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Elektroautos im Havelland weiter die Ausnahme

Mobilität Elektroautos im Havelland weiter die Ausnahme

Viele Havelländer haben zwar grundsätzlich Interesse an einem Elektroauto, doch die meisten zögern derzeit noch sich eines zu kaufen. Die Modellauswahl bei den mit Strom betriebenen Fahrzeugen ist bescheiden, die Infrastruktur mit Ladestellen in der Region sehr übersichtlich. Ein Unternehmen geht nun jedoch mit gutem Beispiel voran.

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Guido Teßmer aus Falkensee mit seinem Elektroauto – einem von nur 66 im Landkreis Havelland.

Quelle: Holger Kohl

Havelland. Holger Lachmann würde sich eigentlich gerne ein Elektroauto anschaffen. „Die fossilen Brennstoffe haben ihre Hochzeit hinter sind“, sagt der Falkenseer. Doch noch sei die Modellauswahl bei den mit Strom betriebenen Fahrzeugen recht bescheiden, die Infrastruktur mit Ladestellen sehr übersichtlich. „Und bei der Reichweite der Ladungen ist auch noch Luft nach oben“, so Lachmann. „Ob es nun künstlich von der Benzin-Lobby klein gehalten wird und die Technik wirklich noch nicht so weit ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Fakt ist: Das funktioniert noch nicht richtig.“

So wie Holger Lachmann denken im Havelland viele. Sie haben zwar grundsätzlich Interesse an einem Elektroauto, zögern aber derzeit noch sich eines zu kaufen. Nach Angaben der Kfz-Zulassungsstelle des Landkreises sind im Havelland aktuell nur 66 reine Elektroautos registriert.

Eines davon gehört Sigrun Teßmer und ihrem Mann Guido. Die Falkenseer haben sich vor drei Jahren ein E-Auto gekauft und den Umstieg auf den alternativen Antrieb seither „nie bereut.“ Momentan besitzt das Ehepaar zwar auch noch ein Dieselfahrzeug, doch dieses soll schon bald außer Dienst gestellt werden. Auf ihrem Grundstück gibt es Lademöglichkeit, die nach vorheriger Anmeldung auch von anderen Autofahrern benutzt werden kann. „Wir Elektrofahrer müssen uns doch gegenseitig helfen“, sagt Sigrun Teßmer, die von regelrechten „Elektroautoselbsthilfegruppen“ im Internet berichtet. Und ihr Mann ergänzt: „Wenn jemand Strom braucht, stehen wir zur Verfügung.“

Laut dem Internetportal chargemap.com, das Ladestationen für Elektroautos auflistet, existieren im Osthavelland zurzeit sechs Anschlüsse: bei Familie Teßmer, im Havelpark in Dallgow-Döberitz, im MAFZ-Erlebnispark in Paaren im Glien, in Wustermark hinter dem Rathaus, beim Autohaus Wegener in Nauen und auf dem Landgut Stober in Groß Behnitz. „Die Station wird von unseren Tagungsgästen auch gerne genutzt“, heißt es dort.

Vergangenen Monat hatte die Bundesregierung beschlossen, dass Käufer von E-Autos in Deutschland künftig einen Zuschuss von bis zu 4000 Euro erhalten. Dass allein dadurch die Zahl der verkauften Elektroautos rasant zunehmen wird, glaubt Sigrun Teßmer nicht: „Das Geld hätten sie lieber in einen Ausbau der Infrastruktur stecken sollen“, sagt sie. „Die Leute kaufen sich nur dann ein Elektroauto, wenn sie sicher sein können, dass sie es auch überall aufladen können.“

Das sieht André Karbaum, Geschäftsführer für den technischen Bereich beim Autoservice Seelke in Seeburg, genauso. „Mittelfristig sehe ich keine Veränderung“, sagt er. Vorbereitet wäre man in der Werkstatt, denn entsprechende Schulungen für das Personal haben längst stattgefunden. Es sei jedoch noch nie jemand mit einem E-Auto gekommen, berichtet Karbaum.

Auch beim Autohaus Arnhölter in Dallgow-Döberitz sind Elektroautos „ein Nullthema“, so Verkaufsleiter Marcin Weglinski. Ohnehin dürften nur bestimmte Händler E-Autos verkaufen – in Dallgow habe man darauf verzichtet sich dafür zu bewerben, weil die Nachfrage zu gering ist. Der Grund sind aus Sicht von Marcin Weglinski auch die noch immer relativ hohen Fahrzeugpreise: „Da müsste die Prämie schon deutlich höher sein, damit es attraktiv wird. Sonst greifen die Leute lieber zu einem Benziner, bei dem sie sich auch sicher sein können, dass es ausreichend Tankstellen gibt.“ Oder sie entscheiden sich für ein Hybridauto, das neben einem Elektro- auch über einen Benzinantrieb verfügt. Bei der Motor Company in Nauen sind bei einigen Modellen inzwischen acht von zehn verkauften Autos ein Hybrid, berichtet Betriebsleiter Frank Zenke. Auch wenn es für diese Fahrzeuge nur maximal 3000 Euro Prämie vom Staat gebe, seien sie bei den Kunden äußerst beliebt.

Die Deutsche Post setzt seit Ende Mai übrigens vier Elektroautos in Falkensee und Dallgow-Döberitz ein, so genannte Streetscooter mit einer Reichweite von 80 Kilometern. „Das Positive daran ist, dass wir keinen CO 2-Ausstoß verursachen“, sagt Postsprecherin Tina Birke. Bei den Zustellern kämen die neuen Wagen gut an, auch weil sie speziell auf deren Bedürfnisse zugeschnitten wurden, so Birke; die Rückmeldungen aus der Bevölkerung seien ebenfalls positiv. „Das ist sehr angenehm“, findet zum Beispiel der Dallgower Gemeindevertreter Peter-Paul Weiler (Grüne). „Da surrt das Auto nur noch heran, selbst die Türen sind leiser, und dann ist der gelbe Geist auch schon wieder weg.“

Von Philip Häfner

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