Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° Sprühregen

Navigation:
Neuruppiner Oldiemarkt mit Besucherrekord

Glücksmomente im Schrauber-Paradies Neuruppiner Oldiemarkt mit Besucherrekord

Immer eine Reise wert: Tausende Schrauberfans von nah und fern kommen alljährlich zum Oldiebasar in Neuruppin, um nach Schätzen zu suchen. Nach vielen Standortwechseln in der Vergangenheit scheint Wulkow eine gute Lösung zu sein. Mit 10 300 Besuchern wurde in diesem Jahr ein neuer Besucherrekord aufgestellt.

Voriger Artikel
Mercedes macht das Rennen
Nächster Artikel
Kaputte Aufzüge und Rolltreppen am Hbf

Petra, Heinz-Jürgen und Matthias Koch (v. l.) aus Wolfsburg sind auf der Suche nach Simson-Zubehör fündig geworden.

Quelle: Peter Geisler

Wulkow. So viele glückliche Gesichter sieht man selten auf einmal. Bereits auf dem Weg vom Parkplatz zum Ort des Geschehens kommt einem eine Karawane strahlender Menschen, hauptsächlich Männer, entgegen: schwer beladen die einen, mit rostigen Schutzblechen oder Kotflügeln über der Schulter, Beuteln mit schweren Eisenteilen in den Händen oder rußigen Alt-Motoren unterm Arm. Viele ziehen Handwagen, vollbepackt und riemenverzurrt, hinter sich her. Wieder andere haben das Objekt ihrer Begierde zwischen den Schenkeln, betagte Schönheiten der Marken Simson und MZ. Thomas Pade aus Niendorf hat eine Simson SL1 erstanden. „Bei dem Preis musste ich zuschlagen – die kriegt meine Freundin zu Weihnachten“, sagt der junge Mann, der mit seinen Kumpels vom Verein IFA-Freunde Kaliß am Samstag bereits fünf Uhr morgens losgefahren ist, um auf dem Oldiemarkt nach passenden Ersatzteilen zu stöbern. „Ich habe fast alles gefunden“, sagt er. „Aber du kannst ja nicht in jede Kiste reingucken. Und irgendwann ist auch das Geld alle.“

8fa415a2-854d-11e5-a160-bd51d0784598

Vor 32 Jahren war er noch eine Idee von Insidern, inzwischen lockt er Händler und Besucher aus halb Europa an – der Oldtimer- und Teilemarkt in Neuruppin. In Neuruppin ist längst der Platz für den Oldiemarkt zu klein geworden, deshalb haben sich die Organisatoren ein Gelände im Ortsteil Wulkow ausgesucht.

Zur Bildergalerie

Recht hat er – der Teilemarkt, der in diesem Jahr erstmals in Wulkow stattfand, bietet ein nahezu unüberschaubares Angebot, das Schrauberfans das Herz höher schlagen lässt. Entsprechend groß ist auch das Gewimmel in den Gassen, wo dicht an dicht die Händler stehen. Auch diese gut gelaunt, man kennt einander und auch viele Kunden sieht man jedes Jahr wieder. Manche haben ihre Teile in Wühlkisten, andere Stände zeigen sich wohlsortiert – an einem liegen Auspüffe wie die Orgelpfeifen nebeneinander.

„Da geht einem das Herz auf“, sagt Michael Büchner aus Brieselang, der in einer Traube um ein D-Rad steht. „Sicher nicht billig.“

Männer tätscheln rostige Teile wie Babys

Überall sieht man Männer rostige Teile tätscheln wie Babys. Und überall gilt: finden, fragen, feilschen. Etwa beim Vorkriegsmodell eines Steib-Seitenwagen für BMW. „Der hatte schon viele Interessenten“, so Verkäufer Frank Pubanz. „Hauptsächlich aus Polen. Die sind fleißige Schrauber und knallharte Rechner“, so der Potsdamer. Mit dem neuen Gelände hat er sich noch nicht so ganz arrangiert. „Der alte Flugplatz war am schönsten“, sagt er. Für Organisatorin Monika Goldschmidt ist Wulkow indes ein Glücksgriff. Die EAN-Chefin denkt noch mit Grausen an die rückgestaute Autobahn im Vorjahr, als der Oldiemarkt im Gewerbepark in Werder stattfand. Hier in Wulkow sei reichlich Platz, lobt sie, zeigt sich indes unzufrieden mit vielen Autofahrern, die trotz Verbotes alle Straßen im Dorf und sogar Einfahrten zuparken.

Besucher fuhr Security-Mann an

„Die reine Anarchie“, sagt sie und erzählt, dass einer gar absichtlich einen Security-Mann angefahren habe, weil dieser nicht schnell genug die Straße freigab. Zufrieden ist Goldschmidt indes mit den Besucherzahlen. 10 000 am Freitag und Sonnabend, dazu noch 300 am Sonntag – das sei neuer Rekord. Allerdings überlege sie, zukünftig nur noch Freitag und Samstag zu nutzen. „In diesem Jahr waren allerdings statt 700 nur 600 Händler da“, ist sie irritiert. Ob das Verkehrschaos im vergangenen Jahr schuld sei, oder das ihrer Ansicht nach auf dem Finowfurter Teilemarkt geschürte Gerücht, dass der Teilemarkt in diesem Jahr in Neuruppin nicht stattfinde, kann sie nicht sagen. „Wir müssen für 2016 auf jeden Fall Werbung machen“, sagt sie. Immerhin ist der Teilemarkt in Neuruppin eine Instanz, bei der Händler und Käufer zum Teil enorm lange Anfahrtswege auf sich nehmen. „Die ersten reisen schon am Mittwoch an. Und das wegen Teilen, die für mich wie Schrott aussehen. Die glücklichen Männergesichter“, freut sie sich über ihren Job auf dem Markt, bei dem sie kaum einmal zur Ruhe kommt. Die EAN profitiert davon, die Eintrittsgelder fließen in die Arbeit der Entwicklungs- und Arbeitsfördergesellschaft.

Von Regine Buddeke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Auto & Mobiles