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Mehr Parkplätze für umsteigende Pendler

Potsdamer Park & Ride-Konzept Mehr Parkplätze für umsteigende Pendler

Ein neues Park & Ride-Konzept der Stadt sieht fünf neue Standorte und eine Verdopplung der Auto-Stellplätze für Pendler vor. Auch in den Umlandgemeinden sollen die Kapazitäten erhöht werden. Doch wie viele der 27.000 Auto-Pendler mit dem Ziel Potsdam tatsächlich auf den öffentlichen Personennahverkehr umsteigen, will man nicht einmal schätzen.

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Die Zahl der Stellplätze und Anlagen für Park & Ride-Nutzer soll verdoppelt werden.

Quelle: Detlev Scheerbarth

Potsdam. Mit fünf neuen Parkplätzen an den Zufahrtsstraßen ins Potsdamer Zentrum will die Stadtverwaltung mehr Pendler zur Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs animieren. Ein neues Park & Ride-Konzept soll deshalb von den Stadtverordneten beschlossen werden. Am Mittwoch wird es im Stadtparlament vorgestellt. „Wir wollen die Zahl der Stellplätze mehr als verdoppeln“, sagte Axel Dörrie, der städtische Mobilitätskoordinator und neue Leiter des Fachbereichs Verkehrsentwicklung, am Montag. Das letzte Park & Ride-Konzept stammt noch aus dem Jahr 1996.

Jeden Tag fahren 81.000 Autos in das Potsdamer Stadtgebiet ein

Grundlage des neuen Konzepts ist eine Analyse der nach Potsdam führenden Verkehrskorridore aus dem Jahr 2011. Mehr als 81.000 Fahrzeuge fahren demnach jeden Tag über die zwölf wichtigsten Einfahrtsstraßen nach Potsdam. In 27 000 Autos sitzen Pendler, die in Potsdam arbeiten. Allein über die Nutheschnellstraße und die Großbeerenstraße kommen 10.000 Pendler täglich in die Stadt. An der Wetzlarer Straße und der Kreuzung Alt Nowawes und Friedrich-List-Straße könnten deshalb zwei neue Anlagen entstehen.

Die Park & Ride-Fläche am Bahnhof Rehbrücke könnte auf dem Gebiet der Gemeinde Nuthetal erweitert werden

Die Park & Ride-Fläche am Bahnhof Rehbrücke könnte auf dem Gebiet der Gemeinde Nuthetal erweitert werden. Die Kapazität würde von 125 auf 225 Plätze steigen.

Quelle: Christel Köster

Derzeit stehen auf fünf Stellflächen in Potsdam insgesamt 420 kostenfreie Parkplätze zur Verfügung. Nach Umsetzung aller vorgeschlagenen Maßnahmen wären es 875. Neben neuen Anlagen sollen die vorhanden Plätze vergrößert werden. Durch potenzielle Erweiterungsflächen oder den Bau von Parkdecks sind theoretisch noch einmal 760 weitere Stellplätze möglich. Auch für Fahrräder sollen überdachte und beleuchtete Stellplätze geschaffen werden. Deren Anzahl ist bislang allerdings noch völlig offen.

Auch im Umland soll es künftig mehr Park & Ride-Flächen geben

„Da man bei dem Thema nicht an der Stadtgrenze halt machen kann, gab es eine intensive Zusammenarbeit mit Potsdams Umlandgemeinden“, sagte Dörrie. Aus Richtung Geltow, Michendorf und Nuthetal fahren laut Analyse täglich 11000 Pendler in die Stadt. Deshalb sind weitere oder vergrößerte Stellflächen an den Bahnhöfen Rehbrücke, Werder und Caputh-Schwielowsee, sowie in Baumgartenbrück und der Stahnsdorfer Waldschänke vorgesehen.

Nur eines der Projekte soll kurzfristig realisiert werden. Am Campus Jungfernsee sind 120 Stellplätze in der Wendeschleife der neuen Tramlinie eingeplant. Dieser Parkplatz soll gleichzeitig mit der verlängerten Straßenbahntrasse Ende 2017 fertiggestellt werden. Die Stellflächen an der Wetzlarer Straße (140 Plätze), sowie an der Ecke von Kirschallee und Pappelallee (80 Plätze) sind mittelfristige Projekte, die in zwei bis sieben Jahren entstehen könnten. Für diese drei Flächen sind laut Dörrie „nach groben Kostenschätzungen“ 1,2 Millionen Euro nötig. Alle anderen Maßnahmen würden erst langfristig umgesetzt und sollen in etwa die gleiche Summe kosten.

Die meisten Projekte werden jedoch frühestens ab 2022 umgesetzt

Was die Wirksamkeit der Stellflächen betrifft dürfe man „ehrlicherweise keine Wunder erwarten“, sagt Dörrie. Das Umsteigen von Autofahrern auf andere Verkehrsmittel sei nur in begrenztem Umfang möglich. In den Neunziger Jahren war man noch von einer Umsteigequote von zehn Prozent ausgegangen. Die Erfahrungen, die auch andere Städte seitdem gemacht hätten, ließen dagegen heute gar keine Prognosen mehr zu. Tatsächlich würden bei Ausnutzung aller Potenziale des Konzepts nur 1635 Stellplätze auf Potsdamer Boden für mehr als 27.000 Auto-Pendler entstehen.

Auch die Fremdnutzung der kostenfreien Parkplätze könnte punktuell ein Problem werden. Dass die Stellflächen kostenfrei bleiben, sei aber entscheidend für ihre Nutzung. Langfristig schwebt Dörrie ein Kombiticket von Parkschein und Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr vor. Doch dieses System müsse erst in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbund VBB entwickelt werden.

Von Peter Degener

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