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Hybridbusse in OPR in weiter Ferne

Moderne Antriebstechniken Hybridbusse in OPR in weiter Ferne

Im Mai wurde in Wittstock Hybridtechnik im öffentlichen Nahverkehr getestet, seit September rollen Elektrobusse durch Berlin. Ulrich Steffen, Chef des Busbetriebes in Ostprignitz-Ruppin verfolgt die Versuche mit Interesse, sieht in naher Zukunft aber keine Chance für alternative Antriebe im ÖPNV der Region. Die Busse seien schlicht zu teuer.

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Ein Hybridbus wurde im Mai in Wittstock zwei Wochen lang getestet. Bei Fahrgästen kam der Bus gut an.

Quelle: Gerd-Peter Diederich

Wittstock. Schick sehen sie aus, die neuen, gelben Elektrobusse, die die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) seit Anfang September im Linienverkehr einsetzen. Leise und sparsam sollen zunächst vier Fahrzeuge durch die Hauptstadt rollen. Nach den ersten Wochen im Linienverkehr sei noch kein Urteil über die Zufriedenheit bei den Kunden möglich, sagt BVG-Pressesprecherin Petra Reetz. Befragungen seien aber geplant. Die ersten Rückmeldungen der Fahrer seien positiv.

Modell kam bei Testphase in Wittstock gut an

In Wittstock konnten die Fahrgäste bereits im Mai in einem Hybridbus Platz nehmen, allerdings nur in einer zweiwöchigen Testphase. Bei den Fahrgästen und den Fahrern kam das Vehikel gut an. Die Hybridtechnik kombiniert einen Elektro- und einen konventionellen Benzinantrieb. Ulrich Steffen, Geschäftsführer der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft (ORP), würde gern Fahrzeuge mit neuartigem Antrieb dauerhaft in den Fuhrpark aufnehmen, doch „betriebswirtschaftlich ist das nicht darstellbar“, sagt Steffen. Anders als in Berlin, wo durch Bundesfördermittel und durch wissenschaftliche Projekte Geld zur Anschaffung beigesteuert werde, sei die Finanzierung im ländlichen Raum weitaus schwieriger.

Zwar ließen sich durch den niedrigeren Verbrauch von Diesel rund 5500 Euro pro Fahrzeug im Jahr einsparen, doch müssten die Hybridbusse rund 20 Jahre im Einsatz sein, ehe sie sich rechnen würden. Und die Rechnung gelte ohnehin nur für den Stadtverkehr. „Auf Überlandstrecken verpufft der Effekt wieder“, sagt Steffen.

Auch die Wartung ist ein Kostenfaktor

Hinzu komme die aufwändige und zum Teil kostspielige Wartung. „Wir sprechen hier von Hochspannungstechnik“, erklärt Steffen. „Da reicht die eigene Werkstatt nicht mehr aus. Wir könnten nur noch die Motorwartung vor Ort vornehmen.“ In Berlin gab es in den ersten Wochen an zwei der vier Gefährte Probleme mit der Batterie. Solche Unwägbarkeiten habe man in Kauf genommen, erklärt BVG-Sprecherin Reetz und ergänzt: „Diese Busse sind Manufakturbusse. Wir haben uns darauf eingelassen, um zu testen, ob sie in der Großstadt funktionieren.“ Im ÖPNV im ländlichen Raum wären solche Schwierigkeiten nicht hinnehmbar, sagt Steffen. Es sei wichtig, dass die Linien zuverlässig bedient werden.

Busbetrieb muss sich auf das Kerngeschäft konzentrieren

Interessant findet Ulrich Steffen die neuen Antriebe aber durchaus. „Ich will nicht der Verhinderer sein“, sagt er. Steffen sieht Potenziale wie beispielsweise in Karstädt (Landkreis Prignitz), wo die Kommune mittels „Power-to-Gas“-Verfahren überschüssige Windenergie in Wasserstoff umwandeln möchte. Mit Wasserstoff ließen sich ebenfalls Busse betreiben. „Das ist dann echt grüne Energie“, so Steffen. Doch die Anschaffungskosten für Wasserstofffahrzeuge lägen noch höher. „Wir haben nicht einmal das Geld, um den ÖPNV hier zu finanzieren, da haben wir nicht die Möglichkeit zu experimentieren, sondern müssen uns auf das Kerngeschäft konzen-trieren“, so der Chef des Busbetriebes. Bei einem investiven Zuschuss von 700 000 Euro pro Jahr durch den Kreis für die gesamte Flotte seien Anschaffungskosten für ein Fahrzeug von einer halben Million und mehr unrealistisch.

Dass der Kreis als 100-prozentiger Eigner der ORP in absehbarer Zukunft mehr Geld zur Verfügung stellt, ist unwahrscheinlich. Von Seiten der Verwaltung heißt es zwar, „natürlich“ habe man Interesse an modernen Antriebstechniken, doch auch dort wird auf die hohen Anschaffungskosten verwiesen. Ohne Förderung könnten solche Fahrzeuge nicht beschafft werden. „Sollte es Fördermöglichkeiten geben, wird die ORP solche Möglichkeiten gerne nutzen“, heißt es von Seiten des Kreises weiter. Bei anstehenden Beschaffungen werde dies jeweils geprüft.

Von Mischa Karth

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