbeiter und beschneidet in luftiger Höhe Äste oder legt ganze Bäume um.

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Martin Eick im Einsatz.

Quelle: Foto: Ina Schidlowski

Brandenburg an der Havel. Der Boden vibriert, als das dicke Aststück niedersaust. Ganz oben, in der Baumkrone, singt die Motorsäge und schon landet das nächste Stück Holz auf der Erde. Am Ende des auf etwa 20 Meter ausgefahrenen Teleskoparmes steht Martin Eick in dem kleinen Korb des LKW-Hubsteigers. Mit den scharfen Zähnen der Kettensäge rückt er dem Gehölz zu Leibe.

„Was machen Sie denn mit dem schönen Baum? Der ist doch noch gut!“ Das muss sich der 32-Jährige oft von Passanten anhören, die zufällig vorbei gehen. Seine Antwort als Baumpfleger lautet darauf: „Einen Baum im urbanen Raum, so lange wie möglich am Leben zu erhalten und die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, das ist meine Aufgabe“. Aber mit der Säge am Leben erhalten? Das klingt nicht gerade plausibel.

Zwischen sechs und neun auf der Buga

Doch die Baumkronen werden mit Fachkenntnis gepflegt, Fehlbildungen und Fällungen somit vermieden. Zudem wird sichergestellt, dass niemand zu Schaden kommt. „Jeder Baum wird zweimal im Jahr begutachtet“, erklärt der Landschaftsgärtner. Das Grünflächenamt schreibt den entsprechenden Auftrag zur Pflege und, falls nötig, zur Fällung aus. Anhand des Baumkatasters, einer Luftbildaufnahme und auch der Plakette am Baum orientiert sich Martin Eick dann vor Ort.

Arbeiten in luftiger Höhe

Arbeiten in luftiger Höhe.

Quelle: I. Schidlowski

Seit Januar dieses Jahres arbeitet er bei der Werderaner Firma „Ingenieurbiologischer Kultur-und Wasserbau GmbH“. Die frühen Morgenstunden zwischen sechs und neun Uhr nutzen er und sein Kollege, um die Aufträge auf dem Buga-Gelände am Packhof und dem Marienberg abzuarbeiten, also bevor die Besucher kommen. Danach hört man die Säge und den Häcksler derzeit am Salzhofufer. „Wir arbeiten immer zu zweit“, sagt der schlanke Mann, der die etwa fünf Kilogramm schwere Säge geschickt ansetzt. Oft stützt er mit der Schulter den Ast, der schon mal 25 Kilogramm wiegen kann, und wirft ihn nach dem Sägen hinunter. Stammstücke, die frei fallen können, wiegen durchaus mehrere hundert Kilo. Sein Kollege am Boden weiß, wo er sich aufhalten muss. Sie sind ein eingespieltes Team. Das Holz kommt entweder in den Häcksler oder wird abtransportiert.

Viel vom alten Chef gelernt

Martin Eick hatte sich nach dem Abitur ursprünglich für ein Biologiestudium entschieden, dieses jedoch nach kurzer Zeit abgebrochen. „Ich habe es gehasst, immer nur in der Uni zu sitzen“, erzählt er und, dass ihm der praktische Bezug gefehlt habe. Pflanzen, Pflastern, Pflegen – der Beruf des Landschaftsgärtners bedeute Bewegung und sei vielfältig. „Stauden sind jedoch nicht so mein Fall“, erklärt Eick, deshalb habe er sich für die Baumpflege entschieden.

Von seinem früheren Chef, ein guter Baumpfleger, habe er viel gelernt. Unter anderem auch das Klettern. „Ich bin eigentlich kein Freund von Maschinen, ich klettere lieber“, sagt er, doch momentan arbeitet er mit dem Hubsteiger. Der Motor muss ständig laufen, das bedeutet Dauerlärm.

Hat das Bedienteil im Korb schon mal in luftiger Höhe versagt? „Ja, klar, aber mein Kollege am Boden hat die gleiche Steuerung und mich hinunter gelassen“.

Höhenangst hat Martin Eick nicht, wie er sagt, doch an manchen Tagen oder in bestimmten Situationen habe auch er „ein komisches Gefühl, wenn ich den Lastwagen nur noch ganz klein unter mir sehe“, berichtet er.

Ausgleich beim Sport

Hat er als Baumpfleger auch einen Lieblingsbaum?

Martin Eick zieht an seiner Zigarette, überlegt kurz, streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich aus dem Zopf am Hinterkopf gelöst hat und antwortet: „Ja, der Tulpenbaum ist schön“. Dann erzählt er von der ungeöffneten Blüte, die ein bisschen wie ein Kiefernzapfen aussehe. Seine liebste Jahreszeit ist der Frühling. „Es gefällt mir, wenn alles gerade grün wird“. Dass er bei Hitze, Kälte, Wind oder Regen draußen arbeitet, stört ihn nicht. „Man gewöhnt sich daran und wird seltener krank“, sagt er schmunzelnd.

Ausgleich zur körperlich anstrengenden Arbeit findet er nicht etwa bei einem ruhigen Hobby. Volleyball oder Radfahren, dabei könne er gut abschalten. So ist er im vergangenen Jahr mit dem Rad von Koblenz bis nach Portugal gefahren. Rund 3000 Kilometer in sechs Wochen. Und Martin Eick träumt davon, einmal 30 000 Kilometer weit zu radeln.
Welche beruflichen Ziele hat der Baumpfleger? „Ab und an bin ich schon traurig, nicht studiert zu haben“, sagt er, deshalb könne er sich eine Weiterbildung zum Fachagrarwirt für Baumpflege vorstellen. „Um später vielleicht Gutachter zu werden.“

Von Ina Schidlowski

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