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Drahtesel für Bedürftige

Fahrradwerkstatt in Wildau Drahtesel für Bedürftige

Die Fahrradwerkstatt sowie die Kleiderkammer der ABS in Wildau erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Jährlich werden dort bis zu 200 Fahrräder repariert und dann an Bedürftige abgegeben. Auch die Bewohner der Flüchtlingsheime nutzen dieses Angebot immer häufiger, um mobiler zu sein.

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Erich Schulze zeigt die bereits reparierten Räder, die für Bedürftige zur Auswahl stehen.

Quelle: Franziska Mohr

Wildau. „Als gelerntem Ossi fällt es mir nicht schwer, aus drei alten Rädern ein ordentliches zu bauen“, sagt Erich Schulze schmunzelnd. Seit April schraubt, klebt und lötet der Senziger nun schon in der Fahrrad-Werkstatt der ABS, deren vollständigen Namen Arbeits-, Beschaffungs- und Strukturentwicklungsgesellschaft in Wildau heute kaum noch jemand kennt. 1992 als Auffanggesellschaft für die nach der Wende zu Hunderten aus dem Schwermaschinenbau „Heinrich Rau“ entlassenen Beschäftigten gegründet, fühlt sich die Gesellschaft noch immer vor allem dem Ziel verpflichtet, Bedürftigen zu helfen. Dazu wurden 2008 auch die Fahrrad-Werkstatt sowie 2009 die Kleiderkammer ins Leben gerufen.

„Es ist einfach schön, wenn jemand kommt, der sich kein eigenes Fahrrad leisten kann und dann fröhlich vom Hof radelt“, sagt der gelernte Holzfacharbeiter. Dafür nimmt der 62-jährige Ein-Euro-Jobber die schmutzigen Hände und den manchmal vom vielen Reparieren schmerzenden Rücken gern in Kauf. Sein größter Kummer ist allerdings, dass es so unendlich viele Fahrrad-Marken gibt. Da gestalte sich die Frage der Ersatzteile manchmal ganz schön schwierig. Am liebsten sind ihm sowie seinem Kollegen Roland Fiedler die alten DDR-Räder. „Diese alten Schinken sind unverwüstlich. Sie haben keine komplizierten Gangschaltungen und halten ewig“, sagt Schulze. In der Werkstatt gingen sie daher weg wie die berühmten warmen Semmeln. Bis zu 200 Räder werden dort jährlich repariert.

Zu den Stammgästen in der Werkstatt gehören auch alleinerziehende Mütter, die bei Nachweis der Bedürftigkeit – soweit sie am Lager sind – Kinder- oder Laufräder bekommen. Immer häufiger stellen Schulze und Fiedler auch Räder für die Bewohner von Flüchtlingsheimen bereit, die auf diese Weise ihre Mobilität erhöhen. „So mancher von ihnen hat erst in Deutschland das Radfahren gelernt, schlägt sich aber dennoch ganz tapfer“, lobt ABS-Geschäftsführer Siegmar Kny. Er kann daher nur alle Familien ermuntern, nicht mehr benötigte Räder oder Kinderwagen, aber auch kleine Haushaltsgeräte wie Toaster, Staubsauger oder Kaffeemaschinen vorbeizubringen. Möbel kann die ABS leider nicht lagern. Aber auch Bettwäsche, Hosen, Shirts, Kinderkleidung bis hin zu Schuhen nehmen Lidia Scheifer und Marion Melzer in der Kleiderkammer gern an. Vorausgesetzt, die Sachen sind sauber und möglichst auch nicht kaputt. Möglich ist der Erhalt der Fahrrad-Werkstatt sowie der Kleiderkammer Kny zufolge nur durch die finanzielle Unterstützung des Job-Centers, das eine Trägerpauschale bereitstellt.

Info: ABS Wildau, Straße des Friedens 8. Geöffnet werktags von 8 Uhr bis 13 Uhr.

Von Franziska Mohr

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