Volltextsuche über das Angebot:

0 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Potsdam – Paradies für Fahrraddiebe

2014: 2000 Fahrräder gestohlen Potsdam – Paradies für Fahrraddiebe

In kaum einer Stadt werden im Pro-Kopf-Vergleich so viele Fahrräder geklaut wie in Potsdam.Vergangenes Jahr hat die Polizei mehr als 2000 Diebstähle registriert. Die Zahlen haben sich in vier Jahren verdoppelt. Stadt und Polizei raten daher zu Gegenmaßnahmen.

Voriger Artikel
Kreiseigene Unternehmen werden bevorzugt
Nächster Artikel
18 Millionen für Brandenburgs Straßen

In Potsdam werden besonders häufig Fahrräder gestohlen.

Quelle: dpa

Innenstadt. Potsdam hat sich zu einer Hochburg des Fahrradklaus bundesweit entwickelt. Mit 1240 gemeldeten Diebstählen pro 10. 000 Einwohner im vergangenen Jahr rangiert die Landeshauptstadt auf Rang fünf hinter Cottbus, Magdeburg, Münster und Leipzig. Das geht aus einer neuen Erhebung auf Basis von Statistiken der zuständigen Polizeibehörden in Deutschland hervor. Mit insgesamt mehr als 2000 gestohlenen Fahrrädern nahm die Zahl demnach in Potsdam um mehr als zwölf Prozent zu. Gegenüber 2010 haben sich die Zahlen nahezu verdoppelt.

Konzentration von Diebstählen an Bahnhöfen

„Besondere Schwerpunkte konnten wir in der Stadt nicht ausmachen“, sagt der Fahrrad-Beauftragte der Stadt Potsdam, Torsten von Einem. Die größte Konzentration von Diebstählen sei aber an Knotenpunkten wie Bahnhöfen festzustellen. Die stünden daher auch im Fokus von Bemühungen der Stadt, sicherere Fahrrad-Stellplätze zu schaffen. So wurden etwa am Mittwoch zwölf neue abschließbare „Bike&Ride-Boxen“ am Bahnhof Griebnitzsee eröffnet. Im Herbst steht die Inbetriebnahme der neuen videoüberwachten Fahrradstation am Hauptbahnhof mit rund 560 Plätzen an – im Parkhaus. Im Herbst soll eröffnet werden; ein Betreiber wurde noch nicht vermeldet.

Ist das gute Stück einmal weg, hat der Besitzer nur geringe Aussichten, sein Rad wieder zurückzubekommen. Die Aufklärungsquote liegt nach Angaben der Erhebung des Verbraucherportals „billiger.de“ in Potsdam nur bei 10,2 Prozent und damit kaum über dem Bundesschnitt von 9,6 Prozent. Mit insgesamt knapp 340.000 verschwunden gemeldeten Fahrrädern wurden in Deutschland im vergangenen Jahr rund sieben Prozent mehr gestohlen als noch 2013. Der Schaden lag laut „billiger.de“ bei 160 Millionen Euro.

Robustes Schloss ist der beste Schutz

Das Schloss bleibt wohl die wichtigste Vorsichtsmaßnahme, einen Fahrrad-Diebstahl zu erschweren und möglichst zu verhindern. Potsdams Fahrrad-Beauftragter Torsten von Einem rät zu besonders robusten Modellen, mit denen das Rad möglichst mit seinem Rahmen an einen fest eingebauten Gegenstand wie einen Laternenmast angeschlossen werden soll.

Je dicker ein Schloss-Seil oder ein Schloss-Bügel ist, desto schwerer ist das Durchtrennen mit einem Bolzenschneider. Der Dieb müsste es aufsägen – das dauert und macht Krach.

Eine Codierung mit einer Zahlen-Buchstaben-Kombination, einer Adresse und Initialen des Besitzers hilft, potenzielle Diebe abzuschrecken. Zudem wird die Fahndung der Polizei so erleichtert. Besitzer sollten zud Wenn ein gestohlenes Fahrrad gefunden wird und mit Hilfe des Codes dem früheren Besitzer zuzuordnen ist, hat der Dieb schlechte Karten.


Zudem wird empfohlen das Fahrrad nachts möglichst nicht draußen, sondern hinter verschlossenen Türen, also im Keller, Fahrradkeller oder der Wohnung stehen zu lassen. Wenn Fahrraddiebstähle oder sonstige verdächtige Situationen beobachtet werden, sollte unverzüglich die Polizei informiert werden.

Polizei plädiert für Codierungen

Die für Potsdam zuständige Polizeidirektion West wollte die Zahlen mit Verweis auf den laufenden Großeinsatz um den vermissten sechsjährigen Elias gegenüber der MAZ nicht weiter kommentieren. Verwiesen wurde jedoch auf eine besondere Aufmerksamkeit von Beamten bei den üblichen Streifen. Zudem appelliert die Polizei an Fahrradbesitzer, sich die Rahmennummern ihrer Velos zu notieren oder fotografisch zu dokumentieren, um im Falle eines Diebstahls und eines späteren Wiederauffindens die Zuordnung zu erleichtern.

Dieses Schloss empfiehlt ein Fahrradexperte

André Barth ist Leiter des Potsdamer Fahrradgeschäfts „Das Radhaus“. Im MAZ-Interview erklärt, welche Schlösser einen guten Diebstahlschutz bieten.

Welches Schloss bevorzugen Sie?

Das Bügelschloss. Es ist zwar unpraktisch, weil nicht unbedingt flexibel, aber nach wie vor das solideste Schloss, noch vor dem Faltschloss.

Warum ist das so?

Der Bügel ist vom Material her robust und nicht leicht zu knacken. Zudem bietet es sonst nur eine Angriffsfläche, den Schließmechanismus, der allerdings vergleichsweise gut geschützt im Verborgenen liegt.

Wie sollte ein Rad befestigt werden?

Natürlich immer Hinterrad und Rahmen mit einem verankerten Gegenstand wie einem Laternenmast, einem fest installierten Ständer oder Ähnlichem verbinden. Wer noch sicherer gehen will, nutzt noch ein zweites Schloss von einer anderen Art als das erste. Diebe kommen nur mit einer Art Werkzeug.

Brandenburg liegt beim Fahrradklau auf dem 4. Platz der Bundesländer

„Die Stadt bemüht sich schon optimal“, sagte der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs in Potsdam ADFC, Ulf Hildebrand. In Hinsicht auf sicherere Abstellplätze sei bereits viel getan worden. Hildebrand verwies auf die Möglichkeit, das eigene Rad bei der Polizei oder beim ADFC mit einer eingravierten Codierung versehen zu lassen, die zum Teil auch abschreckend auf potenzielle Diebe wirke.

Bei den umliegenden Landkreisen taucht Potsdam-Mittelmark bei der Diebstahlhäufigkeit nicht auf. Allerdings zählt das Havelland zu den 20 am stärksten betroffenen Kreisen bundesweit. Hier gab es im vergangenen Jahr je 100.000 Einwohner 628 Fahrrad-Diebstahlsfälle. Insgesamt wurden 966 geklaute Velos gemeldet. Ebenfalls in der Liste: der Kreis Dahme-Spreewald mit 688 Fällen auf 100.000 Einwohner 2014. Ganz Brandenburg gehört auf Platz vier unter den Bundesländern zu den Hochburgen.

Von Gerald Dietz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Auto & Mobiles