Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Alle wichtigen Antworten zur neuen Lkw-Maut

Neue Gebühr ab Donnerstag Alle wichtigen Antworten zur neuen Lkw-Maut

Die Lkw-Maut bringt dem deutschen Staat Milliarden ein. Und die Einnahmen sollen noch steigen: Zum 1. Oktober werden Hunderttausende kleinere Lastwagen ab 7,5 Tonnen mautpflichtig. Wir beantworten alle wichtigen Fragen zur Maut und sagen, warum, ausgerechnet Gärtner davon betroffen sind.

Voriger Artikel
Schäuble: Gier ist auch schuld am VW-Skandal
Nächster Artikel
Sicherer Einstieg für alle in Dahlhausen

Die Gewichtsgrenze für mautpflichtige Lkws wird gesenkt – auf 7,5 Tonnen.

Quelle: Foto: dpa

Potsdam. Die Schilder für die Grenzübergänge sind fertig: „Maut/Toll/Péage ab 7,5 t“, heißt es dort künftig in drei Sprachen. Die Ausweitung der Lkw-Maut am 1. Oktober soll neues Geld für den Straßenbau bringen. 4,5 Milliarden Euro sind es schon heute jedes Jahr.


Was ändert sich – und für wen?

Seit 2005 wird die Maut für alle Lastwagen kassiert, die mit Anhänger mindestens zwölf Tonnen wiegen. Diese Gewichtsgrenze wird nun deutlich abgesenkt – auf 7,5 Tonnen. Damit sind ganz neue Branchen betroffen. „Das kann der Transporter sein, der die Hotels mit Wäsche versorgt, es kann der Gerüstbauer sein, der Maurer oder der Fliesenlegermeister, auch Garten- und Landschaftsbau kann’s betreffen“, erklärt Claudia Steen von der Betreiberfirma Toll Collect. Vorwiegend seien Firmen aus dem Baugewerbe betroffen, heißt es bei der Potsdamer Handwerkskammer: Hoch- und Tiefbau, auch Zimmerer und Tischler. Auch der Gartenbauverband Brandenburg rechnet mit hohen Kosten.


Was bedeutet das?

Die Maut wird auf allen Autobahnen und bestimmten Bundesstraßen fällig und kilometergenau abgerechnet. Dafür haben viele Lastwagen ein Bordgerät installiert. Es erkennt per Satelliten-Navigation, wenn mautpflichtige Straßen genutzt werden, und übermittelt die Daten an Toll Collect. Die Fahrer können die Maut aber auch vor jeder Fahrt übers Internet oder spezielle Terminals an Raststätten, Tankstellen und Autobahnauffahrten entrichten – Voraussetzung ist dann nur, dass der Laster bei Toll Collect registriert ist. Viele Halter haben sich darauf eingestellt: Laut Steen sind inzwischen 139.000 Fahrzeuge unter zwölf Tonnen registriert, 96.000 davon haben ein Bordgerät eingebaut.


Wie kommen die kleinen Betriebe mit der Umstellung zurecht?

Was den Einbau der Bordgeräte angeht, soweit ganz gut, resümiert der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Allerdings klagen die Handwerker aus Brandenburg über ein Übermaß an Bürokratie und Belastungen: „Die Handwerker in unserer Region sind häufig kleine Betriebe, im Durchschnitt verfügt jeder Betrieb über vier Mitarbeiter. Sie sind mit Abgaben und Vorschriften schon stark belastet, jetzt kommt die Maut noch dazu“, klagt Marcel Pissarius, Leiter der Rechtsabteilung der Handwerkskammer Potsdam. Hinzu kommt: Etliche Kleinbusse oder Pick-ups überschreiten die 7,5 Tonnen überhaupt nur, wenn sie mit Anhänger fahren. Manchmal kommt es sogar noch aufs Gewicht des transportierten Werkzeugs oder Baumaterials an. Deswegen fordern die Branchen entsprechende Ausnahmen.


Was genau wird kritisiert?

Hier kommt eine zweite Neuerung ins Spiel, denn mit der Ausweitung bekommen auch die Mautsätze eine andere Struktur. Sie sind gestaffelt nach Umweltfreundlichkeit und Achszahl des Fahrzeugs – aber statt bisher zwei Achsklassen gibt es nun vier. Pro Kilometer werden künftig zwischen 8,1 und 21,8 Cent fällig. Keine Rolle spielt dagegen das Gewicht. Mit dem Straßenverschleiß habe das nicht mehr das Geringste zu tun, kritisiert Karlheinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Güterkraftverkehr (BGL). „Wenn ich sage, ein Zwölf-Tonner mit vier Achsen wird genauso bemautet wie ein 38-Tonner mit vier Achsen, dann habe ich keine Wegekostengerechtigkeit hergestellt, sondern lediglich eine neue Einnahmequelle erschlossen.“

Von Anja Semmelroch und Torsten Gellner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Auto & Mobiles