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Schulung für Brandenburgs Fahranfänger

Verkehrssicherheit Schulung für Brandenburgs Fahranfänger

Wenn es auf Brandenburgs Straßen kracht, sind oft Fahranfänger an den Unfällen beteiligt. Das soll sich ändern. Viele Fahrlehrer nutzen daher eine interaktive Landkarte. Zu sehen sind dort Brandenburgs Unfallschwerpunkte. Fahranfänger sollen mit der Karte aus den Fehlern anderer Autofahrer lernen. Die Fahrlehrer loben das bundesweit einmalige Projekt.

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Im vergangenen Jahr endeten 16 von Fahranfängern versuchten Verkehrsunfälle auf Brandenburgs Straßen tödlich.

Quelle: DVR

Potsdam. Alle 90 Minuten verursacht ein Fahranfänger in Brandenburg einen Unfall, alle 30 Tage kommt dabei jemand zu Tode. „Jeder Mensch, der im Straßenverkehr verletzt wird oder stirbt, ist einer zu viel“, sagt Rainer Sydow. Der Fahrlehrer aus Heidesee (Dahme-Spreewald) schult seine Schützlinge deshalb schwerpunktmäßig im Bereich Verkehrssicherheit. Dafür nutzt er das Projekt namens „Regio-Protect“ (regionalisierte protektive Fahranfängervorbereitung), das sich speziell an 18 bis 24-jährige Autofahrer richtet. Dank eines aktualisierten Online-Auftritts sollen sie nicht nur lernen, häufige Anfängerfehler zu vermeiden, sondern auch Gefahrenstellen in ihrer unmittelbaren Umgebung kennenzulernen und sicher zu durchfahren.

Diese Karte wird von vielen Fahrlehrern genutzt, um Fahrschüler auf Gefahren hinzuweisen

Diese Karte wird von vielen Fahrlehrern genutzt, um Fahrschüler auf Gefahren hinzuweisen.

Quelle: Screenshot

„Verkehrssicherheit ist kein Glücksspiel“

Fahranfänger machen rund sieben Prozent der Bevölkerung aus, verursachen aber 16 Prozent aller Verkehrsunfälle – eine Schieflage, die es laut Rainer Sydow zu beseitigen gilt. „Verkehrssicherheit ist kein Glücksspiel, man kann viel dafür tun“, sagt auch Verkehrsstaatssekretärin Katrin Lange. Das begleitende Fahren mit 17 sei eine der erfolgreichen Kampagnen, an die das Land mit „Regio-Protect“ anschließen will. „Wir haben 250.000 Euro mehr für Maßnahmen im Verkehrssicherheitsbereich in den Haushalt eingestellt“, so Lange. Für das Projekt wurden seit 2008 etwa 300.000 Euro ausgegeben, 50.000 Euro davon im vergangenen Jahr.

JETZT die interaktive Karte aufrufen>>

Als eine der Initiatoren hat Bianca Bredow vom Institut für Prävention und Verkehrssicherheit (IPV) das Projekt im Auftrag des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung (MiL) 2008 ins Leben gerufen. Aktuell wurde der Internetauftritt überarbeitet und freigeschaltet. Fahrlehrer und Schüler sowie Eltern können ab sofort auf umfangreiche Unterrichtsmaterialien wie interaktive Karten und Videosequenzen zu Unfallschwerpunkten im ganzen Land zurückgreifen. Während in Brandenburg an der Havel bisher nur drei dieser Gefahrenstellen eingetragen sind, zählt der Landkreis Barnim mit 19 die meisten.

Gefahrenpotenzial im unmittelbaren Umfeld

Bundesweit ist dieses Projekt einzigartig. Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind aber mittlerweile darauf aufmerksam geworden, sagt Bredow. „2007 gab es noch sehr viele Fahranfängerunfälle, die in einigen Fällen tödlich endeten. Wir haben untersucht, warum das so ist und genau an diesem Punkt angeknüpft.“ Zu den Gefahren im unmittelbaren Umfeld kommen das Anfänger- und Jugendlichkeitsrisiko. Rainer Sydow bestätigt, dass Jugendliche Gefahren oft nicht richtig einschätzen. Deshalb sei es wichtig, dass sie genau die Gefahrenstellen kennen lernen, die sie potenziell häufig durchfahren. „Im Theorieunterricht befahren sie diese Strecken virtuell und erhalten detaillierte Unfallberichte“, so Bredow weiter. Als gefährlich gilt eine Strecke, auf der Fahranfänger innerhalb der vergangenen drei Jahre mindestens zwei Unfälle des gleichen Typs verursacht haben. Alleen bergen nach wie vor das größte Gefahrenpotenzial in Brandenburg, gefolgt von Fehlern beim Linksabbiegen.

Bei Pritzwalk (Prignitz) ereigneten sich auf einer Straße im vergangenen Jahr zwei Unfälle infolge eines Fehlers beim Abbiegen, ein Mensch ist dabei tödlich verunglückt. Solche Daten lassen sich auf der interaktiven Karte im Internet abrufen. „Wir wollen den Jugendlichen keine Angst machen“, sagt Bredow. „Wir wollen ihren Blick schulen und sie auf ähnliche Situationen vorbereiten.“

Fahrlehrer ziehen positive Bilanz

Rainer Sydow hat mit diesem Programm bisher gute Erfahrungen gemacht. „Passiert ein Autounfall in unmittelbarer Nähe zum eigenen Wohnort, löst das bei den Jugendlichen mehr Betroffenheit aus. Sie beobachten den Verkehr an dieser Stelle genauer und lernen die Straße anders kennen“, erklärt der Fahrlehrer. Am wirksamsten sei die Kombination aus Video und Selbsterleben. „Wir können nicht überall hinfahren und alle Situationen erleben, von daher kommt uns die Simulation sehr entgegen.“

Sicherer ans Ziel

Die Zahl der Verkehrsunfälle , die Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren verursacht haben, ist rückläufig. Waren es 2013 noch 7665, zählte man 2014 nur 6587.

Blechschaden gab es im Jahr 2014 in 5642 Fällen, Personen kamen 945 Mal zu Schaden.

Unter den 1279 verunglückten Personen sind 16 Tote, vier mehr als im Vorjahr 2013.

Die Unfallschwerpunkte des Landes Brandenburg finden Sie in einer interaktiven Karte unter www.regio-protect-brandenburg.de.

 

Von Luise Fröhlich

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