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Manchmal wird’s für Radfahrer gefährlich

Unterwegs in Oranienburg Manchmal wird’s für Radfahrer gefährlich

Die Zahl der Unfälle, in die Radfahrer in Oranienburg verwickelt sind, steigen zwar nicht dramatisch an, aber immer mehr Menschen kommen dabei zu Schaden. In diesem Herbst starben zwei Fahrradfahrer. Es können noch so viele gute Radwege angelegt oder Ampeln aufgestellt werden, solange Radler und Kraftfahrer nicht voller Rücksicht miteinander umgehen.

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Manche Radfahrer nutzen eher den Fußgängerüberweg statt der Fahrradfurt auf der Straße wie hier an der Kreuzung Bernauer Straße/Ecke André-Pican-Straße.

Quelle: Andrea Kathert

Oranienburg. Im vorigen Jahr war Oranienburg die fahrradfreundlichste Stadt in Brandenburg (Klasse bis 50 000 Einwohner). In diesem Jahr landet sie auf Platz zwei. Aber sind Radfahrer auch sicher in der Innenstadt? Die beiden Unfälle in diesem Herbst, bei denen zwei Radfahrer ums Leben kamen, machen zumindest nachdenklich.

20 Prozent der Verkehrsteilnehmer in der Innenstadt sind Radfahrer. Die Polizei muss in den letzten Jahren keine erhöhten Unfallzahlen vermelden, die Zahl der verletzten Personen hingegen ist eindeutig gestiegen. Unfallursache Nummer eins: Die Vorfahrten werden nicht beachtet, Ampelsignale einfach ignoriert. Schon 25 Unfälle mit Radfahrern kamen auf diese Weise in diesem Jahr zustande. Fehler beim Abbiegen und beim Einfahren in den fließenden Verkehr führen ebenso öfter zu Kollisionen. Schuld sind sowohl Radler als auch Kraftfahrer.

Diese Radfahrerin ist in der falschen Richtung unterwegs und fährt außerdem auf dem Fußgängerstreifen statt auf der Radfurt

Diese Radfahrerin ist in der falschen Richtung unterwegs und fährt außerdem auf dem Fußgängerstreifen statt auf der Radfurt.

Quelle: Andrea Kathert

Adelheid Martin, die Vorsitzende des ADFC Oranienburg, spricht von einem gut ausgebauten Radwegenetz in der Stadt. Gefährlich seien aus ihrer Sicht allerdings die sieben Kreisverkehre. „Die Regelungen für Radfahrer sind unbefriedigend“, meint Adelheid Martin. „Die Vorfahrtsregeln zwischen den einzelnen Verkehrsarten sind nicht klar begreifbar.“ Eine Ausnahme ist der neue Kreisel an der Sachsenhausener Straße, dort sind die Vorfahrten eindeutig geklärt. Es ist der erste Kreisverkehr im Landkreis Oberhavel, in den Fußgängerüberwege integriert sind. Zum Ausbau des Radwegenetzes und in Sachen Gefahrenabwehr hat die Stadt einiges unternommen. Beispiel Havelstraße, Lindenring, Schulstraße, wo die Einbahnstraßen für Radler freigegeben sind. Die Heidelberger Straße wurde zur Fahrradstraße umgebaut. In der Willy-Brandt-Straße sind Schutz- und Radfahrstreifen eingerichtet worden. In der Lehnitzstraße verdeutlichen zusätzliche Piktogramme, dass der Abschnitt der Sackgasse von Radlern benutzt werden kann. In der Chausseestraße in Sachsenhausen wurde an der Einmündung Clara-Zetkin-Straße die Radfurt rot eingefärbt, um den Kraftfahrern zusätzlich zu signalisieren, dass Radler den Gehweg in beiden Richtungen mit nutzen können. Mit vier Flyern unter der Überschrift „Sicher Rad fahren in Oranienburg“ gibt die Stadt Hinweise auf neue Wegeführungen und richtiges Verkehrsverhalten. Einmal im Jahr radeln Mitarbeiter der Stadt, der Polizei und des Straßenverkehrsamtes durch die Stadt, um bei der Radverkehrsschau Konfliktpunkte zu begutachten. Adelheid Martin würde sich wünschen, dass an allen Ampelkreuzungen eine Vorrangschaltung für Radler eingerichtet, so wie an der André-Pican-Straße, wo Radfahrer schon vor den Kraftfahrern Grün bekommen. Doch Sinn machen alle Maßnahmen zur Gefahrenabwehr nur dann, wenn sich Radfahrer auch daran halten. Bei der Überquerung der Bernauer Straße, wie erst am Donnerstag beobachtet, nutzen viele Radler aus der Picanstraße statt der Radfurt lieber den Fußgängerüberweg, dort ist die Grünphase länger. Laut Polizei fahren etliche Radfahrer auch in die falsche Richtung, geben keine Handsignale, nutzen keinen Schulterblick, fahren ohne Licht und ohne Helm und tragen schwarze Kleidung in der Dunkelheit.

Die Polizei stellt immer wieder fest, dass Autofahrer, die auf das Fahrrad umsatteln, sich plötzlich anders, sprich sorgloser verhalten. Dabei sind Radfahrer eigentlich die schwächeren Verkehrsteilnehmer und sollten schon deshalb nicht kompromisslos auf ihr Recht pochen, sondern eher mit den Fehlern der anderen rechnen, meint die Polizei. Schulterblicke, Warnwesten und gut sichtbare Handzeichen sind deshalb sehr wichtig. Das ist auch für Pkw-Fahrer hilfreich. Im Endeffekt hilft nur eines, um Unfälle zu vermeiden: die gute alte Regel der gegenseitigen Rücksichtnahme.

Unfälle mit Radfahrern

Nach Informationen der Die Polizeidirektion Nord hat das Unfallgeschehen in bezug auf Radfahrer innerhalb der Kernstadt Oranienburg und des Ortsteils Sachsenhausen analysiert.

Von Januar bis Ende Oktober 2015 kam es zu 73 Unfällen, in die Radfahrer verwickelt waren. 27 Unfälle davon wurden von Radlern selbst verursacht.

Von den 73 Unfällen gab es 55 Unfälle mit Personenschäden. Dabei wurden 62 Personen verletzt, zwei wurden getötet.

Nach Monaten aufgeteilt ereigneten sich von den 73 Unfällen acht im März, elf im Mai, elf im Juni, 14 im September und zehn im Oktober.

Die häufigste Unfallzeit war um 15 Uhr (15 Unfälle), in den anderen Tageszeiten kam es zu deutlich weniger Unfällen , alle unter zehn.

Unfallschwerpunkte waren die Bernauer Straße und die Berliner Straße.

Im gesamten Jahr 2014 ereigneten sich 74 Unfälle mit Radfahrern. Davon 53 mit Personenschäden, dabei wurden 58 Menschen verletzt, niemand kam zu Tode.

Im gesamten Jahr 2013 ereigneten sich 69 Unfälle. Davon 46 mit Personenschaden, 46 Menschen wurden dabei verletzt, niemand kam zu Tode.

Im gesamten Jahr 2012 kam es zu 72 Unfällen. Davon 44 mit Personenschaden, 44 Menschen wurden dabei verletzt.

Hauptunfallursache sind Nichtbeachten der Vorfahrtsregeln und der Lichtzeichen, Fehler beim Abbiegen und Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr zum Beispiel an Grundstücksausfahrten.

Von Andrea Kathert

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