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Oldtimer fährt Sport-Oldtimer

Oldtimer im Raum Potsdam Oldtimer fährt Sport-Oldtimer

Als Hochzeitsauto wäre dieser Schlitten ewas für junge Heißsporne: Karl-Heinz Krüger aus Oberjünne ist zwar schon 79, aber verliebt in seinen schneeweißen, schnittigen Dodge Challenger, ein Sportcoupé aus Amerika.

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Mit dem Höllenauto durch Dreck und Schlamm

Die lange Haube des Dodge hat es dem Sammler angetan, aber auch die enorme Kraft, die drunter steckt

Quelle: Rainer Schüler

Planebruch. „Die lange Haube macht was her“, sagt Karl-Heinz Krüger (79): „Unsere Autos sind heute alle so schrecklich kurz!“ Aber die Länge und die Stromlinienschnittigkeit sind es nicht allein, was den Ex-Fuhrunternehmer vor 15 Jahren überwältigte, als er einen Jaguar bestellt hatte und kaufen wollte, bei einem Gebrauchtwagenhändler gleich nebenan aber den metallic-grünen Dodge Challenger erspähte. Es war Liebe auf den ersten Blick. Den Jaguarkauf sagte er spontan ab und verärgerte damit den Brandenburger Händler; egal! Was tut man nicht der Liebe wegen?!

Ein Autos aus einer anderen Zeit

Ein Autos aus einer anderen Zeit. In den 70ern hatte der Dodge Challenger seinen großen Auftritt – ein Hingucker ist er noch heute.

Quelle: Rainer Schüler

Der Dodge war keine allzugroße Herausforderung für Krüger, der Elektriker gelernt und sich das Kfz-Handwerk abgeschaut hatte bei den Kraftverkehrskollegen in seiner Heimatstadt Berlin. Einen Opel Olympia von 1936 fuhr er da privat. Der Liebe wegen zog er von Berlin aufs Land, nach Oberjünne bei Planebruch im Landkreis Potsdam-Mittelmark, Elfriede heißt die Holde. Busfahrer wurde er in Belzig und wechselte zur Nationalen Volksarmee als ziviler Fahrer eines russischen Ural-Lasters. Anfang der 80er machte er sich selbstständig als Fuhrunternehmen; eine Odyssee umständlicher Genehmigungen musste er ertragen. „Kein Auftrag ohne eigenen Laster“, hieß es, aber woher sollte er den als Privatmann kriegen? Einen für seine Zwecke ungeeigneten alten Tanklaster ergatterte er in einem Tauschgeschäft und baute ihn sich um. Sechs Laster wurden es über die Jahre, vier ständig im Dienst; er hatte Angestellte. An Elfriedes Elternhaus baute er sich eine Fahrzeughalle, in der die Lasterflotte instandgehalten wurde, bis er 1995 das Unternehmen aufgab und verfrüht in Rente ging. Rastlos blieb er, konnte das Autoschrauben nicht lassen. Da kam der Dodge Challenger als Nachfolger des Alfa Spider gerade recht. Den mächtigen Motor- und Getriebeblock hob er mit dem Gabelstapler aus dem Bug des schnittigen Boliden, erneuerte die Froststopfen, die Bremsen, ließ den grünen Wagen edel weiß lackieren. „Mein Junge ist Autoschlosser“, erzählt Krüger: „Auch der Enkel ist Schlosser. Die Jungs helfen mir.“ In eine fremde Werkstatt musst er also noch nie, alles ist in der Familie regelbar.

Karl-Heinz Krüger in Bastel-Laune

Karl-Heinz Krüger in Bastel-Laune.

Quelle: Rainer Schüler

So 30 bis 40 Autos hat er in seinem Leben schon gehabt, schätzt er, nacheinander, nicht zugleich. Ein schmucker, rot-weißer 311er Wartburg war dabei und einen 24er Wolga, ein Lada, ein Alfa, einen Pajero. Mit dem Wolga - aus zwei alten baute er sich einen neuen – fuhr er nach der Wende rüber in den Berliner Westen: „Die dachten, ich wäre bei der Stasi gewesen“, erzählt er schmunzelnd: „Keiner konnte sich vorstellen, dass er Normalbürger so ein Riesenauto fährt.“ Rot war der Wolga, mit Silberstreifen und rot-schwarzen Sitzen. Als die Sowjetmilitärs Deutschland verließen, rückten drei Offiziere bei ihm an und wollten diesen Wagen kaufen. Zusammenlegen mussten sie, legten 8000 D-Mark auf den Tisch und packten sich den Laster voll mit Wolga-Teilen, die Krüger gehortet hatte. „Ein Prachtstück“, erinnert er sich dieses Wagens, „bar zu groß und zu schwer für diesen Vier-Zylinder-Motor.“

Der Dodge Challenger

Unter der Typenbezeichnung Dodge Challenger verkaufte der US-amerikanische Automobilhersteller Dodge in den Jahren von 1969 bis 1974 und von 1978 bis 1983 zwei unterschiedliche Sportcoupés. Im Jahr 2008 erschien eine Neuauflage des Fahrzeuges, das (ähnlich wie die aktuellen Modelle des Ford Mustang und des Chevrolet Camaro) im Retrodesign gestaltet wurde.

Der erste Dodge Challenger wurde im Modelljahr 1970 eingeführt und gehörte zu der nach dem ersten Ford Mustang benannten Fahrzeuggattung der Pony Cars (Long hood, short deck) kompakter Sportcoupés oder Cabriolets.

Der Challenger war mit dem Plymouth Barracuda der dritten Generation weitgehend baugleich; die Karosserie war leicht modifiziert.

Das Design stammte von Carl Cameron.

Zwar fand der Challenger mit 83032 verkauften Stück im ersten Produktionsjahr eine gute Aufnahme am Markt, doch erschien er zu einer Zeit, zu der sich der Niedergang der Pony Cars bereits abzeichnete. Nach nur fünf Jahren wurde der Challenger mit dem Ende des Modelljahres 1974 ersatzlos eingestellt. Insgesamt wurden 188611 Fahrzeuge der ersten Generation verkauft.

Den Challenger gab es als Hardtop-Coupé und n den Jahren 1970/71 auch als Cabriolet. Das Spitzenmodell der Reihe war der Challenger R/T, den es ausschließlich im Jahr 1970 auch als Cabriolet gab.

Im Modelljahr 1972 entfielen alle Hochleistungsmotoren; stärkster Motor war seitdem ein 179 kW (243 PS) starker Achtzylinder, der Anfang 1974 dann ebenfalls eingestellt wurde.

Den Dodge hatte der Vorbesitzer sich aus den Staaten schicken lassen. Dort muss der Vorvorbesitzer sich einen Vierteldollar-Vorrat angelegt haben für irgendwelche Automaten; Krüger fand ein Säckchen im Kofferraum hinter einem Seitenblech. Über 80 Dollar waren da drin, ein moderner Schatz, ein Schätzchen, sozusagen. Zwölf Liter Super auf 100 frisst der Schlitten, „wenn man ihn vernünftig fährt“, sagt Krüger. Ausgefahren hat er ihn noch nie. „Wenn ich den jage, tut mir das weh“ gesteht der Fahrer: „Auch die Bremsen tun mir leid, ich schalte liebe runter und bremse mit dem Motor. Ich fühle mit jedem Teil im Wagen mit.“ Trotzdem packt es ihn zuweilen, wenn auf der Autobahn ein BMW herrisch an ihm vorüberfliegen will. Dann tritt er das Pedal macht kräftig durch und zeigt dem Gegner, mit wem er es zu tun bekommt. „Dann presst es mich glatt in den Sitz.“

Hier geht es zur MAZ-Oldtimer-Serie, in der bereits Herbert Schmidt (82) aus Bergholz-Rehbrücke mit seinem privaten Museum vorgestellt wurde, die Zweitauflage der Oltdimer-Rallye „24 Tour du Pont“ durch Potsdam und Jürgen Kreutz mit seinem britischen Klassiker Austin 7.

 

Von Rainer Schüler

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