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Brandenburg hat 40 Bröckel-Brücken

Marode Bauwerke Brandenburg hat 40 Bröckel-Brücken

Rost an tragenden Elementen, Feuchtigkeit im Beton, fehlende Verkehrssicherheit: Rund 40 Brücken an Fernstraßen in Brandenburg müssen dringend saniert werden, sonst drohen schwerwiegende Folgen. Marode Brücken gibt es zum Beispiel n Dannenwalde, in Friesack und in Brandenburg an der Havel.

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Dieser Schandfleck an der B96 bei Dannenwalde wird mittlerweile erneuert.

Quelle: Uwe Halling

Potsdam. Rund vierzig Brücken auf Autobahnen und Bundesstraßen in Brandenburg sind dringend sanierungsbedürftig. Sie schneiden in regelmäßig stattfindenden Bauwerksprüfungen mit den Noten „nicht ausreichend“ oder „ungenügend“ ab, wie eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag ergibt.

13 Brückenbauten erhalten demnach mit „ungenügend“ die schlechteste Bewertung. „Die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit sind erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Fraktion. Besonders übel steht es um zwei Brücken, die über Bahngleise führen: An der B 109 bei Blindow sowie der B 158 bei Bad Freienwalde befinden sich die Schlusslichter in der Statistik. Mit der Note 3,8 teilen sie sich den letzten Platz unter den insgesamt 1401 Fernstraßenbrücken im Land.

Als „nicht ausreichend“ gilt der Zustand weiterer 38 Fernstraßenbrücken im Land. Dies bedeute, so die Bundesregierung, „nicht zwangsläufig eine Nutzungseinschränkung“ sondern sei ein Indikator für eine Instandsetzungsmaßnahme „in näherer Zukunft“.

ADAC fordert Investitionen

Verantwortlich für die meisten Brücken in Brandenburg ist der Landesbetrieb Straßenwesen. „Im Rahmen angemessener Erhaltungsmaßnahmen wirkt der Landesbetrieb kontinuierlich auf eine weitere Verbesserung des Bauwerkszustandes hin“, so dessen Sprecherin Cornelia Mitschka auf Anfrage der MAZ. Etwa vier Prozent der Brücken im Land seien in einem derart schlechten Zustand, dass sie eine Instandsetzung brauchen. „Die häufigsten Mängel sind undichte oder beschädigte Fugen, durch die Feuchtigkeit ins Bauwerk eindringen kann. Auch Rost an tragenden Teilen der Konstruktion sorgt oftmals für Probleme“, weiß Daniel Tolksdorf vom ADAC Berlin-Brandenburg. Er sieht eine regelmäßige Wartung der Bauten als beste Vorsorge gegen Altersschwäche und Abnutzung. Er fordert, die aktuellen Zahlen ernstzunehmen und schnell zu handeln. „Je länger die Investitionen und Instandhaltungsmaßnahmen hinausgeschoben werden, desto dramatischer werden zwangsläufig die Nutzungseinschränkungen.“ Denkbar seien etwa Tempolimits und Tonnagebeschränkungen, doch auch Teil- oder Vollsperrungen von Brücken könnten notwendig werden.

„Der Fokus bei der Instandsetzung liegt bei den Bauwerken, die sich derzeit in einem ungenügenden Zustand befinden“, betont Cornelia Mitschka. Zur Zeit bereitet die Behörde etwa die Reparatur von Schweißnahtschäden an der Brücke über das Mühlenfließ bei Rüdersdorf vor. Die Brücke an der A10 gehört mit der Zustandsnote 3,5 zu den schlechtesten im Land

Brandenburgs Bröckel-Brücken

1401 Brücken an Bundesfernstraßen gibt es im Land Brandenburg, sie bilden zusammen eine Fläche von fast 600 000 Quadratmetern. 96,4 Prozent dieser Brücken sind in einem ausreichenden Zustand.

5 der Bauwerke im Land sind derart marode, dass für sie Nutzungseinschränkungen gelten. Dazu gehört zum Beispiel die B5-Brücke bei Booßen, die nur mit einer Gesamtlast von bis zu 30 Tonnen befahren werden darf. Hier wird momentan ein Neubau geplant.

18 Baustellen stehen an. So viele Erneuerungen oder Verstärkungen sind geplant, ein Ersatzneubau entsteht gerade an der B 273.

1,5 Milliarden Euro stellt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bis 2018 für Modernisierungen an Deutschlands Brücken zur Verfügung.

Bundesweit steht Brandenburg gut da

In der bundesweiten Statistik steht Brandenburg trotz der rund 40 Bröckel-Brücken noch vergleichsweise gut da, lediglich Thüringen und Sachsen haben noch bessere Werte. Allerdings sind die Fernstraßen und deren Brücken in den neuen Bundesländern im Schnitt auch deutlich jünger als etwa in Hessen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland – dort ist jeweils mehr als jede fünfte Brücke dringend sanierungsbedürftig. In den alten Bundesländern stammt ein Großteil der Infrastruktur aus den 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Der Herausgabe der Daten war ein jahrelanger Rechtsstreit vorausgegangen. Die Nachrichtenagentur dpa und mehrere Journalisten zogen mehrfach vor Gericht, um Zugang zu den Ergebnissen der Bauwerksprüfungen zu erhalten.

Von Saskia Popp

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