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„In den USA wäre die Stadt arm geworden“

Streit um Verkehrssicherheit an einer Kreuzung „In den USA wäre die Stadt arm geworden“

43 Unfälle mit 16 Verletzten in drei Jahren an einer angeblich verkehrssicher ausgebauten Kreuzung - ein Unfallbeteiligter will das nicht mehr hinnehmen und klagt nun gegen die Stadt Brandenburg. Und das mithilfe amerikanischer Versicherungsanwälte.

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Handyfoto von dem Verkehrsunfall am 15. November direkt auf der Hohenstücken-Kreuzung.

Quelle: Foto: Meetingpoint

Brandenburg/H. Gut möglich, dass der Stadtverwaltung Brandenburg an der Havel in den kommenden Wochen Post aus dem US-amerikanischen Sonnenstaat Florida ins Rathaus flattert. Allerdings keine angenehme, sondern von Rechtsanwälten. Diese wird Alexander Blifernetz losschicken, er hatte am 15. November einen Unfall auf der Kreuzung Rathenower Landstraße/Upstallstraße/Rosa-Luxemburg-Allee (MAZ berichtete). Der Mann wollte mit seinem Leihwagen aus Richtung Stadt kommend nach links ins Wohngebiet Hohenstücken einbiegen, um gemeinsam Verwandtschaft zu besuchen. Schließlich hat seine Familie auch fast 15 Jahre in der Stadt gewohnt, bevor sie über den großen Teich auswanderte – zuerst nach Kanada, kurz darauf in die USA.

Blifernetz war um die Verkehrsinsel, welche die Linksabbieger-Fahrbahn von der ebenfalls parallel abbiegenden Straßenbahntrasse trennen soll, rechts herum gefahren und auch mit einer Tram der Linie 6 kollidiert. Die Unfallaufnahme durch die Polizei schildert er in kurzen Worten. „Sie haben bedauernd gelächelt, daraufhin fragte ich, ob ich nicht der Erste sei, dem das passiert ist. Der eine Beamte wollte mich trösten, er meinte, ich sei auch garantiert nicht der Letzte.“ 43 Unfälle mit 16 Verletzten ereigneten sich in nur drei Jahren nach dem eigentlich modernen Ausbau, bestätigt die Polizei der MAZ auch offiziell.

„Als praktizierender Fahrer in mehreren europäischen und amerikanischen Ländern kann ich – sorry – kein eigenes Verschulden erkennen. Nach den internationalen Ordnungsvorschriften im Verkehrswesen sollen die Straßen- und Fahrbedingungen ungefährlich sein. Ich weiß, dass es in den USA und in Deutschland/Europa einige Unterschiede in der Verkehrsordnung gibt, aber irritierende Situationen sollten vermieden werden.“

Alexander Blifernetz hat zwar das Verwarngeld an die Polizei bezahlt, das soll es aber gewesen sein. „Ich bin auch nicht bereit, meine amerikanische Versicherung für das Regulieren des Schadens in Anspruch zu nehmen. Die Verkehrsbetriebe haben keine Schuld und ich auch nicht. Ich habe meine Versicherung informiert, nach meiner Rückkehr erwarten mich schon deren Anwälte, die den Fall genau prüfen“, erzählt er. „In den Vereinigten Staaten wäre die Stadt allerdings arm geworden.“ Das strebe er gar nicht an, er wolle nur Gerechtigkeit. Während seines erst an diesem Wochenende beendeten Besuches hatte er Polizei und Verwaltung Gespräche angeboten – das wurde allerdings nicht angenommen. Allein zu den Verkehrsbetrieben gebe es Kontakt – denen ist nämlich auch an einem Entschärfen des Unfallschwerpunktes gelegen.

In der Verwaltung verweisen alle Verantwortlichen auf die Sitzung der Verkehrsunfallkommission in der kommenden Woche.

Von André Wirsing

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