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A14 muss mit Mäuseschutz gebaut werden

Autobahn-Bau A14 muss mit Mäuseschutz gebaut werden

Die A14 gilt als der Autobahnneubau mit den meisten Umweltauflagen. Jetzt kommt eine neue dazu - die Mittelstreifen müssen einen Mäuseschutz bekommen. Das mag kurios klingen, hat aber einen ernsten Hintergrund.

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Das sieht doch schon aus wie eine richtige Autobahn: Die neue A 14 bei Karstädt, jetzt schon mit durchgehenden Leitplanken und Fahrbahnmarkierungen.

Quelle: Bernd Atzenroth

Karstädt. Es gibt Wildbrücken und Wildtunnel, Fledermausüberquerungen und Tunnel. Die A 14 gilt als der Autobahnneubau mit den meisten Naturschutzauflagen.

Doch nicht immer geht es den Planern darum, Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu erhalten oder ihr Verschwinden im Gefolge des Autobahnbaus auszugleichen. Der Autobahnabschnitt von Groß Warnow nach Karstädt, also von der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern bis in die Prignitz hinein kann als mäusefeindlich gelten. Gemeint sind allerdings keine Fledermäuse (die genau genommen keine Mäuse sind), sondern Feld- und Wühlmäuse. Die soll es entlang der Trasse möglichst nicht geben.

Greifvögel erspähen Mäuse und stürzen sich auf sie

Der Grund ist einleuchtend: Wo Mäuse auftauchen, finden sich neben bodengestützten Fressfeinden wie Fuchs und Marder auch Greifvögel ein. Aber genau das ist unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherheit ein erhebliches Risiko. „Die Mittelstreifen an Autobahnen sind traditionell ein beliebter Aufenthaltsort von Mäusen und Wühlmäusen“, sagt Steffen Streu, Sprecher des brandenburgischen Ministeriums für Landesplanung und Infrastruktur. „Das liegt unter anderem daran, dass so mancher Autofahrer Abfälle aus dem Fenster wirft, die dann zwischen den Planken des Mittelstreifens landen.“

Wenn Greifvögel mit ihren scharfen Augen ihrerseits auf Mäusejagd gehen oder besser gesagt fliegen, haben sie im wahrsten Sinne des Wortes keinen Blick mehr für die Gefahren ringsherum. An einer Autobahn, wo nicht selten Fahrzeuge mit mehr als 150 Kilometern pro Stunde unterwegs sind, kann es dramatische Konsequenzen haben. Sollte es zur Kollision zwischen Vogel und Fahrzeug kommen, dürfte mindestens hoher Sachschaden die Folge sein, wenn nicht Schlimmeres.

Daher wurde beim Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt bei Karstädt darauf geachtet, den Mittelstreifen mäusefrei zu halten. Erreicht wird das mit einer relativ simplen baulichen Vorkehrung: Das Bett des Mittelstreifens wird aus „korngestuftem, hochverdichtungsfähigem Schotter“ gebaut. Auf die sonst übliche Abdeckung mit Oberboden verzichten Planer und Bauleute bewusst. Damit soll erreicht werden, dass Mäuse keine Gänge graben können, und somit in den Mittelstreifen-Banketten nicht vermehrt auftreten können“, wie es im Planfeststellungsbeschluss heißt. In der Folge werden Greifvögel und Eulen ferngehalten. Im Gegensatz zu manch anderen planerischen Vorgaben beim Bau der A 14 äußerten die Naturschutzbehörden keine Bedenken.

Kosten für den Mäuseschutz sind bereits eingeplant gewesen

„Diese ’Mäuseschutzstreifen’ werden im Straßenbau zunehmend eingesetzt“, sagt Ministeriumssprecher Streu. Es handele sich beim Schotter-Schutzstreifen um eine Kombination aus Naturschutz und Verkehrssicherheitsmaßnahme, an der wohl kaum jemand etwas auszusetzen habe. Ob und in welchem Umfang diese Art nagerabweisender Mittelstreifen auch bei den anderen Abschnitten der A 14 eingesetzt wird, vermochte der Sprecher nicht zu sagen. Auch über zusätzliche Kosten sei nichts bekannt. „Ich gehe davon aus, dass diese Maßnahme Bestandteil der Planung ist und daher nicht gesondert bezahlten werden muss.“

Am 21. Dezember soll der Abschnitt übergeben werden – ohne Mäuse.

Von Andreas König

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